Sexualmedizin


Sexuell übertragbare Erkrankungen

Chlamydieninfektion, genitale

Genitale Chlamydieninfektion (nicht-gonorrhöische Zervizitis, Chlamydien-Vaginitis oder -Zervizitis): eitrige Infektion der Schleimhäute des Geschlechtstrakts und der Harnröhre, ausgelöst durch das Bakterium Chlamydia trachomatis Typ D-K. Sowohl Männer als auch Frauen können sich infizieren, aber auch Überträger sein. Es besteht die Tendenz zur Chronifizierung, bei Frauen als chronische Adnexitis mit Befall von Eierstöcken und Eileitern.

Die genitale Chlamydieninfektion ist derzeit die häufigste Geschlechtskrankheit der westlichen Welt, 5 % aller Frauen und 3 % der Schwangeren sind infiziert, unter sexuell früh aktiven Frauen und Frauen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern sogar bis zu 20 %. In Deutschland kommt es pro Jahr zu etwa 300 000 Neuinfektionen bei Frauen.

Symptome und Leitbeschwerden

Akute Infektion:

  • Schleimig-eitriger Ausfluss aus der Scheide bzw. weißer oder wässriger Ausfluss aus dem Penis
  • Juckreiz
  • Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr.

Chronische Infektion:

Bei Frauen:

  • Bauch- und Rückenschmerzen
  • Verlängerte Regelblutung, eventuell auch Zwischenblutungen
  • Starker Harndrang
  • Durchfall
  • Unfruchtbarkeit
  • Fieber.

Bei Männern:

  • Ziehen und Schmerzen im Unterbauch
  • Ziehende Schmerzen in der Harnröhre
  • Starker Harndrang
  • Rückenschmerzen
  • Unfruchtbarkeit
  • Fieber.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • oben genannte Beschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Chlamydien sind eine besondere Art von Bakterien, da sie – ähnlich den Viren – nur in Wirtszellen überleben. Die drei Bakterienarten Chlamydia trachomatis, Chlamydia pneunomiae und Chlamydia psittaci sind für eine Vielzahl von Infektionen verantwortlich, so für Bindehautentzündungen der Augen, Lungenentzündungen, das Lymphogranuloma inguinale und eben auch für die heute häufigste Geschlechtskrankheit, die genitale Chlamydieninfektion.

Bei Frauen macht sich die Infektion als akute Adnexitis bemerkbar; da die Beschwerden aber bei Frauen oft eher milde sind, unterbleibt häufig die Behandlung.

Die Chlamydieninfektion kann leicht chronisch werden. Unbehandelt drohen nicht selten sowohl bei Frauen als auch bei Männern chronische Unterleibsbeschwerden und Unfruchtbarkeit.

Risikofaktoren

Ungeschützter Geschlechtsverkehr (vaginal, oral oder anal) mit häufig wechselnden Sexualpartnern.

Komplikationen

Bei Frauen. Unentdeckt können sich die Chlamydien über Wochen und Monate im Becken ausbreiten und die Eileiter und die Eierstöcke besiedeln. Oft sind jahre- bis jahrzehntelange chronische Unterleibsbeschwerden im Rahmen einer chronischen Adnexitis sowie Unfruchtbarkeit die Folge. Kommt eine Schwangerschaft zustande, sind Komplikationen wie eine Eileiterschwangerschaft und Frühgeburten häufig, und selbst bei einer "normalen" Schwangerschaft infizieren Chlamydien-Bakterien in der Scheide in 30 % der Fälle die Augen und die Lunge des Neugeborenen.

Bei ungeschütztem analen oder oralen Verkehr droht die Infektion von Rektum (Proktitis) bzw. Rachen (Pharyngitis). Zwar verlaufen diese Infektionen meist ohne Beschwerden und heilen auch nach einigen Wochen wieder aus, bis dahin stellen sie jedoch ein Infektionsrisiko dar.

Bei Männern. Nur bei der Hälfte der betroffenen Männer kommt es zu Beschwerden in Form von Schmerzen beim Wasserlassen und starkem Harndrang. Unbehandelt drohen eine Prostataentzündung und/oder Nebenhodenentzündung sowie Unfruchtbarkeit. Eine weitere vor allem Männer bedrohende Komplikation ist eine reaktive Arthritis in verschiedenen Gelenken sowie Sehnenscheidenentzündungen.

Diagnosesicherung

Der Nachweis einer Chlamydieninfektion ist aufwendig und gelingt auch nicht immer.

Als Schnelltest steht ein immunologischer Bluttest (Antigentest) zur Verfügung. Bestätigt dieser den Verdacht, stehen zum definitiven Nachweis immunologische Untersuchungen (z. B. die Immunfluoreszenz) zur Verfügung. Benötigt wird dazu Abstrichmaterial vom Geschlechtsorgan, aus dem im Labor Erreger-DNS isoliert und mit gentechnischen Verfahren wie der PCR vermehrt wird. Die Anzucht des Erregers selbst kann in speziellen Zellkulturen von Abstrichmaterial (auch aus Urin) versucht werden. Der Nachweis von Antikörpern gegen Chlamydia trachomatis im Blut ist ebenfalls möglich. Der Test kann allerdings nicht zwischen aktueller und bereits ausgeheilter Infektion unterscheiden und ist daher in der Regel von begrenztem Wert.

Bei Frauen. Ein erster Hinweis auf eine Infektion ist der gelblich-klebrige Ausfluss. Bei der Untersuchung mit dem Spekulum erkennt der Frauenarzt oft ein gelbliches Sekret aus dem Gebärmutterhals. Abstriche von der Gebärmutterhalsschleimhaut, aus der Harnröhre und dem Mastdarm (Rektum) erlauben den Keimnachweis im Labor. Außerdem wird der Urin auf Chlamydien untersucht. Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten für die Untersuchung im Rahmen des Chlamydien-Screenings.

Bei Männern. Je nach Beschwerdebild kann der Arzt folgende Testverfahren anwenden, um Chlamydien nachzuweisen:

  • Abstrich aus der Harnröhre oder dem Mastdarm
  • Urintest zum Nachweis einer urogenitalen Infektion
  • Abstriche der Rachenschleimhaut bei Verdacht auf Infektion des Rachens
  • Untersuchung des Augensekrets (abgesonderte Flüssigkeit).

Behandlung

Die Therapie erfolgt mit Antibiotika über 10–14 Tage z. B. mit Tetrazyklin oder Doxycyclin.

Schwangere werden routinemäßig zu Beginn der Schwangerschaft auf Chlamydien untersucht und im Fall einer Infektion ab der 14. Schwangerschaftswoche antibiotisch behandelt. Eine regelmäßige Untersuchung während der Schwangerschaft schützt außerdem vor einer eventuellen Frühgeburt und einer Infektion des Neugeborenen.

Um eine gegenseitige Wiederansteckung ("Ping-Pong-Effekte") zu vermeiden, sollten der oder die Sexualpartner der letzten 60 Tage mitbehandelt werden. Verzichten Sie bis zum Ende der Therapie auf Geschlechtsverkehr.

Prognose

Wird die Infektion rechtzeitig entdeckt und eine Antibiotikatherapie eingeleitet, ist die Prognose sehr gut: Die Chlamydien-Infektion heilt meist ohne Folgen aus. Wird sie jedoch nicht oder zu spät behandelt, drohen Folgeschäden wie Unfruchtbarkeit.

Ihr Apotheker empfiehlt

Prävention und Früherkennung

Da Chlamydien außerordentlich ansteckend sind, bieten auch Kondome nur begrenzten Schutz. Trotzdem sind sie besser als ungeschützter Verkehr. Nach Abschluss der Therapie wird der Behandlungserfolg durch erneute Testung aller Sexualpartner nachgewiesen.

Mittlerweile gibt es auch für zu Hause Selbsttests, doch diese sind weniger zuverlässig als die Untersuchungsverfahren beim Arzt. Beim Urintest für zu Hause wird ein kleiner Behälter mit dem Morgenurin gefüllt. Der Ablauf ähnelt dem bei einem Schwangerschaftstest. Das Ergebnis erkennt man an den Verfärbungen oder der Anzahl der Linien auf dem Test. Bei dem Abstrichtest nimmt man einen Abstrich aus der Scheide mit einem Wattestäbchen und schickt die Probe zur Auswertung an ein Labor.

Feigwarzen

Feigwarzen (Condylomata acuminata, spitze Kondylome, Genitalwarzen, HPV-Infektion): Spitze, hahnenkammartige Wucherungen nach Infektion mit dem Humanen Papillom Virus (HPV). Feigwarzen kommen zunehmend häufig vor; in den westlichen Ländern sind 0,1–1,0 % der Bevölkerung betroffen. Die 15- bis 30-Jährigen stecken sich am häufigsten an, doch viele davon erkranken nicht sichtbar. Da die Viren hauptsächlich durch Haut- und Schleimhautkontakte beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, zählen Feigwarzen zu den sexuell übertragbaren Krankheiten. Eine Behandlung ist nur symptomatisch möglich, d. h. die Warzen können entfernt werden, nicht aber die Viren als deren Ursache. Rückfälle (Rezidive) sind daher häufig.

Symptome und Leitbeschwerden

Genitalwarzen rufen nur selten Beschwerden hervor. Folgende Symptome können auftreten:

  • Hahnenkammartige, weißlich-graue, spitze Warzen im äußeren Geschlechtsorgan- und Analbereich
  • Nässegefühl
  • Juckreiz oder Brennen
  • Kleine blutende Risse (Fissuren) rund um die Warze.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • fühl- oder sichtbare Warzen im Geschlechtsorgan- oder Analbereich auftreten.
  • es im Geschlechtsorgan- oder Analbereich juckt oder brennt.
  • es zu Blutungen (aus der Scheide) unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr kommt.
  • Feigwarzen beim Partner diagnostiziert wurden.

Die Erkrankung

HPV ist ein Virus, von dem man etwa 90 verschiedene Typen kennt.

Bei Frauen verursachen die Typen HPV 6 und 11 im äußeren Genitalbereich (Schamlippen und Scheideneingang) und Analbereich Feigwarzen. Infektionen sind auch an den inneren Genitalorganen bekannt, sehen dann aber anders aus: Insbesondere am Muttermund werden nach HPV-Infektion flache Kondylome beobachtet.

Bei Männern treten die Feigwarzen vom Typ HPV 6 und 11 hauptsächlich am Penisschaft (51 %), am After (34 %), an der Eichel (10 %) und an der Vorhaut (8 %) auf. Nachweislich stecken sich beschnittene Männer deutlich seltener an als nicht beschnittene. Die Feigwarzen treten bei Letzteren an der Vorhaut und dem Vorhautbändchen, an der Eichel und dem Eichelrand sowie an der Harnröhrenöffnung (deutlich häufiger als bei der Frau) auf. Bei beschnittenen heterosexuellen Männern findet man Feigwarzen am Penisstamm und an der -wurzel. An Feigwarzen, die ausschließlich im Analbereich bzw. -kanal auftreten, leiden in der Mehrzahl Homosexuelle.

Krankheitsentstehung

Die Viren werden von Mensch zu Mensch, vorwiegend beim Geschlechtsverkehr, übertragen. Anschließend dauert es Wochen bis Monate, bis es zu Krankheitsanzeichen kommt. In vielen Fällen bleiben sie ganz aus oder treten nur bei verminderter Immunabwehr auf. Feigwarzen an sich sind gutartig, kommen aber häufig zusammen mit Zellveränderungen vor, die Vorstufen zu bösartigen Tumoren der Geschlechtsorgane, insbesondere für Gebärmutterhalskrebs oder Peniskrebs, sein können.

Ursachen

Das Virus wird meist durch ungeschützten Geschlechtsverkehr durch den direkten Kontakt mit den infizierten Haut- oder Schleimhautarealen übertragen.

Selten wird das Virus auch als Schmierinfektion über infizierte Handtücher oder verunreinigte Gegenstände wie Sexspielzeug weitergegeben.

Risikofaktoren

  • Häufig wechselnde Sexualpartner
  • Immunsuppressiva (Arzneimittel, die beispielsweise bei Krebserkrankungen oder Multipler Sklerose eingesetzt werden und die die normale Funktion des Immunsystems vermindern)
  • Genussmittel- (Nikotin, Alkohol) und Drogenmissbrauch
  • Geschwächte Immunabwehr
  • Bestehende Entzündungen an Enddarm und Genital (z. B. Eichelentzündung beim Mann, Analekzem)
  • Vorhandensein anderer Geschlechtskrankheiten wie Herpes genitalis oder HIV
  • Kleine Risse in Schleimhaut und Haut
  • Benutzung von verunreinigten Gegenständen wie Sexspielzeug.

Auslöser

  • Als Auslöser für Feigwarzen gelten die humanen Papillomaviren (HPV), und zwar die HPV-Typen 6 und 11. Sie nisten sich in den oberen Hautschichten ein. Allerdings entstehen nur dann Warzen, wenn weitere begünstigende Faktoren hinzutreten wie eine schwache (lokale) Immunabwehr.

Diagnosesicherung

Bei Frauen. Meist werden Veränderungen bei Vorsorgeuntersuchungen entdeckt. Aufgrund ihres typischen Aussehens sind Feigwarzen leicht zu erkennen. Kleine Herde im Scheideninneren entdeckt der Arzt durch die Scheidenspiegelung. Dabei entnimmt er einen Abstrich von der Muttermundschleimhaut. Flache Kondylome sind nach Betupfen mit niedrig konzentrierter Essigsäure besser sichtbar. Die sicherste Diagnose ist der Nachweis von Virus-DNS im Labor, für den unter örtlicher Betäubung eine kleine Gewebeprobe mit einer speziellen Zange entnommen wird (Knipsbiopsie).

Bei Männern. Bei Verdacht auf Feigwarzen untersucht der Urologe zunächst den äußeren Genitalbereich, d. h. vor allem die Eichel und den Harnröhrenausgang, sowie den After. Findet der Arzt Feigwarzen, wird eine Harnröhrenspiegelung bzw. Enddarmspiegelung durchgeführt, da sich die Feigwarzen unbemerkt im Enddarm und der Harnröhre ausbreiten können. Da die Feigwarzen im Anfangsstadium kaum zu erkennen sind, werden verdächtige Hautstellen mit verdünnter Essigsäure betupft, um flache Kondylome sichtbar zu machen.

Behandlung

Der Partner muss mituntersucht und gegebenenfalls mitbehandelt werden, um Ping-Pong-Ansteckungen zu vermeiden.

Die Therapie erfolgt je nach Ausmaß der Erkrankung individuell verschieden.

Pharmakotherapie

Podophyllin. Einzelne kleine Feigwarzen werden durch einmal wöchentliches Auftupfen einer Lösung mit Podophyllin vom Arzt behandelt, bis sie verschwinden. Da die Substanz aufgrund ihrer Nebenwirkungen nur begrenzt verwendet werden darf, eignet sie sich nicht zur Langzeitbehandlung oder für ausgedehnt befallene Flächen. Auch sind bei etwa 60 % der Patientinnen Rückfälle zu beobachten.

Alternativ können Feigwarzen auch vereist werden. Dabei wird ein Wattebausch mit flüssigem Stickstoff auf die betroffenen Stellen getupft.

Imiquimod. Ein neuer Therapieansatz ist der Immunmodulator Imiquimod (Aldara®), der das Immunsystem stärkt, sodass der Körper selbst den Virus eindämmt. Aldara® wird ebenfalls lokal aufgetragen.

Grüntee-Extrakt. Dieses Arzneimittel ist als Salbe zur äußerlichen Genitalwarzenbehandlung auf dem Markt und enthält einen Extrakt aus grünem Tee (Veregen®). Zwei internationale Studien zeigen, dass es die Rückfallrate auf unter 10 % senkt und das Abheilen fördert – bei 50 % der Patientinnen verschwanden die Feigwarzen vollständig. Die Salbe aus Grünem-Tee-Extrakt eignet sich zur äußeren Anwendung bei schwachem und starkem Befall und soll dreimal täglich aufgetragen werden, bis keine Warzen mehr vorhanden sind – höchstens jedoch 16 Wochen lang.

Operative Behandlung

Auch wirksam und insbesondere für stärkeren Befall geeignet ist ein operativer Eingriff, bei dem die Feigwarzen unter örtlicher Betäubung mit Elektrokoagulation (elektrische Verkochung) oder mittels Laser abgetragen werden. Meist wird eine Kombinationstherapie (Pharmakotherapie und Operation) angewandt, um das hohe Rückfallrisiko zu verringern. Um Rückfälle frühzeitig zu entdecken, sollten Betroffene noch mehrere Jahre nach der Behandlung regelmäßig zur Kontrolle gehen.

Prognose

Derzeit gibt es keine wirksame Therapie, die die humanen Papillomaviren (HPV) beseitigt. Das heißt: Die Feigwarzen können auch nach erfolgreicher Behandlung immer wieder auftreten, und bestehen sie über eine längere Zeit, ist eine Entartung zum Penis- oder Gebärmutterhalskrebs möglich.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Aufgrund des hohen Rückfallrisikos ist es wichtig, dass Sie sich regelmäßig untersuchen lassen, auch wenn die Warzen erfolgreich beseitigt wurden.

Auch Ihr Sexualpartner sollte sich regelmäßig untersuchen lassen.

Prävention

  • Für Mädchen ab dem 9. Lebensjahr wird die HPV-Schutzimpfung zur Vorbeugung empfohlen.
  • Verwenden Sie Kondome, sie bieten allerdings keinen 100%igen Schutz, da Feigwarzen extrem ansteckend sind.
  • Benutzen Sie keine gemeinsamen Handtücher und Waschlappen.

Gonorrhö

Gonorrhö (Gonorrhoe, Tripper, Morbus Neisser, GO): Häufig auftretende Geschlechtskrankheit. Jedes Jahr infizieren sich bis zu 60 Millionen Menschen weltweit mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken). Männer und Frauen sind dabei gleichermaßen von Tripper betroffen, vor allem im jüngeren Erwachsenenalter um die 30 Jahre. Die Erkrankung bleibt meist unbemerkt. Aufgrund der zunehmenden Verbreitung von antibiotikaresistenten Erregerstämmen (insbesondere gegen Breitbandantibiotika und Penizillin) gewinnt die Gonorrhö als Krankheitsbild weltweit wieder an Bedeutung.

Symptome und Leitbeschwerden

Bei Frauen:

In fast 70 % der Fälle treten zunächst keine oder nur sehr milde Beschwerden auf, sodass die Infektion zunächst möglicherweise gar nicht bemerkt wird. Achten Sie auf folgende Symptome:

  • Eitriger Ausfluss aus der Scheide
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Leichte Halsschmerzen, wenn Rachenbereich infiziert ist
  • Brennen und Schmerzen beim Stuhlgang sowie Beimengungen von Schleim im Stuhl, wenn die Schleimhäute des Enddarms betroffen sind.

Bei Männern:

  • Brennende Schmerzen beim Wasserlassen bis hin zum Gefühl von Glassplittern in der Harnröhre
  • Rötung und schmerzhafte Schwellung am Penis und an der Vorhaut
  • Zunehmender eitriger, schleimiger Ausfluss (oft morgens, auch "Bonjour-Tröpfchen" genannt) aus der Harnröhre, der dann schnell gelblich-cremig wird
  • Schleimig-eitrige Beimengungen im Stuhl und Schmerzen beim Stuhlgang als Folge der Entzündung im Enddarm beim Analverkehr
  • Entzündung mit Halsschmerzen als Folge von Oralverkehr (Rachen-Gonorrhö).

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • oben genannte Symptome auftreten.
  • es zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einem Partner mit bekannter Infektion kam.

Die Erkrankung

Ursachen

Hauptursache der Erkrankung ist der ungeschützte Geschlechtsverkehr mit einem Erkrankten. Die Gonorrhö-Erreger werden also vor allem durch den direkten Kontakt mit den Schleimhäuten übertragen, aber auch durch indirekten Kontakt mit infektiösen Körpersekreten wie Stuhl oder Urin. Da die Erreger auf äußere Einflüsse sehr empfindlich reagieren, ist eine Ansteckung durch Kontakt mit verunreinigten Gegenständen, wie Waschlappen oder Handtücher, eher unwahrscheinlich.

Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Gonokokken vom Mann zur Frau bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr liegt bei etwa 85 %; andersherum geben nur etwa 30 % der erkrankten Frauen den Erreger an den Partner weiter.

Komplikationen

Eine unbehandelte Gonorrhö kann sich über den Blutweg im ganzen Körper ausbreiten (Gonokokkensepsis). Es kann zu wiederkehrenden Fieberschüben, Schüttelfrost, Hautveränderungen und schmerzhaften Gelenk- und Sehnenscheidenentzündungen kommen. Ebenso ist eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) möglich.

Bei Frauen entwickelt sich häufig eine Gebärmutterhalsentzündung (Zervizitis) mit Fieber sowie heftigen Unterbauchschmerzen sowie Eierstock- und Eileiterentzündungen (chronische Adnexitis). Verkleben in der Folge die Eileiter, kann es zur Unfruchtbarkeit kommen.

Die Übertragung ist auch bei der Geburt von der infizierten Mutter auf das Neugeborene möglich, das meist an einer eitrigen Bindehautentzündung erkrankt. Aus diesem Grund erhalten Neugeborene bei Bedarf direkt nach der Geburt Augentropfen, um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden.

Bei Männern kann es zu einer chronischen Prostataentzündung und/oder Entzündung der Nebenhoden kommen. Da die chronische Entzündung für Antibiotika schwer zugänglich ist, kann sie zu Verengungen in der Harnröhre führen.

Auslöser

Als Auslöser gilt das Bakterium Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken).

Verlauf

Bei Frauen. Gonokokken verursachen wenige Stunden bis zu 10 Tage nach der Ansteckung eine Entzündung meist des Gebärmutterhalses. Diese breitet sich auf die Harnröhre, manchmal auch auf den Enddarm aus. Im Scheideneingang werden vorwiegend die Bartholin-Drüsen befallen, die anschwellen und schmerzen. Bleibt die Infektion unbehandelt, dehnt sie sich oberhalb des Gebärmutterhalses auf den Gebärmutterkörper, die Eileiter und den Beckenraum aus (obere Gonorrhö). Die Spätfolgen können Verklebungen und Verwachsungen und dadurch bedingte chronische Unterbauchschmerzen, Eileiterschwangerschaften und Unfruchtbarkeit sein. Werden Neugeborene während der Geburt infiziert, erkranken sie an einer eitrigen Bindehautentzündung (Blenorrhö). Unbehandelt kann sich die Infektion auch außerhalb des Genitaltrakts auf andere Organe wie Gelenke, Hirnhäute und Herz ausweiten.

Bei Männern. 2–3 Tage nach der ursächlichen Infektion mit Gonokokken treten die ersten Anzeichen in Form von Schmerzen beim Wasserlassen und einem milchig-eitrigen Ausfluss auf. Meist zeigt sich die Erkrankung jedoch ohne spürbare Symptome, sodass der Infizierte die Gonokokken unwissentlich an seine Sexualpartner weitergibt und die Erkrankung lange unbehandelt bleibt. Es drohen chronische Krankheitsverläufe, schwere Entzündungen der Geschlechtsorgane und irreparable Schäden wie etwa Unfruchtbarkeit.

Diagnosesicherung

Der Arzt erkundigt sich nach Dauer und Beschaffenheit des Ausflusses, nach dem Zeitpunkt des letzten Geschlechtsverkehrs sowie nach den Sexualpraktiken. Letzteres ist wichtig, da bei Oralverkehr die Gonorrhö auch den Rachen befallen kann. Im Rahmen der körperlichen Untersuchung nimmt der Arzt einen Abstrich von den betroffenen Körperstellen: bei der Frau meist vom Gebärmutterhals, beim Mann von der Harnröhre. Aber auch Abstriche aus dem Rachen, dem After oder der Augenbindehaut sollten erfolgen, um diese mikroskopisch zu untersuchen. Da häufig eine Mehrfachinfektion vorliegt, gehören auch Tests auf Syphilis und eine Chlamydieninfektion zur Diagnostik.

Behandlung

Um die weitere Ausdehnung der Infektion und mögliche Spätfolgen zu verhindern, wird sofort antibiotisch behandelt, auch ohne den Erregernachweis abzuwarten. Dazu reicht bei einer unkomplizierten, unteren Gonorrhö meist eine einmalige Gabe (als intramuskuläre Spritze oder Tablette) eines Antibiotikums wie Ceftriaxon i. m., alternativ Cefixim, Ofloxacin oder Ciprofloxacin.

Je nach Präparat werden Chlamydien direkt miterfasst oder durch eine zusätzliche einwöchige Einnahme eines entsprechenden Antibiotikums behandelt. Sexualpartner (auch wenn die Sexualkontakte bis zu 30 Tage zurückliegen) bekommen ebenfalls diese Antibiotika.

Bei Frauen. Unmittelbar nach der nächsten Menstruation erfolgt eine Therapiekontrolle durch Abstrich und ggf. Kultur. Ist es bereits zu einer gonorrhöischen Eileiterentzündung gekommen, wird ein Krankenhausaufenthalt über mindestens eine Woche notwendig. Die Antibiotikabehandlung erfolgt in solchen Fällen in höherer Dosierung und längerer Dauer.

Prognose

Die Aussichten auf Heilung sind meist gut. Bei einer frühzeitigen Behandlung mit Antibiotika heilen die Entzündungen in der Regel folgenlos aus.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

  • Gehen Sie bei den ersten Symptomen zum Arzt.
  • Wichtig ist auch die Behandlung des Sexualpartners, um eine immer wiederkehrende wechselseitige Ansteckung zu vermeiden.

Prävention

  • Verwenden Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome, um sich vor einer Ansteckung mit Gonokokken zu schützen.
  • Derzeit gibt es noch keine Impfung gegen Neisseria gonorrhoeae, allerdings infizieren sich weniger Frauen, die gegen Meningokokken der Gruppe B geimpft sind.

Herpes genitalis

Herpes genitalis (Herpes-simplex-Virus-Infektion, Genitalherpes): Entzündung im Genitalbereich durch Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2). Herpes genitalis gehört zu den sexuell übertragbaren Krankheiten und ist eine weitverbreitete Erkrankung; in Europa sind etwa 30 % der Bevölkerung Träger des HSV-2. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, da für sie das Ansteckungsrisiko beim Geschlechtsverkehr höher ist. Das Virus bleibt lebenslang im Körper und kann deshalb auch immer wieder eine Entzündung hervorrufen.

Symptome und Leitbeschwerden

Oft verläuft eine Herpes-genitalis-Infektion ohne Symptome. Wenn Beschwerden auftreten, dann vor allem im Genitalbereich (äußere Geschlechtsorgane).

Bei Frauen:

  • Juckreiz, Spannungsgefühl, Kribbeln und brennende Schmerzen im äußeren Geschlechtsorganbereich, in der Scheide, aber auch am After und Gesäß
  • Verstärkter glasiger Ausfluss
  • In Gruppen auftretende, schmerzhafte Bläschen, die aufplatzen und verkrusten
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und beim Wasserlassen
  • Häufig geringe Schwellung und Schmerzhaftigkeit regionaler Lymphknoten
  • Allgemeines Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, evtl. Fieber.

Bei Männern:

  • Juckreiz, Spannungsgefühl, Kribbeln und brennende Schmerzen im Genitalbereich, am After oder Gesäß.
  • Evtl. glasiger Ausfluss
  • In Gruppen auftretende, schmerzhafte Bläschen, die aufplatzen und verkrusten
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und beim Wasserlassen
  • Häufig geringe Schwellung und Schmerzhaftigkeit regionaler Lymphknoten
  • Allgemeines Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, evtl. Fieber.

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • die genannten Beschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Die Herpes-simplex-Viren Typ 2, Hauptverursacher der Krankheit, dringen meistens über kleinste Verletzungen der Haut oder Schleimhaut in den Körper ein. Sie vermehren sich zunächst in den Schleimhautzellen, um dann über Nervenfasern ins Rückenmark zu wandern, wo sie nach der ersten Infektion lebenslang verbleiben. Nach der Erstinfektion können sie erneut zu Beschwerden führen wie Lippenherpes (rezidivierender Herpes labialis).

Ursachen

Herpes genitalis wird in 50–70 % der Fälle durch den Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) verursacht; in 20–30 % der Fälle durch Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1). Übertragen wird das Virus überwiegend durch Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner. Auch Oralverkehr oder mit Viren verunreinigte Hände können ursächlich sein. Ebenso ist es möglich, dass infizierte Gegenstände wie benutzte Kondome, verunreinigtes Sexspielzeug oder getragene Unterwäsche indirekt zur Ansteckung führen.

Verlauf

Eine Infektion mit HSV-2 löst nach wenigen Tagen eine Entzündung im Geschlechtsorganbereich aus, die das äußere Geschlechtsorgan, die Schamlippen, die Scheide und auch den Gebärmutterhals betreffen kann. Es kommt zu den charakteristischen schmerzhaften Herpesbläschen, die einige Tage später aufplatzen und kleinen Geschwüren ähneln. Sie trocknen unter Krustenbildung ein und heilen nach sieben bis zehn Tagen narbenlos ab. Da die Viren auch mit Behandlung lebenslang im Körper verbleiben, kann es immer wieder zu lokal begrenzten Rückfällen kommen, insbesondere in Zeiten mit geschwächter Immunlage, bei geschwächtem Immunsystem, Erkältung, Stress und bei Frauen auch während der Menstruation. Sowohl die Erstinfektion als auch die Rückfälle laufen häufig unbemerkt ab und werden oft nur zufällig diagnostiziert.

Komplikationen

Bei infizierten Schwangeren kann sich der Erreger während der Geburt auf das Neugeborene übertragen (Herpes neonatorum), was sehr gefährlich werden kann, da sowohl Haut, Schleimhaut, Augennetzhaut als auch innere Organe betroffen werden können. Man geht davon aus, dass ca. 50 % der Neugeborenen von infizierten Müttern sich während der Geburt anstecken. Durch einen Kaiserschnitt kann die Infektion verhindert werden.

Diagnosesicherung

Die Diagnose stellt der Arzt häufig schon aufgrund der typischen gruppiert stehenden, teilweise aufgeplatzten und verkrusteten Bläschen. Zur Bestätigung der Diagnose wird ein Abstrich vom Bläscheninhalt im Labor untersucht, so wird geklärt, ob es sich um Herpes-Simplex-Viren vom Typ 1 oder 2 (HSV-1 oder HSV-2) handelt.

Eine noch verlässlichere Methode ist der Nachweis von Antikörpern im Blut.

Behandlung

Zur Behandlung vereinzelter, kleiner Herpesherde mit frischen Bläschen reicht eine virenhemmende (virostatische) Creme (Aciclovir, z. B. Zovirax®) meist aus. Bei älteren Infektionen oder ausgedehnten Bereichen verschreibt der Arzt Aciclovir als Tabletten. Dabei beträgt die empfohlene Anwendung bei einer Erstinfektion 5–10, bei einem Rückfall 1–2 Tage.

Bei Frauen. Besteht die Gefahr, dass eine mit Herpes genitalis infizierte Schwangere das Virus während der Schwangerschaft oder der Geburt an das Kind weitergibt (Herpes neonatorum), wird eine Infusionsbehandlung mit einem virushemmenden Mittel angeordnet.

Prognose

Eine Herpes-simplex-Virus-Infektion ist nicht heilbar, da die auslösenden Viren lebenslang im Körper bleiben und ein Rückfall immer wieder vorkommen kann. Die Häufigkeit dafür variiert von Fall zu Fall: Während einige jahrelang keine Symptome haben, erkranken andere mehrmals jährlich. Mit zunehmendem Alter treten Rückfälle seltener auf.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

  • Achten Sie auch auf leichte Beschwerden und gehen Sie frühzeitig zum Arzt, wenn Sie den Eindruck haben, dass etwas nicht stimmt.
  • Um die Symptome zu lindern, können Medikamente, die den Entzündungsprozess unterdrücken (Antiphlogistika), Sitzbäder mit Kamille, kühlende Umschläge oder Zinksalbe angewendet werden.
  • Solange die Krankheitssymptome und Hauterscheinungen bestehen, sollten Sie auf Geschlechtsverkehr verzichten.

Prävention

  • Verwenden Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome, um sich und Ihren Partner vor einer Infektion zu schützen.
  • Vermeiden Sie, die entzündeten Stellen zu berühren, um eine Übertragung des Erregers zu vermeiden. Bei Kontakt müssen Sie sich danach auf jeden Fall gründlich die Hände waschen.

Syphilis

Syphilis (Lues, harter Schanker): Chronische, in mehreren, klinisch sehr unterschiedlichen, Stadien ablaufende Krankheit, hervorgerufen durch das Bakterium Treponema pallidum (Treponemen). Die Übertragung erfolgt nahezu ausschließlich während des Geschlechtsverkehrs, aber auch während der Schwangerschaft von der erkrankten Mutter auf das Kind sowie durch Blut und Blutprodukte. Insgesamt nimmt die Verbreitung der Syphilis wieder zu, insbesondere homosexuelle Männer sind betroffen.

Symptome und Leitbeschwerden

Primäre Syphilis (Lues I):

Nur bei jeder zweiten Infektion treten Beschwerden auf wie:

  • Münzgroße, nicht schmerzhafte Geschwüre mit hartem, knorpelartigem Rand im Geschlechtsorgan oder an anderer Stelle
  • Geschwollene schmerzlose Leistenlymphknoten.

Sekundäre Syphilis (Lues II):

  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Haarausfall
  • Plötzliche Heiserkeit
  • Fleckförmiger, nicht juckender Hautausschlag vor allem an den Fußsohlen und den Handflächen
  • Fieber
  • Nässende Wärzchen im äußeren Geschlechtsorgan- oder Analbereich, aber auch unter den Achseln und der Brust, zwischen den Fingern oder Zehen.

Tertiäre Syphilis (Lues III):

  • Befall innerer Organe (heute nur noch sehr selten vorkommend)
  • Geschwürartige, manchmal Sekret absondernde Knoten in den Organen und im Gewebe, zum Beispiel an Zunge oder Nase
  • Knotige Veränderungen auf der Haut
  • Sehstörung durch Entzündung der Sehnerven (Optikusneuritis) oder der Regenbogenhaut (Iritis).

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • die Lymphknoten anschwellen.
  • schmerzlose Geschwüre mit hartem, knorpelartigem Rand beispielsweise an der Scheide bei der Frau oder am Penis oder After beim Mann auftreten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Über kleinste Verletzungen der Haut oder der Schleimhäute im Genitalbereich gelangt das Bakterium Treponema pallidum in den Organismus. Bei Oral- oder Analverkehr besteht zudem die Gefahr, dass die Erreger den Mund- oder Afterbereich befallen. Aber auch durch den direkten Kontakt mit infiziertem Blut, beispielsweise in Spritzen oder Blutkonserven, kann die Syphilis übertragen werden.

Abgrenzung:

  • Primäre Syphilis: Ulkus molle, Herpes genitalis, Karzinome
  • Sekundäre Syphilis: HIV-Infektion und andere sexuell übertragene Erkrankungen, Röschenflechte (Pityriasis rosea), Schuppenflechte (Psoriasis), Arzneimittelallergie (Exanthem).

Ursachen

Die Ursache ist in der Regel der ungeschützte Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Sexualpartner. Dabei liegt die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken bei etwa 50 %.

Risikofaktoren

  • Oralsex ohne Kondom mit häufig wechselnden Sexualpartnern
  • Gebrauch von analem Sexspielzeug
  • Infizierter Sexualpartner
  • Verbandmaterial, Spritzen, Handtücher, die vom infizierten Partner benutzt wurden.

Auslöser

Ausgelöst wird Syphilis durch eine Infektion mit einem spiral- bzw. schraubenförmigen Bakterium (Treponema pallidum).

Verlauf

Der klinische Verlauf wird in Frühsyphilis und Spätsyphilis eingeteilt. Zur Frühsyphilis (bis 1 Jahr nach Infektion) gehören die primäre Syphilis (Lues I), in der sichtbare Zeichen der Krankheit am Ort des Eindringens lokalisiert sind, und die sekundäre Syphilis (Lues II) mit generalisierten Krankheitserscheinungen. Die Spätsyphilis besteht aus der tertiären Syphilis (Lues III) und der Neurosyphilis (quartäre Syphilis).

Primärstadium (Lues I). Es dauert durchschnittlich 3–4 Wochen nach der Ansteckung, bis an der Eintrittsstelle des Erregers ein rötliches, leicht zu übersehendes Knötchen zu sehen ist (Primäraffekt genannt). Dieses entwickelt sich zu einem (seltener mehreren) münzgroßen, schmerzlosen und in der Mitte oft nässenden Geschwür mit hartem, knorpelartigem Rand (harter Schanker) im Geschlechtsorganbereich oder – je nach Art der ausgeübten Sexualpraktiken – auch in der Mundhöhle, im Rachen und an den Lippen sowie am After und im Dickdarm.

Kurz darauf schwellen langsam die in der Nähe liegenden (Leisten-)Lymphknoten an. Charakteristisch sind die geringe Schmerzhaftigkeit und das Fehlen von Entzündungszeichen. Auch ohne Behandlung verschwindet das Geschwür nach 4–6 Wochen, weshalb die Erkrankung oft nicht erkannt oder beachtet wird. Ohne Therapie ist der Übergang in weitere Stadien möglich.

Sekundärstadium (Lues II). Etwa 8–9 Wochen nach der Infektion haben sich die Bakterien über die Blutgefäße im ganzen Körper ausgebreitet. Die Folge: allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber und Lymphknotenschwellungen am ganzen Körper. Typisch für dieses Stadium ist ein Hautausschlag – vor allem am Körperstamm –, der später knötchenartig wird und insbesondere an Handflächen und Fußsohlen durch seine Schuppung einer Schuppenflechte ähnelt. Diese bräunlich-roten Knötchen sind potenziell ansteckend, da sie die Krankheitserreger enthalten. Dennoch sind die Hauterscheinungen typischerweise in diesem Stadium ohne Juckreiz.

Das Sekundärstadium kann lange anhalten und vielfältigste Beschwerden auslösen, wie Haarausfall, Halsentzündungen und Veränderungen der Mundschleimhaut, im Geschlechtsorgan- und Analbereich nässende, juckende Wärzchen (breite Kondylome, Condylomata lata), die aber nicht mit den Feigwarzen zu verwechseln sind.

Tertiärstadium (Lues III). Etwa 3–5 Jahre nach der Ansteckung sind nicht nur Eintrittspforte, Haut und Lymphknoten befallen, sondern auch die inneren Organe wie Magen, Darm, Speiseröhre, Knochen oder Muskeln.

30 Jahre nach der Infektion kann sich an der Hauptschlagader ein Aorten-Aneurysma bilden, eine krankhafte Erweiterung des Blutgefäßes. Reißt diese auf, kann es zu einer starken, lebensgefährlichen inneren Blutung kommen. Durch die Penicillin-Therapie ist die tertiäre Syphilis heute selten geworden.

Quartärstadium (Neurosyphilis). Etwa 10–20 Jahre nach Beginn der Erkrankung drohen Rückenmarkschäden, die Syphilis-Bakterien haben sich im Körper ausgebreitet, sodass auch das zentrale Nervensystem (ZNS) befallen wird (Neurosyphilis). Aufgrund der Gehirnschäden sind geistiger Abbau bis hin zur Demenz möglich.

Zwar ist diese Form selten geworden, aber bedingt durch Nachlässigkeiten bei der Behandlung der Syphilis und unbehandelt verschleppte Infektionen, die zunächst einen milden Verlauf aufwiesen, kommt diese Syphilis auch heute noch vor.

Am größten ist die Ansteckungsgefahr im Primärstadium, im 2. Stadium nimmt sie ab. Im 3. und 4. Stadium sind Syphilis-Infizierte hingegen nicht mehr ansteckend.

Komplikationen

Bei Frauen. Während der Schwangerschaft können bei infizierten Frauen Syphilis-Erreger in den kindlichen Körper gelangen und zu einer angeborenen Syphilis beim Kind führen (Syphilis connata). Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung während der primären Syphilis liegt bei 80–90 %, während der sekundären immer noch bei 40 % und im tertiären Stadium bei 10 %. Bei erkrankten Müttern kommt es als Folge der Infektion häufig zu Früh- und Fehlgeburten.

Bei Frauen und Männern. Das Geschwür am Eintrittsort des Erregers im primären Stadium begünstigt eine Infektion mit HIV. Beide Erkrankungen können sich im Verlauf gegenseitig ungünstig beeinflussen, sodass bei HIV-Patienten beschleunigte oder untypische Krankheitsverläufe drohen. Bei einer kombinierten Syphilis- und HIV-Infektion kommt es häufiger zu einer Neurosyphilis.

Diagnosesicherung

Neben der Beobachtung der typischen Symptome gibt es verschiedene Nachweismethoden der Syphilis-Infektion. Zum direkten Erregernachweis entnimmt der Arzt einen Abstrich aus dem Geschwür. Zur Sicherung der Diagnose werden Bluttests durchgeführt, unter anderem durch die sogenannte Dunkelfeldmikroskopie; dabei wird ein Tropfen Kapillarblut vom Finger entnommen, das über eine längere Zeit unter einem besonderen Mikroskop untersucht werden kann.

Die meistens eingesetzten indirekten Verfahren beruhen auf dem serologischen Nachweis von Syphilis-Antikörpern im Blut (Antikörpertest).

Behandlung

Pharmakotherapie

Im Primär- und Sekundärstadium lässt sich die Syphilis-Erkrankung in der Regel durch eine rechtzeitige Penizillin- oder Antibiotikabehandlung erfolgreich und ohne bleibende Schäden behandeln.

Mittel der ersten Wahl ist Penizillin G. Da die Erreger einen sehr langsamen Vermehrungszyklus haben, muss die Therapie hochdosiert mindestens 10–14 Tage, in späten Stadien und bei Neurolues 14–21 Tage erfolgen. Alternativ stehen mit den Depot-Penizillinen Präparate zur Verfügung, die mehrere Wochen wirken. In frühen Stadien reicht eine intramuskuläre Injektion aus, im tertiären Stadium ist eine intravenöse Gabe über 3 Wochen notwendig.

Die Behandlung der Neurosyphilis ist intensiver und erfordert typischerweise eine intravenöse Verabreichung des Penizillins.

Bis zur Ausheilung darf kein Geschlechtsverkehr stattfinden und auch nicht gestillt werden. Der Behandlungserfolg wird im ersten Jahr alle 3 Monate, dann jährlich kontrolliert.

Auch der Sexualpartner muss sich auf Syphilis untersuchen und gegebenenfalls mit Antibiotika behandeln lassen. Bei einer länger zurückliegenden Infektion müssen außerdem frühere Partner über eine mögliche Infektion informiert werden.

Komplikationen

In seltenen Fällen treten als Reaktion auf den raschen Zerfall der Syphilis-Erreger unter der Penizillin-Therapie Probleme auf. Jedem 2. Patienten drohen etwa 2–8 Stunden nach Beginn der Behandlung eine schwere Allgemeinreaktion (Jarisch-Herxheimer-Reaktion) mit grippeartigen Krankheitszeichen wie Kopf- und Muskelschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, aber auch Blutdruckabfall. Treten diese Symptome auf, wird Kortison verschrieben, evtl. auch schon vorbeugend.

Prognose

Die Prognose ist heutzutage generell gut bis sehr gut: Bei ausreichender Behandlung ist die Syphilis im Primär- und Sekundärstadium heilbar, im Tertiärstadium kann mit Medikamenten zumindest das weitere Fortschreiten der Krankheit gestoppt werden.

Ihr Apotheker empfiehlt

Prävention

  • Der beste Schutz vor Ansteckung und Übertragung besteht im Gebrauch von Kondomen.
  • Vermeiden Sie ungeschützten Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern.
  • Auch beim Oralverkehr kann die Syphilis übertragen werden, deshalb ist der Gebrauch von sogenannten Lecktüchern (Oralschutztuch, Dental Dams) zu empfehlen.
  • Achten Sie darauf, Zahnbürsten oder Rasierer sowie Spritzen oder Verbandmaterialien nicht gemeinsam zu benutzen.

Was sind sexuell übertragbare Erkrankungen?

Geschlechtskrankheiten (venerische Infektionen): In der Regel auf sexuellem Weg übertragene Gruppe von Erkrankungen; die meisten können aber auch ohne sexuellen Kontakt übertragen werden. International ist der Begriff der sexuell übertragbaren Erkrankungen, englisch sexually transmitted diseases oder kurz STDs, üblich.

Früher waren all diese Geschlechtskrankheiten meldepflichtig; aufgrund des Infektionsschutzgesetzes von 2001 gilt das nur noch für Syphilis und HIV. Naturgemäß betreffen Geschlechtskrankheiten sexuell aktive Jugendliche und Erwachsene, einige können aber auch schon während oder vor der Geburt sowie im höheren Lebensalter z. B. durch Bluttransfusionen übertragen werden.

Zu beachten ist, dass bei allen sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten der Eintrittsort für die Erreger von den jeweiligen Sexualpraktiken abhängt. Deshalb kann neben den Geschlechtsorganen gleichzeitig oder allein der Enddarm bei Analverkehr oder die Mund- und Rachenschleimhaut bei Oralverkehr befallen sein.

Die Heilungschancen hängen vom Krankheitserreger und vom Zeitpunkt des Therapiebeginns ab.

Überblick

Geschlechtskrankheiten sind eine große Gruppe von Infektionen, die von Kleinstlebewesen, Bakterien oder Viren verursacht werden. Zu den schon seit Jahrhunderten bekannten und früher vorherrschenden Geschlechtskrankheiten zählen diese vier:

  • Gonorrhoe (nach wie vor häufig)
  • Syphilis (ziemlich selten)

In den westlichen Ländern treten Gonorrhoe und Syphilis mittlerweile nicht mehr so häufig auf, die Infektionsschwerpunkte haben sich nach Ostasien und Afrika verlagert.

  • Ulcus molle (Weicher Schanker, selten)
  • Lymphogranuloma inguinale (ebenfalls selten, zumindest in den westlichen Industrieländern)

Da alle vier charakteristische Beschwerdebilder haben, werden sie von den Ärzten oft als spezifische Geschlechtskrankheiten bezeichnet.

Seit den 1950er Jahren stehen allerdings zunehmend andere Erkrankungen im Vordergrund, die leider schwieriger zu erkennen sind und deshalb von Medizinern auch unspezifische Geschlechtskrankheiten genannt werden. Sie werden weiter unten im Einzelnen besprochen. Sie sind auch nicht alle akut gefährlich, einige können Männer ein Leben lang begleiten.

Die häufigeren Geschlechtskrankheiten im Einzelnen

Gonorrhoe. Bei der Gonorrhoe (Tripper) ist die vordere Harnröhrenschleimhaut (Urethritis anterior) entzündet, typischerweise verbunden mit gelblich-grünem Ausfluss aus dem Penis. Diese Entzündung kann zum Brennen in der Harnröhre führen.

Syphilis. Bei der Syphilis (Lues) entsteht am Infektionsort nach ~ 3 Wochen ein so genanntes Primärstadium, beim Mann typischerweise ein schmerzfreies Geschwür mit derber Schwellung an der Eichel, später verbunden mit nicht juckendem Hautausschlag am ganzen Körper.

Chlamydien. Zu den häufigen Geschlechtskrankheiten gehören Infektionen mit Chlamydien: Es sind kugelförmige Bakterien, die nur in Wirtszellen überleben können und Entzündungen an Harnröhre und Nebenhoden verursachen. Die Beschwerden sind meistens nur schwach ausgeprägt, vor allem Patientinnen bemerken meist nichts. In der Folge wird die Ansteckung nur selten erkannt, und es besteht die Gefahr, dass die Erkrankung chronisch wird, wodurch vor allem Frauen Folgeschäden wie Unfruchtbarkeit und chronische Adnexitis drohen. Auch wird der Keim unbemerkt weiter übertragen. Die Infektion wird also vom Betroffenen leicht übersehen. Immerhin gibt es neuerdings Laboruntersuchungen zum Erregernachweis, z.B. aus dem Urin. Eine Therapie der betroffenen Sexualpartner gelingt fast immer durch die Gabe von Antibiotika (z. B. Doxycyclin), da Resistenzen selten sind. Der Arzt wird nach der Therapie einen Abstrich vornehmen, um den Therapieerfolg zu kontrollieren.

Mykoplasmen. Infektionen mit Mykoplasma genitalium führen zu oft nur schwachen Entzündungen von Harnröhre (Urethritis) und Prostata (Prostatitis). Diagnostik und Therapie sind identisch mit der von Chlamydieninfektionen.

Feigwarzen. Häufig sind Feigwarzen (Condylomata accuminata, Genitalwarzen), die von Humanen Papillom Viren (HPV) verursacht werden; von ihnen sind Frauen häufiger als Männer betroffen. Die Feigwarzen kommen beim Mann am Penis vor, bei der Frau am äußeren Genitale und am Gebärmutterhals – seltener aber auch am Enddarm sowie im Mund- und Rachenraum. Der Arzt entfernt die Feigwarzen durch Elektrokoagulation (elektronische Verkochung) oder durch Laserstrahlen in lokaler Betäubung. Die früher durchgeführte Einpinselung mit Podophyllotosin-Lösung (Condylox®) wird nur noch selten angewendet, da inzwischen eine besser verträgliche Creme mit  Imiquimod (Aldara®) zur Verfügung steht. Rückfälle können auftreten.

Herpes genitalis. Ebenfalls häufig sind Infektionen mit dem Herpes-Virus-2, dem Erreger des Herpes genitalis. Äußeres und inneres Genitale zeigen Herpesläsionen (Gewebeveränderungen bis hin zu Gewebeschäden). Auch können diese im Bereich des Anus und in der Mundhöhle auftreten. An Eichel und Innenseite der Vorhaut entstehen kleine Bläschen mit klarem Inhalt, die befallenen Stellen brennen, sind gerötet und geschwollen. Bei der ärztlichen Untersuchung sind die Bläschen meist bereits verkrustet. Erst die Laboruntersuchung des Bläscheninhalts zeigt dem Arzt, ob seine Verdachtsdiagnose stimmt. Herpes genitalis ist nicht heilbar (wie auch der Lippenherpes), allenfalls sind die Beschwerden therapierbar. Virostatika wie z. B. Aciclovir (Zovirax®) als Salbe oder Tablette, alternativ auch Valaciclovir oder Famciclovir lindern die Beschwerden, verringern die Ausbreitung der Bläschen und beschleunigen die Heilung. Unmittelbar bei Auftreten der ersten Symptome angewendeter Reizstrom durch einen kleinen Stift (Herpifix®), der den Säurewert des betreffenden Hautareals ändert, verhindert zuverlässig den Ausbruch der Erkrankung. Dennoch überleben die Viren in Nervenknoten und reaktivieren sich, wenn das Immunsystem geschwächt ist; daher sind Rückfälle häufig.

Hepatitis B und HIV/AIDS. Eine Sonderstellung nehmen die Hepatitis-Viren (relevant ist v. a. der Typ B) und HI-Viren (AIDS) ein, die weltweit ebenfalls am häufigsten sexuell übertragen werden. Beide Viren sind in allen Körperflüssigkeiten enthalten und in besonders hoher Konzentration auch im Sperma, so dass sie durch immer auftretende kleinste Verletzungen beim Geschlechtsverkehr besonders leicht übertragen werden. Besteht die Möglichkeit, sich mit HIV infiziert zu haben, so ist eine Postexpositionsprophylaxe innerhalb von 72 Stunden nach der möglichen Ansteckung dringend zu empfehlen, um den Ausbruch der HIV-Infektion noch zu unterbinden.

Das macht der Arzt

Der Arzt erkundigt sich zuerst nach dem Beschwerdebild, nach Sexualpartnern und Sexualpraktiken. Bei der Untersuchung achtet er auf Rötung, Schwellung, Ausfluss, Bläschen, Knoten, Geschwür- oder Warzenbildung an Penis und Anus. Entsprechend den Angaben des Patienten und dem Befund veranlasst er eine Blut- und Harnuntersuchung und macht einen Abstrich; gegebenenfalls lässt er weitergehende Laboruntersuchungen durchführen. Auf den Untersuchungsergebnissen basierend stimmt der Arzt die Therapie ab (bei den einzelnen Erkrankungen erklärt).

Verzichten Sie auf Selbstbehandlung. Selbst wenn dadurch die Beschwerden zurückgehen sollten, ist die Erkrankung keinesfalls geheilt und kann chronisch werden. Spätschäden sind meist nur schlecht zu behandeln und häufig schwerwiegend.

Die Untersuchung und Mitbehandlung der Partner ist bei den meisten Geschlechtskrankheiten notwendig, um Ping-Pong-Infektionen (zwischen den Partnern hin- und herspringende Infektionen) zu verhindern – auch wenn der Partner keine Beschwerden hat. Verweigert Ihr Partner das, sollten Sie dies nicht akzeptieren: Er gefährdet Ihre Gesundheit.

Bis zur völligen Heilung der Infektion müssen Sie auf Geschlechtsverkehr verzichten. Wann das der Fall ist, besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt.

Vorsorge

Forschung und Statistik haben zahlreiche Risikofaktoren und -situationen benannt, die ein erhöhtes Risiko für die Ansteckung an einer sexuell übertragbaren Erkrankung bilden. Folgerung aus diesen Erkenntnissen ist, dass

  • Definitiv nur Kondome und etwas weniger effektiv das Femidom (oder no sex at all) Schutz vor Geschlechtskrankheiten bieten
  • Besondere Risiken bei häufig wechselnden Sexualpartnern sowie schleimhautverletzenden Sexualpraktiken wie z. B. bei Analverkehr bestehen
  • Statistisch gesehen auch junge Männer unter 20 Jahren, Homo- sowie Bisexuelle, Dunkelhäutige und Männer, die aufgrund (chronischer) Erkrankungen immungeschwächt sind, oder Drogenabhängige besonders von Geschlechtskrankheiten betroffen sind.

Zur Vorbeugung einer Ansteckung durch Hepatis-B-Viren existiert eine wirksame Schutzimpfung. Diese wird Männern mit Kontakt zu Prostituierten dringend empfohlen.

Weiterführende Informationen

  • www.bzga.de – Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln: Themenschwerpunkte sind u. a. Aidsprävention und Sexualaufklärung, unter der Rubrik Infomaterialien/Bestellung gibt es hierzu zahlreiche Broschüren zum Bestellen und Herunterladen.
  • E. Christophers; M. Ständer: Haut- und Geschlechtskrankheiten. Urban & Fischer, 2003. Fachbuch, das gut strukturiert auch für den Laien verständlich ist und handlungsorientierte Hilfe bietet.

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Ratgeber

Lippenherpes lässt sich bezwingen

Lippenherpes lässt sich bezwingen

Mit Creme, Patch oder Hitze

Lippenherpes juckt, schmerzt und ist mit seinen gelblichen Krusten alles andere als eine Zierde. Häufig taucht er gerade dann auf, wenn man ihn am allerwenigstens gebrauchen kann. Zum Glück gibt es gegen die üblen Fieberbläschen inzwischen viele Gegenmittel. Wer sie frühzeitig einsetzt, hat gute Chance, den Herpes im Zaum zu halten.

Lebenslange Untermieter

Herpes-simplex-Viren (HSV) sind weit verbreitet. Am häufigsten kommt der Typ HSV-1 vor: Neun von zehn Erwachsenen tragen ihn in sich. Die meisten stecken sich damit schon in der frühen Kindheit an. Das Virus gelangt dabei über Körperflüssigkeiten wie Speichel oder Nasensekrete zunächst auf die Schleimhaut oder wird eingeatmet. Von dort erreicht es dann die Blutbahn. Nach dieser ersten, oft unbemerkten Infektion ziehen sich die Viren in bestimmte Nervenzellen (Ganglienzellen) zurück und bleiben lebenslang im Körper. Werden die „schlafenden“ Viren allerdings durch Stress oder andere Faktoren reaktiviert, wandern sie die Nervenbahnen entlang und lösen Geschwüre und Bläschen an der Haut aus.

Besonders häufig sitzen die Herpesviren in den Ganglienzellen des Nervus trigeminus. Dieser innerviert die Gesichtshaut, die Lippen und die Mundschleimhaut. Werden die Viren reaktiviert, kommt es in diesen Gebieten zu Symptomen. Am allerhäufigsten betroffen sind dabei die Lippen und der Bereich um den Mund herum. Im Volksmund nennt man die dann auftretenden kleinen schmerzhaften Geschwüre Fieberbläschen. Fachleute sprechen von einem Herpes labialis, wenn er an den Lippen oder im Mund sitzt, vom Herpes nasalis, wenn er die Nase befällt.

Fieberbläschen kündigen sich oft durch Brennen, Kribbeln oder Jucken an. Innerhalb weniger Stunden blüht der Herpes auf: Es entwickelt sich ein münzgroßer, geröteter Herd mit kleinen Blasen. Diese sind prall gefüllt mit HSV. Nach wenigen Tagen platzen sie und trocknen schließlich aus. Dabei bilden sich höchst schmerzhafte Krusten. Nach acht bis zehn Tagen ist die Wunde abgeheilt, und die Haut sieht wieder so aus wie vorher. Dummerweise bleibt es meist nicht bei der einen Attacke. Bei vielen Menschen, die das HSV in sich tragen, kommt das Fieberbläschen immer wieder. Oft an der gleichen Stelle, manchmal auch in anderen Bereichen des Mundes oder an der Nase.

In manchen Fällen bleibt es bei der Reaktivierung nicht beim harmlosen Fieberbläschen. Vor allem bei immungeschwächten Patient*innen und Neugeborenen drohen Komplikationen. Das Virus kann sich im gesamten Körper ausbreiten und das zentrale Nervensystem, die Lunge und die Leber infizieren. Atemnot, Fieber und Krampfanfälle sind nur einige der lebensbedrohlichen Folgen.

Hinweis: Manchmal kommt es durch die Reaktivierung von HSV-1 zu einer Augeninfektion. Dabei sind v.a. die Hornhaut und die Bindehaut betroffen. Bemerkbar macht sich der Augenherpes durch Rötung, Schmerzen, Juckreiz und Fremdkörpergefühl im Auge.

Was HSV aus seiner Zelle lockt

Fast alle Menschen sind mit HSV-1 infiziert. Doch nicht alle leiden unter Fieberbläschen. Das liegt daran, dass das Virus reaktiviert werden muss, bevor es aus den Nervenzellen auswandert und an der Haut zu Beschwerden führt. Provokationsfaktoren oder Trigger gibt es zahlreiche:

  • UV-Strahlung der Sonne (eine andere Bezeichnung für den Herpes labialis ist auch der „Gletscherbrand“ durch starke UV-Strahlen im Gebirge)
  • Fieber und Infektionskrankheiten
  • Hormonumstellungen (z.B. bei der Menstruation)
  • psychische Faktoren wie Stress, Ekel oder Traumata

Hinweis: Wer sehr häufig oder jeweils sehr lange unter Fieberbläschen leidet, sollte dies ärztlich abklären lassen. Dahinter kann eine Immunschwäche stecken.

Beschwerden mit Cremes und Gelen lindern

Das traditionelle Fieberbläschen ist nicht gefährlich, aber überaus lästig. Zum Glück gibt es inzwischen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Besonders häufig werden spezielle Cremes eingesetzt.

Antivirale Cremes. Diese Cremes enthalten ein Virostatikum, das die Vermehrung der Viren stoppt. Trägt man sie schon beim ersten Kribbeln auf, bilden sich manchmal erst gar keine Bläschen aus. Ansonsten kann der Wirkstoff helfen, dass das Bläschen schneller abheilt und weniger schmerzt. Die Cremes sollten so früh wie möglich und dann alle drei bis vier Stunden eingesetzt werden. Für das Virostatikum Aciclovir gibt es keine Alterseinschränkung. Penciclovir darf erst ab einem Alter von zwölf Jahren angewendet werden. Aciclovir steht auch in Kombination mit antientzündlichem Hydrokortison zur Verfügung. Die Kombination soll die Symptome schneller lindern und die Wundheilung beschleunigen.

Zink. Zink soll auf Herpesviren ebenfalls einen hemmenden Effekt ausüben. Es wird für die virale Bläschenphase und die Zeit der Heilung empfohlen. Speziell für den Lippenherpes hergestellte Gele mit Zinksulfat-Heptahydrat sind in der Apotheke erhältlich.

Pflanzliche Salben. Melissenöl, Teebaumöl und Pfefferminzöl sind im Labor antiherpetisch wirksam, andere Pflanzeninhaltsstoffe haben desinfizierende Eigenschaften. Für den Lippenherpes gibt es spezielle Mixturen, z. B. Rephaderm mit Rosmarin-, Myrrhen- und Wermutkrautextrakten. Der Mikroalgenaktivstoff Spirulina-platensis-Extrakt (z.B. in Spiralin oder Ilon Lippencreme) soll das Eindringen und Anhaften von HSV in die Hautzellen verhindern. Dadurch kann er im Akutfall verhindern, dass das Bläschen weiter aufblüht. Auch vorbeugend soll Spirulina herpesanfällige Lippen schützen können. Außerdem reduziert der Algenwirkstoff die Krustenbildung und fördert die Abheilung.

Hinweis: Bei den Virostatika kommt es auch auf die Salbengrundlage an. So dringt Studien zufolge Aciclovir besonders gut in die Schleimhaut ein, wenn es mit einem Anteil von 40% Propylenglykol zubereitet ist.

Pflaster und Lippenstift

Statt Cremes lässt sich der Lippenherpes auch mit speziellen Pflastern oder Patches behandeln. Sie fördern durch Hydrokolloide die Wundheilung und reduzieren die Krustenbildung. Dabei sind sie auch ohne Wirkstoff etwa ebenso effektiv wie virostatische Cremes. Die Pflaster haben durchaus Vorteile: Sie schützen vor Infektionen und Weiterverbreitung der Viren. Außerdem lassen sie sich gut überschminken, d.h. das Fieberbläschen fällt weniger stark auf. Die Patches sollen 24 h auf der Läsion verbleiben. Beim Austausch lösen sich die Krusten mit ab – was allerdings recht schmerzhaft sein kann.

Ein weiteres Therapieprinzip ist Hitze. HSV sind wärmeempfindlich und lassen sich deshalb mit speziellen elektrischen Lippenstiften bekämpfen. Ab dem ersten Kribbeln soll man das Gerät stündlich für drei Sekunden auf die betroffene Stelle aufsetzen. Kribbelt es weiter, kann man die Behandlung nach zwei Minuten insgesamt fünf Mal pro Stunde wiederholen. Offene Bläschen oder verletzte Haut dürfen damit allerdings nicht behandelt werden. Außerdem muss die Haut frei von Cremes und trocken sein. Um eine Virenübertragung zu vermeiden, sollte der elektrische Stift nur von einer Person verwendet werden.

Tipp: Für ihre Vermehrung brauchen Herpesviren die Aminosäure L-Arginin. Nimmt man deren Gegenspieler L-Lysin ein, kann das die Abheilung unterstützen. L-Lysin ist in verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln (Kapseln oder Kautabletten) enthalten.

Allgemeine Maßnahmen verhindern die Ansteckung

Egal wie man seinen Lippenherpes behandelt: Auf jeden Fall sollte man dafür sorgen, dass man andere nicht infiziert. Denn die Flüssigkeit in den Bläschen ist prall gefüllt mit Viren. Hygiene ist bei einem akuten Lippenherpes deshalb oberstes Gebot. Das bedeutet:

  • Hände regelmäßig waschen und desinfizieren.
  • Bläschen nicht berühren oder öffnen. Cremes und Gele am besten mit einem Wattestäbchen auftragen.
  • Körperkontakt mit Kindern und Schwangeren meiden.
  • Läsionen mit einem Herpespatch oder Pflaster abdecken.
  • Als Kontaktlinsenträger mit aktivem Lippenherpes lieber eine Brille tragen, um die Viren nicht in die Augen zu verschleppen.
  • Nach dem Abheilen Zahnbürsten austauschen.

In manchen Fällen kann man dem wiederkehrenden Lippenherpes vorbeugen. Dazu muss man allerdings die Faktoren kennen, die das Aufblühen triggern. Ist Sonne der Auslöser, hilft Sonnenschutz – vor allem ein Lippenstift mit hohem Lichtschutzfaktor. Auch Kälte und trockene Luft kann HSV aufwecken. Deshalb sollte man im Winter die Lippen gut pflegen und draußen mit einem Schal oder Rollkragen vor eisigen Temperaturen schützen. Bei stressbedingtem Herpes können Entspannungstherapien zu einer besseren Stresskontrolle führen. Infektionen vermeidet man, indem man die empfohlenen Impfungen wahrnimmt und vor allem in der Erkältungszeit die Gebote der Hygiene beachtet.

Tipp: Wenn der Lippenherpes regelmäßig aufblüht, sollte man darüber Buch führen. Dadurch lassen sich die triggernden Faktoren leichter herausfinden.

Virostatika innerlich

In manchen Fällen müssen virostatische Medikamente auch innerlich eingesetzt werden. Dass ist z.B. der Fall, wenn schwere Verläufe drohen – wie bei Patient*innen mit Immunerkrankungen oder bei Neugeborenen. Meist verabreichen die Ärzt*innen den Wirkstoff dann über die Vene. Vor Zahnoperationen oder Schönheitsoperationen im Gesicht empfehlen Ärzt*innen oft die Einnahme von Aciclovir-Tabletten, um das Aufblühen von Läsionen zu verhindern. Bei immungeschwächten Menschen, die häufig Rezidive erleiden, wird zur Vorbeugung manchmal auch zu einer Langzeittherapie mit Valaciclovir oder Aciclovir in Tablettenform geraten.

Quelle: DAZ 2023, 26: 30

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: mauritius images / BSIP / Chassenet
Der Erkältung eins husten
Ausreichend Tee zu trinken und sich warm zu halten gehört zu den Basismaßnahmen bei Erkältungskrankheiten.

Der Erkältung eins husten

Mit Thymian, Myrte, Rosmarin

In der Erkältungszeit machen Husten, Schnupfen und Heiserkeit vor kaum jemandem halt. Zum Glück muss man nicht gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen: Pflanzentherapeutika und Hausmittel können beim grippalen Infekt die Beschwerden gut lindern.

Grippaler Infekt oder Grippe?

In Herbst und Winter leiden Millionen von Deutschen an akuten Atemwegserkrankungen. Ein Teil davon geht mittlerweile auf eine Infektion mit dem Coronavirus zurück. Das Robert Koch-Institut schätzt allerdings, dass der Löwenanteil an Erkältungen von Influenzaviren, Rhinoviren und respiratorischen Synzytialviren (RSV) verursacht wird.

Der typische „grippale Infekt“ beginnt mit Halsschmerzen und Schnupfen, oft schmerzen auch Kopf und Glieder. Es kommt zu Husten mit zunehmendem Auswurf, die ganze Sache dauert etwa eineinhalb Wochen. Dahinter stecken insbesondere Rhinoviren oder RSV. Eine Erkältung oder ein grippaler Infekt lässt sich recht gut in Eigenregie mit Hausmitteln oder Hilfe aus der Apotheke behandeln.

Die echte Grippe wird durch Influenzaviren ausgelöst. Dabei entwickelt sich meist schnell hohes Fieber und Reizhusten, die Lymphknoten schwellen an und die Betroffenen fühlen sich sehr krank. Zu ganz ähnlichen Beschwerden kommt es auch bei einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV2 und bakteriellen Infektionen. In all diesen Fällen ist es wichtig, die Ärzt*in aufzusuchen.

Hinweis: Alte Menschen, Immungeschwächte und Schwangere sollten sich bei einer starken Erkältung nicht selbst therapieren. Um Komplikationen zu vermeiden, ist es besser, frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Immunsystem stärken

Beim grippalen Infekt möchten viele Patient*innen ihr Immunsystem mit Pflanzenmedizin unterstützen. Angeboten werden dafür vor allem Pelargonium sidoides, Echinacea und Kapuzinerkresse plus Meerrettich.

Pelargonium-sidoides-Extrakt (z B. in Umckaloabo® oder Pelargonium-ratiopharm® Bronchialtropfen) ist ein besonders gut untersuchtes pflanzliches Heilmittel. Eine vor wenigen Jahren veröffentlichte Metaanalyse kam zu dem Schluss, dass der Extrakt grippale Beschwerden lindert - die Patient*innen hören z.B. früher auf zu husten. Auch die allgemeineErkrankungsdauer soll sich um einige Tage verkürzen. Allerdings gibt es Hinweise, dass Pelargonium sidoides die Leber schädigen könnte. Leberkranke dürfen den Extrakt deshalb nicht einnehmen. Im Zweifel fragt man dazu seine Ärzt*in.

Der Extrakt aus dem Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea, z.B. in Esberitox®) soll Erkältungen vorbeugen sowie entsprechende Beschwerden lindern. Die Studienergebnisse dazu sind allerdings widersprüchlich. Am ehesten scheint der Sonnenhut bei frühzeitiger Einnahme zu wirken.

Ebenfalls eingesetzt werden Extrakte aus Kapuzinerkresse und Meerrettich (z.B. Angocin®). Sie wirken eher vorbeugend: In einer Untersuchung erkrankten Teilnehmende, die den Extrakt einnahmen, seltener an Atemwegsinfektionen. Wurden sie dennoch davon erwischt, hatte der Extrakt keinen Einfluss auf Dauer und Schwere der Erkrankung.

Hinweis: Am besten kauft man diese Extrakte in einer Apotheke. Dort kann man sicher sein, ein geprüftes Präparat zu erhalten. Zudem bekommt man eine ausführliche Beratung.

Allgemeine Maßnahmen sind die Basis

Neben pflanzlicher Unterstützung helfen bei einer Erkältung vor allem auch allgemeine Maßnahmen. Wenn das Immunsystem gegen Erreger kämpft, ist es gut, sich zu schonen und dem Körper Ruhe zu gönnen. Bei leichtem Fieber helfen zudem kühle Wadenwickel. Im frühen Stadium einer Erkältung sind warme Fußbäder angenehm. Außerdem sollte man auf eine ausreichende Luftfeuchtigkeit achten, damit die Schleimhäute feucht bleiben und Krankheiterreger gut abtransportieren werden können. Besteht kein Fieber, sind Erkältungsbäder mit Extrakten aus Rosmarin und Eukalyptus für viele eine Wohltat. Bei Fieber sollte man auf warme Bäder besser verzichten, um den Kreislauf nicht zu belasten.

Für die Abwehr von Erregern braucht das Immunsystem sehr viel Energie. Auch wenn man sich schwach fühlt, sollte man ausreichend Kalorien zu sich nehmen. Um das Verdauungssystem nicht zu belasten, bietet sich leichte Kost an. Immer empfehlenswert ist die Gemüsebrühe, ansonsten gilt Tee als  ideal. Beides ersetzt auch die Flüssigkeit, die durch Schwitzen und vermehrte Nasensekrete verloren geht.

Manche schwören bei den ersten Anzeichen einer Erkältung auch auf eine Schwitzkur. Sie soll dafür sorgen, dass die Erreger möglichst schnell wieder ausgeschieden werden. Das funktioniert so:

  • Bequemen Jogginganzug anziehen, Mütze aufsetzen.
  • Gemütlich auf einem Sessel Platz nehmen und die Füße in ein warmes Fußbad stellen.
  • Währenddessen einen Schwitzkur-Tee trinken. Das Rezept dafür lautet: Jeweils 30 g Holunder- und Lindenblüten, 20 g Mädesüßblüten und 20 g Hagebuttenfrüchte mischen. Einen Esslöffel davon mit 150 ml heißem Wasser übergießen, ziehen lassen und trinken. Drei- bis viermal täglich wiederholen.
  • Füße abtrocknen, schweißnasse Kleidung wechseln, ins Bett legen und schlafen.

Hinweis: Vorsicht, eine Schwitzkur belastet den Kreislauf stark. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten deshalb lieber darauf verzichten.

Halsschmerzen lindern

Erkältungskrankheiten und grippale Effekte beginnen fast immer mit Halsschmerzen. Schon einfache Lutschbonbons (bitte ohne Zucker!) lindern die Qual, weil sie die Speichelproduktion anregen. Nachgewiesenermaßen schmerzstillend wirken Salbei und Thymian. Sie gibt es in der Apotheke als Lutschbonbons und als Spray. Ebenfalls hilfreich für gestresste Rachen sind Primelwurzeln (z.B. in Ipalat®), Spitzwegerich (z.B. in Tetesept® Reizhusten & Hals Lutschtabletten) und isländisches Moos (z.B. in Isla Moos®, Neoangin Junior® und Aspecton®).

Eine Alternative zu Bonbons und Spray ist Tee. Dazu übergießt man einen Esslöffel getrocknete Salbeiblätter mit kochendem Wasser. Den Sud zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen, danach durch ein Sieb gießen und einmal pro Stunde damit gurgeln.

Nicht pflanzlich, aber ebenfalls natürlich ist außerdem der Quarkwickel. Dafür streicht man etwa 250 g zimmerwarmen Quark auf ein Leinentuch auf und legt dies abends mit der Quarkseite auf den Hals. Darüber kommt ein trockenes Tuch. Der Wickel bleibt über Nacht liegen und wird morgens abgenommen.

Hinweis: Am besten ist es, Tee und Lutschbonbons zu kombinieren. So wird der Schmerz im Hals gemildert und der Körper erhält ausreichend Flüssigkeit.

Nase frei ist oberstes Gebot

Neun von zehn Betroffenen mit grippalem Infekt leiden unter Schnupfen mit Niesreiz, Naselaufen und verstopfter Nase. Bei starker Ausprägung sind nicht-pflanzliche abschwellende Nasensprays aus der Apotheke die wichtigste Maßnahme, damit das Sekret abläuft und sich die ganze Sache nicht zu einer schweren Nebenhöhlenentzündung auswächst. Damit die Nasenschleimhaut nicht leidet, dürfen abschwellende Nasentropfen nur wenige Tage lang angewendet werden.

Pflanzenmedizin kann bei der Befreiung der Nase durchaus unterstützend wirken. So soll ein Extrakt aus Ampfer, gelbem Enzian, Holunder, Eisenkraut und Schlüsselblume (z.B. BNO1016 in Sinupret®) die Dauer einer Rhinosinusitis (das ist die Infektion von Nasenhöhle und Nasennebenhöhle) um vier Tage reduzieren. Auch Eukalyptus-Extrakte (z.B. in Gelomyrtol forte® oder Soledum®) sind hilfreich. Sie beschleunigten bei Patient*innen mit Rhinosinusitis, die Antibiotika bekamen, die Linderung der Beschwerden und die Heilung.

Direkt in Nase und Nebenhöhlen wirken Inhalationen mit Wasserdampf. Dazu füllt man heißes Wasser in eine Schüssel, beugt den Kopf darüber und atmet die Dämpfe ein. Noch einfacher geht es mit speziellen, in der Apotheke erhältlichen Inhaliergefäßen. Je nach Vorliebe fügt man dem heißen Wasser Kamillenblüten oder ätherische Öle aus Pfefferminze, Eukalyptus oder Latschenkiefer hinzu. Vorsicht geboten ist bei Asthma oder Keuchhusten. In diesen Fällen kann es durch das Inhalieren ätherischer Öle zu Verkrampfungen der Bronchialmuskulatur und Atemnot kommen.

Etwas unangenehm, aber wirksam sind zudem Nasenspülungen mit Kochsalzlösung. Dazu verwendet man entweder eine professionelle Nasendusche. Oder man zieht die Lösung durch die Nase und spuckt sie durch den Mund wieder aus.

Hinweis: Nasennebenhöhlenentzündungen können sich auch in das Gehirn ausbreiten. Wichtige Alarmsignale dafür sind starke Kopfschmerzen, Veränderungen beim Sehen und eine Lidschwellung.

Dem Husten eins husten

Im Verlauf eines grippalen Infekts kommt es eher spät zu Husten. Meist handelt es sich zunächst um trockenen Reizhusten, Auswurf entwickelt sich erst im Verlauf. Gegen trockenen Husten hilft folgende Teerezeptur:

  • 15 g Anisfrüchte, 25 g Süßholzwurzel, 25 g Eibischwurzel und 35 g Eibischblätter vermischen,
  • zwei Esslöffel der Teemischung mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen,
  • 10 bis 15 Minuten ziehen lassen und abseihen.
  • 3 – 4 Mal täglich eine Tasse davon trinken.

Außerdem empfohlen werden bei Reizhusten schleimhaltige pflanzliche Arzneimittel zum Lutschen. Dazu gehören Spitzwegerich in Broncho-Sern®, Eibisch in Silomat® oder die Königskerze (z. B. Antall®). Beim produktiven Husten unterstützen Pflanzentherapeutika das Lösen der Sekrete. Eingesetzt werden vor allem Eukalyptus (z.B. in Gelomyrtol forte®), Primel (z.B. in Bronchicum®) oder Myrte (z.B. Myrtol®).

Efeublätter-Trockenextrakte wie Prospan® lösen und lindern Husten ebenfalls. Ihre Wirkung ist allerdings gering, wie eine Metaanalyse ergab. Dafür hat Efeu eine leichte bronchospasmolytische Wirkung, d.h. es entspannt die Atemwege. Dieser Effekt ist bei Patient*innen mit begleitendem Asthma oder einer chronisch-obstruktiven Pulmonalerkrankung (COPD) günstig.

Hildegard von Bingen schwörte übrigens bei Keuchhusten auf echten Thymian als Hustenstiller. Tatsächlich konnte Thymian in Kombination mit Efeu-Extrakt in einer kontrollierten Studie die Häufigkeit und Dauer von Husten bei Bronchitis lindern. Hinweis: Husten, der länger als acht bis zehn Tage anhält, sollte ärztlich abgeklärt werden. Denn dahinter könnte auch ein Asthma, eine Herzschwäche oder die Nebenwirkung einer Medikamententherapie stecken.

Quelle: Penzel M, DAZ 2022; 50:1-15, Beer AM, MMW 2016:21-22:158

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: mauritius images / Westend61 / Svetlana Karner
Gezielt gegen Blasenschwäche
Bei einer Blasenschwäche ist nicht nur der erhöhte Wäscheaufwand ein Problem für die Betroffenen.

Gezielt gegen Blasenschwäche

Mit Training und Medikamenten

Immer noch ein Tabu, aber weit verbreitet: Unter einer Blasenschwäche leiden in Deutschland Millionen von Frauen und Männern. Gegen den unwillkürlichen Urinverlust helfen allgemeine Maßnahmen und das Trainieren von Blase und Beckenboden. Reicht das nicht aus, kommen Medikamente ins Spiel.

Eingeschränkte Lebensqualität

Blasenschwäche (Harninkontinenz) ist die Unfähigkeit, den Urin in der Harnblase zu halten. Es kommt stattdessen zu unkontrolliertem Urinverlust, entweder tröpfchenweise oder auch im Schwall. Darunter leiden viele Menschen. Bei den 40- bis 60-Jährigen ist jede Zehnte betroffen, bei den Über-60-Jährigen jede Vierte.

Ob jünger oder älter – eine Blasenschwäche ist immer sehr belastend. Je nach Ausmaß wird die Lebensqualität durch die Inkontinenz stark eingeschränkt. Weil sie sich schämen, gehen viele Menschen trotz ihrer Beschwerden nicht zur Ärzt*in. Dabei ist es wichtig, eine Blasenschwäche zu behandeln. Denn nicht nur die psychischen Folgen wie Depressionen und Vereinsamung sind erheblich. Es drohen Hautentzündungen im Intimbereich und wiederkehrende Harnwegsinfektionen bis hin zum Nierenschaden. Zudem fallen alte Menschen mit Blasenschwäche häufiger hin, weil sie die Toilette schnell erreichen wollen. Solche Stürze enden oft mit einer fatalen Oberschenkelhalsfraktur.

Hinweis: Frauen leider öfter an Blasenschwäche als Männer. Ihr Beckenboden ist dehnbarer und hat mehr Durchgänge als der männliche Beckenboden. Außerdem wird der Blasenverschluss beim Mann durch die unter der Blase liegende Prostata unterstützt.

Welche Blasenschwäche ist es?

Blasenschwäche ist nicht gleich Blasenschwäche. Um die Beschwerden zu dokumentieren und besser interpretieren zu können, ist ein Blasentagebuch hilfreich. Darin hält man täglich fest, wieviel man trinkt und wie häufig man auf die Toilette muss. Wenn möglich, misst man auch die Menge des täglich ausgeschiedenen Urins. Mithilfe dieser Informationen kann die Ärzt*in die Blasenschwäche meist gut einordnen.

Belastungsinkontinenz. Jede zweite Frau mit Blasenschwäche leidet an einer Belastungsinkontinenz (früher auch Stressinkontinenz genannt). Dabei verliert die Betroffene Urin, ohne dass sie vorher einen Harndrang bemerkt hat. Der muskuläre Verschluss am Ausgang der Blase funktioniert nicht mehr gut, etwa weil die Beckenbodenmuskulatur schwach ist oder die Beckenbänder geschädigt sind. Dann genügt schon ein kleiner Druckanstieg in der Blase und die Betroffene verliert Urin. Der Druck in der Blase steigt an, wenn sich der Druck im Bauchraum erhöht. Dazu kommt es schon bei ganz normalen körperlichen Beanspruchungen wie Husten, Niesen oder dem Heben schwerer Gegenstände. Begünstigt wird die Belastungsinkontinenz durch eine Gebärmuttersenkung und Übergewicht.

Dranginkontinenz. Bei der Dranginkontinenz muss die Betroffene plötzlich ganz dringend auf die Toilette, ohne dass die Blase richtig gefüllt ist. Wer nicht schnell genug ist, verliert kleine Tropfen Urin, manchmal aber auch einen ganzen Schwall. Das passiert sowohl tagsüber als auch nachts. Auslöser ist eine Störung in der Blasenwandmuskulatur, z.B. durch Entzündungen, Blasensteine oder neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson. Beim Mann kommt als Ursache auch eine Prostatavergrößerung in Frage.

Mischinkontinenz. Hier leiden die Betroffenen unter beiden Formen der Blasenschwäche. Sie haben wie bei einer Dranginkontinenz auch bei nicht gefüllter Blase Harndrang und ungewollten Urinverlust. Außerdem verlieren sie Urin bei körperlicher Beanspruchung.

Überaktive Blase. Bei dieser Blasenschwäche zieht sich der Muskel am Blasenausgang immer wieder zusammen und lässt dann wieder los. Das Phänomen ist nervenbedingt oder psychisch. Die Patient*innen leiden unter sehr starkem, manchmal sogar schmerzhaftem Harndrang, der sie mehr als acht Mal täglich und auch nachts zur Toilette zwingt. Solange der Beckenboden noch funktioniert, können die Betroffenen den Urin aber noch willkürlich zurückhalten.

Daneben gibt es weitere Formen der Blasenschwäche. Befindet sich z.B. am Blasenausgang ein Tumor oder Blasenstein, entleert sich die Blase beim Wasserlassen nicht komplett. Es bleibt Urin in der Blase, d.h. die Menge an sog. Restharn steigt an. Die Blase ist überfüllt und kann überlaufen. Patient*innen haben meist einen dauerhaften Harndrang und verlieren ständig kleine Mengen an Urin. Andere Ursachen für Blasenschwäche sind Nervenerkrankungen wie z.B. die Querschnittlähmung. Dabei lösen Reflexe (etwa bei gefüllter Blase) das Pinkeln aus. Man spricht dann von einer Reflexinkontinenz.

Ist die Form der Blasenschwäche erkannt, wird nach der Ursache gesucht. Je nach Verdachtsdiagnose kommen spezielle Untersuchungen zum Einsatz. Dazu gehören z.B. die Restharnbestimmung und die Urinanalyse, z.T. auch Blutuntersuchungen zur Überprüfung der Nierenfunktion. Bei Frauen ist eine gynäkologische Untersuchung empfehlenswert, da Veränderungen im Becken häufig eine Blasenschwäche auslösen oder verstärken. Beim Mann ist die Untersuchung der Prostata obligat. In manchen Fällen sind auch Ultraschalluntersuchungen oder eine Blasenspiegelung nötig.

Was gegen die Blasenschwäche hilft

Liegt der Harninkontinenz eine Erkrankung zugrunde, wird diese entsprechend therapiert. Dies ist zum Beispiel bei der Prostatavergrößerung oder bei Blasensteinen der Fall. Häufig gibt es aber keine behandelbare Ursache. In diesen Fällen geht man den ungewollten Urinverlust in Stufen an. Basis sind folgende Allgemeinmaßnahmen:

  • Koffeinkonsum reduzieren. Kaffee, Cola und schwarzer Tee haben aufgrund des Koffeins eine ausschwemmende Wirkung. Bei manchen Betroffenen wird die Blasenschwäche besser, wenn sie diese Genussmittel vermeiden.
  • Übergewicht verringern. Zu viele Kilos erhöhen den Druck im Bauch und folglich auch den Druck auf die Blase. Abnehmen bessert deshalb vor allem die Belastungsinkontinenz.
  • Verstopfung behandeln. Starkes Pressen beim Stuhlgang belastet die Beckenbodenmuskulatur und schwächt diese auf Dauer.
  • Flüssigkeitszufuhr kontrollieren. Vor allem bei der überaktiven Blase kann es helfen, etwas weniger zu trinken. Aber Vorsicht, diese Maßnahme sollte man immer mit der Ärzt*in besprechen. Auf keinen Fall darf man aufgrund seiner Blasenschwäche eine Austrocknung (Dehydrataion) riskieren.
  • Mehr bewegen. Spazierengehen und auch Hausarbeit sind besser als Herumsitzen und Schonen. Denn auch moderate körperliche Bewegung stärkt den Beckenboden.
  • Ungünstige körperliche Belastungen vermeiden. Schweres Heben schadet dem Beckenboden, ebenso sind manche Sportarten ungünstig. Dazu gehören z.B. Trampolinspringen oder Crossfit-Training.
  • Rauchen aufgeben. Raucherhusten geht oft mit einer Belastungsinkontinenz einher.

Tipp: Manche Medikamente verursachen oder fördern eine Harninkontinenz. Dazu gehören Anticholinergika zur Behandlung von Atemwegserkrankungen oder Parkinson, muskelentspannende Mittel, indirekte Parasympathikomimetika oder Beruhigungsmittel. Mit der Ärzt*in sollte besprochen werden, ob diese Arzneimittel reduziert oder ersetzt werden können.

Blase oder Beckenboden trainieren

Auch Training kann bei einer Blasenschwäche helfen. Gestärkt werden dabei je nach Form der Blasenschwäche entweder die Blase selbst oder der Beckenboden.

Das Blasentraining hilft besonders gegen die Dranginkontinenz. Es zielt darauf ab, die Zeiträume zwischen den Toilettengängen zu verlängern. Zunächst versucht die Betroffene, nicht gleich beim ersten Anzeichen eines Harndrangs zur Toilette zu gehen. Schritt für Schritt wird der Gang zur Toilette immer länger verzögert. Hilfreich dabei sind Entspannungsübungen. Auf diese Weise vergrößert sich das Aufnahmevolumen der Blase, der Harndrang wird geringer und das Wasserlassen besser kontrolliert.

Intensives Beckenbodentraining ist dagegen die passende Maßnahme für eine Belastungsinkontinenz. Diese Übungen erlernt man am besten in einer Physiotherapie. Spüren Betroffene mit Belastungsinkontinenz ihre Beckenbodenmuskulatur nicht, kann die Elektrostimulation helfen. Dazu verschreibt die Ärzt*in spezielle Geräte, die über die Scheide oder den Dammbereich elektrische Impulse abgeben.

Tipp: In die Scheide eingelegte Pessare stabilisieren die Harnröhre von innen. Sie helfen besonders bei unwillkürlichem Urinverlust durch körperliche Belastungen im Rahmen einer Belastungsinkontinenz.

Medikamente gegen Urinverlust

Wenn allgemeine Maßnahmen und Training nicht zum erwünschten Erfolg führen, sind stärkere Geschütze geboten. Leider gibt es wenig Hilfe aus dem Reich der Pflanzen. Zwar werden zur Linderung der Beschwerden zahlreiche Extrakte angeboten. Klinische Studien mit eindeutigen Daten zur Wirksamkeit fehlen in den meisten Fällen. Für Kürbissamen gibt es aus einer Beobachtungsstudie mit 117 Betroffenen Hinweise, dass sie Frauen mit überaktiver Blase helfen können.

Anders sieht das mit synthetischen Arzneimitteln aus. Für die Dranginkontinenz und die überaktive Blase gelten Muskarinrezeptor-Antagonisten als effektive Option. Sie verringern spontane Mikrobewegungen in der Blasenwandmuskulatur und reduzieren den Harndrang. Allerdings blockieren die Wirkstoffe nicht nur die Muskarinrezeptoren in der Blase, sondern im gesamten Organismus. Deshalb haben diese Substanzen auch zahlreiche Nebenwirkungen. Dazu gehören u.a. Mundtrockenheit, Sehstörungen und Verstopfung. Oxybutynin führt bei älteren Menschen sogar zu Verwirrtheit und Denkstörungen, vor allem wenn es abgeschluckt wird.

Einige Muskarinrezeptor-Antagonisten (z.B. Tolterodin) sollen beinahe nur auf die Blase wirken und so weniger Nebenwirkungen auslösen. Letzteres gilt auch für Präparate, deren Wirkstoff verzögert freigesetzt wird, sog. retardierte Arzneistoffe.

Eine neue Therapieoption gegen Dranginkontinenz und eine überaktive Blase ist Mirabegron. Die Substanz bindet an Betarezeptoren in der Harnblasenmuskulatur und entspannt dadurch die Blase. Eingesetzt wird Mirabegron, wenn Muskarinrezeptor-Antagonisten nicht ausreichend wirken. Sie sind auch bei älteren Menschen geeignet, weil sie seltener Verwirrtheit oder Denkstörungen auslösen. Als Nebenwirkung ist allerdings eine Erhöhung des Blutdrucks zu beachten.

Ein Wirkstoff zur Behandlung der Belastungsinkontinenz ist das Antidepressivum Duloxetin, ein selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Es stärkt den Schließmuskel der Blase und erhöht ihr Fassungsvermögen. Dadurch kommt es seltener zu unwillkürlichem Urinverlust. Das hat allerdings auch bei Duloxetin seinen Preis: Typisch sind Nebenwirkungen im Verdauungstrakt wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung. Vor allem bei psychisch nicht gesunden Menschen soll der Wirkstoff aber auch vermehrt Angst und innere Unruhe auslösen.

Mit Operationen an die Blasenschwäche

Manchmal helfen auch Medikamente nicht ausreichend. Ist der Leidensdruck hoch, sind interventionelle oder operative Verfahren eine Option.

Interventionelle Verfahren. Bei der überaktiven Blase und bei der Dranginkontinenz kann die Ärzt*in den Wirkstoff Onabotulinumtoxin A in die Blase instillieren. Dadurch entspannt sich die Blasenmuskulatur und der Harndrang wird weniger. Die Wirkung setzt jedoch erst zwei Wochen nach dem Eingriff ein und hält nur einige Wochen bis Monate an. Eine weitere Option bei überaktiver Blase ist die sakrale Neuromodulation. Dabei wird eine Art Schrittmachers in die Blase eingesetzt. Dieser sendet sanfte elektrische Impulse an den Sakralnerv, der die Blase versorgt. Auf diese Weise lässt sich sowohl eine Überaktivität als auch eine Unteraktivität der Blasenmuskulatur kontrollieren.

Operationen. Die Belastungsinkontinenz kann auch relativ einfach mit einer Band- oder Schlingen-Operationen behandelt werden. Dabei wird das natürliche Band, das die Harnröhre in ihrer Position hält, durch ein künstliches Band verstärkt. Eine weitere Möglichkeit ist das Injizieren von Gel in den Bereich des Harnröhrenabgangs von der Blase. Es entsteht ein Polster, das den Blasenausgang besser verschließt. Manchmal empfehlen die Ärzt*innen auch das operative Anheben des Blasenhalses. Ist bei Männern eine vergrößerte Prostata die Ursache der Blasenschwäche, hilft deren komplette oder teilweise Entfernung.

Quelle: S2k-Leitlinie Harninkontinenz der Frau

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: mauritius images / Giuseppe Anello / Alamy / Alamy Stock Photos
Was hilft gegen niedrigen Blutdruck?
Bei einer Hypotonie liegen die Blutdruckwerte unter 100/60 mmHg.

Was hilft gegen niedrigen Blutdruck?

Kalte Füße, häufig Schwindel

Menschen mit niedrigem Blutdruck fühlen sich oft schlapp und müde, sie frieren leicht und leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten. Zum Glück steckt meist keine ernsthafte Erkrankung dahinter. Dann lässt sich dem niedrigen Blutdruck mit vielen einfachen Maßnahmen Beine machen. Reicht das nicht, gibt´s Hilfe aus der Apotheke.

Von Müdigkeit bis Krampfanfall

Von einem niedrigen Blutdruck oder einer Hypotonie spricht man, wenn der systolische Blutdruckwert unter 100 mmHg liegt. In den allermeisten Fällen hat das keinen Krankheitswert. Im Gegenteil: Menschen mit niedrigem Blutdruck weisen sogar eine etwas höhere Lebenserwartung auf als Menschen mit normalen Blutdruckwerten. Doch viele Betroffene leiden trotzdem unter ihrer Hypotonie, denn sie kann eine ganze Reihe von Beschwerden auslösen.

Durch die verringerte Durchblutung frieren hypotone Menschen häufiger. Oft fühlen sie sich müde, und ihre Konzentrationsfähigkeit kann eingeschränkt sein. Es drohen Benommenheit, Schwindelgefühle und Sehstörungen. Auch hinter Verwirrtheitszuständen kann ein zu niedriger Blutdruck stecken. Vor allem bei älteren Menschen kommt es blutdruckbedingt zu kurzer Bewusstlosigkeit (Synkope) und dadurch zu Stürzen, manchmal entstehen sogar Krampfanfälle. Typisch ist, dass körperliche Anstrengung oder Essen die Beschwerden verstärken. Das liegt daran, dass der ohnehin geschwächte Kreislauf dann primär die Muskeln oder den Verdauungstrakt versorgt und dadurch noch weniger Sauerstoff im Gehirn ankommt.

Hinweis: Eine chronische Hypotonie löst keinesfalls immer Symptome aus. Es gibt Menschen, deren Blutdruck konstant zu niedrig ist und die trotzdem keinerlei Beschwerden damit haben.

Sensibler Regelkreis

Den Blutdruck- bestimmen mehrere Faktoren. Dazu zählen die Kraft und die Anzahl der Schläge, mit der das Herz das Blut in die Hauptschlagader pumpt. Entscheidend ist auch, wie hoch der Widerstand der Gefäßwände ist. Herz und Gefäßmuskulatur werden durch einen komplexen Regelkreis über das autonome Nervensystem gesteuert. Dieser ist wiederum eng verbunden mit der für den Blutdruck wichtigen Regulierung des Flüssigkeitshaushalts. Befindet sich z.B. zu wenig Flüssigkeit – sprich Volumen – in den Gefäßen, halten Herz und Gefäßwände nur schwer den Druck im Blutkreislauf aufrecht.

Je nach Ursache unterscheidet man bei der Hypotonie verschiedene Formen.

  • Die primäre oder essenzielle Hypotonie betrifft vor allem Jugendliche und junge Frauen mit schlankem Körperbau und Ausdauersportler*innen. Ihr liegt vermutlich ein erniedrigter Sollwert im Kreislaufregulationszentrum zugrunde.
  • Als sekundäre Hypotonie werden diejenigen Formen des niedrigen Blutdrucks bezeichnet, die durch eine Krankheit, Flüssigkeitsmangel oder eine Medikamentennebenwirkung ausgelöst werden. Aufgrund der vielen für den Blutdruck relevanten Faktoren gibt es eine große Anzahl solcher Auslöser. Sie reichen von Herzerkrankungen (z.B. Herzinfarkt oder Herzschwäche) über hormonelle Störungen (Schilddrüsenunterfunktion, Nebennierenrindeninsuffizienz) bis zu Blutarmut oder mangelnder Flüssigkeitszufuhr.

Hinweis: Wer unter niedrigem Blutdruck leidet und regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte diese mithilfe der Hausärzt*in prüfen. Neben Entwässerungsmitteln und Wirkstoffen gegen Brustenge (Angina pectoris) können vor allem Antidepressiva und Schmerzmittel eine ungewollte Blutdrucksenkung auslösen. Vorsicht geboten ist auch bei der Einnahme von Phosphodiesterase-III-Hemmern, die in Potenzmitteln wie Sildenafil oder Vardenafil enthalten sind.

Orthostatische Dysregulation

Eine spezielle Form der Hypotonie ist die orthostatische Dysregulation. Im Gegensatz zur chronischen Hypotonie sind dabei die Blutdruckwerte nicht dauerhaft niedrig. Sie sinken nur beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen deutlich ab. Dabei „versackt“ das Blut in den Beinvenen, wodurch das Gehirn weniger durchblutet wird. Die Folge davon sind Schwindel, Sehstörungen, Kopf- und Nackenschmerzen. Typischerweise bessern sich die Beschwerden sofort, wenn sich die Betroffene wieder hinlegt.

Für dieses starke Absinken der Blutdruckwerte diskutieren Expert*innen verschiedene Ursachen. Zum einen kann das autonome Nervensystem geschädigt oder gestört sein, sodass bei einem Blutdruckabfall die schnelle Antwort der Gefäße und des Herzens ausbleibt. Auch eine Hypovolämie, also zu wenig Flüssigkeit in den Gefäßen, soll daran beteiligt sein.

Vor allem bei Jüngeren ist diese Form der Hypotonie oft konstitutionell bedingt. Schlanke und große Menschen sind deshalb häufiger davon betroffen, begünstigend wirken mangelndes körperliches Training und unzureichende Flüssigkeitszufuhr. Bei älteren Menschen wird die orthostatische Dysregulation oft ausgelöst durch

  • Medikamente (Hochdruckmittel, Entwässerungsmittel, Neuroleptika, Parkinsonmittel, Antidepressiva)
  • Volumenmangel in den Gefäßen, z.B. durch mangelnde Flüssigkeitszufuhr, Flüssigkeitsverluste über Durchfall oder Blutungen (z.B. Darmblutungen) und Nierenerkrankung
  • Herzerkrankungen wie Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, koronare Herzkrankheit
  • Hormonstörungen

Hinweis: Die orthostatische Dysregulation tritt in jedem Lebensalter auf. Bei Menschen über 65 Jahren ist sie jedoch besonders häufig, jede Vierte soll davon betroffen sein.

Niedrigen Blutdruck abklären lassen

In den meisten Fällen hat ein niedriger Blutdruck keine ernste Ursache. Trotzdem sollte man mit der Hausärzt*in klären, ob vielleicht weitere Untersuchungen sinnvoll sind. Die Basisuntersuchung ist die normale Blutdruckmessung. Daneben zeigt eine 24-Stunden-Blutdruckmessung, wie es sich mit dem Druck im Tages- und Nachtverlauf verhält. Mithilfe des EKGs kommt man Herzrhythmusstörungen auf die Spur, mittels Ultraschall des Herzens (Echokardiographie) lässt sich die Pumpkraft des Herzens prüfen.

Zwei Tests helfen bei der Diagnose der orthostatischen Hypotonie. Beim aktiven Stehtest (Schellong-Test) misst man Puls und Blutdruck zwei Minuten im Liegen. Dann wird die Patient*in aufgefordert, sich hinzustellen. Dabei misst man sofort und alle 60 Sekunden Puls und Blutdruck über mindestens drei Minuten. Sinkt der systolische Wert um mehr 20 mmHg und/oder der diastolische um mehr als 10 mmHg, liegt eine orthostatische Dysregulation vor. Steigt der Puls durch den Blutdruckabfall stark an, handelt es sich um eine sympathikotone Variante, bei der es häufiger zu Synkopen (Ohnmachtsanfällen) kommt. Bei der klassischen Variante bleibt der Anstieg der Herzfrequenz aus.

Der Kipptisch-Test wird mangels passender Ausrüstung meist nur in Herzpraxen durchgeführt. Dabei liegt die Patient*in zehn Minuten angeschnallt auf einer speziellen Liege, die dann in eine Position von 60 bis 80 Grad aufgerichtet (gekippt) wird. Diese Untersuchung wird vor allem bei unklaren Bewusstlosigkeitsanfällen (Synkopen) eingesetzt, wenn andere Verfahren (EKG, Herz-Echo, Blutdruckmessung, Steh-Test) keine eindeutigen Ergebnisse erbracht haben.

Dem Blutdruck Beine machen

Bei einer sekundären Hypotonie steht als erstes die Behandlung der auslösenden Ursache an, z.B. der Ausgleich eines Hormonmangels oder die Therapie einer Herzschwäche. Liegt keine behandlungsbedürftige Erkrankung vor, helfen oft einfache Maßnahmen gegen die Beschwerden:

Auslöser meiden. Treten die Symptome in bestimmten Situationen auf, gilt es, diese zu meiden. Dazu gehören beispielsweise ein langer Aufenthalt in schwüler Hitze oder zu langes Stehen. Ausreichend Flüssigkeit. Menschen mit einer Hypotonie müssen viel trinken. In der Regel heißt das (nach Rücksprache mit der Ärzt*in) zwei bis drei Liter pro Tag.

Häufig und salzreich essen. Mit mehreren kleinen, leichten Mahlzeiten über den Tag verteilt verringert man die Blutumverteilung in den Verdauungstrakt nach der Nahrungsaufnahme. Hypotoniker*innen sollten zudem salzreich essen, weil Salz Flüssigkeit in die Gefäße „zieht“. Häufig werden täglich 5 bis 10 g Kochsalz empfohlen. Wieviel Salz individuell ratsam ist, sollte unbedingt mit der Hausärzt*in besprochen werden. Zusätzlich ist es günstig, natriumreiches Trinkwasser zu wählen.

Auf Alkohol verzichten. Alkohol erweitert die Gefäße und senkt dadurch akut den Blutdruck. Wer zu Hypotonie neigt, sollte deshalb besser darauf verzichten.

Erhöhte Oberkörperlage beim Schlafen. Wer orthostatische Probleme beim Aufstehen aus dem Schlafen hat, kann das Kopfteil des Bettes um etwa 12° höherstellen. Dadurch wird die nächtliche Wasserausscheidung über die Niere verringert. Oft nützt es, sich vor dem Aufstehen zunächst für zwei Minuten an die Bettkante zu setzen und den Kreislauf an die veränderten Bedingungen zu gewöhnen.

Venentonus erhöhen. Gegen das Absacken des Blutes in die Beingefäße hilft es, die Venen und die umliegende Wadenmuskulatur zu stärken. Dazu eignen sich

  • Isometrische Übungen im Sitzen oder Stehen, z. B. das Überkreuzen der Beine im Stehen und das Auf-die Zehen-Stellen
  • Regelmäßige Anwendung von Wechselduschen oder Kneipp-Güssen
  • Trockenbürstenmassagen der Beine
  • Regelmäßiges Radfahren oder Walking
  • Kompressionsstrümpfe.

Medikamente gegen den niedrigen Druck

Hypotone und orthostatische Kreislaufregulationsstörungen lassen sich manchmal auch mit Wirkstoffen aus dem Pflanzenreich lindern. Ein Flüssigextrakt aus Weißdornbeeren und Campher erhöht beispielsweise die Herzfrequenz und die Kontraktionskraft des Herzmuskels. Die Tropfen sind wasserunlöslich und sollen deshalb auf einem Stück Zucker oder Brot eingenommen werden. Das Präparat ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Synthetische Medikamente helfen ebenfalls gegen einen niedrigen Blutdruck. Sie sollten aber erst dann eingesetzt werden, wenn die anderen Maßnahmen bei der Behandlung der Hypotonie keinen Erfolg zeigen.

  • Sympathomimetika. Rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind die Sympathomimetika Etilefrin und Norfenefrin. Sie unterstützen das autonome Nervensystem und steigern die Herzkraft und den Gefäßwiderstand. Beide Wirkstoffe gibt es als Tropfen oder Tabletten. Sie sind mehrmals täglich je nach Beipackzettel einzunehmen. Um Schlafstörungen zu vermeiden, sollte die letzte Gabe vor 16 Uhr erfolgen. Bei Gefäßerkrankungen oder koronarer Herzkrankheit, Engwinkelglaukom und Prostatavergrößerung dürfen Sympathomimetika nicht eingesetzt werden. Ein weiteres, aber rezeptpflichtiges Sympathomimetikum ist Midodrin. Der Wirkstoff verengt die Gefäße und steigert dadurch den Blutdruck. Es gelten die gleichen Kontraindikationen wie bei Etilefrin.
  • Fludrocortison. Dieses Mineralkortikoid senkt die Natriumausscheidung über die Niere und erhöht dadurch Blutvolumen und Blutdruck. Es wird bei schwerer orthostatischer Hypotonie verordnet, wenn eine erhöhte Salz- und Flüssigkeitszufuhr nicht ausreichen. Als Nebenwirkungen sind Wassereinlagerungen, Herzschwäche, Schwitzen und Kopfschmerzen zu beachten.

Sonderfall Schwangerschaft

Ein niedriger Blutdruck während der Schwangerschaft ist nicht nur lästig für die werdende Mutter – er bedeutet auch eine Gefahr für das Kind. Denn hypotone Mütter haben einerseits ein erhöhtes Risiko für Früh- oder Fehlgeburten. Weil die Plazenta bei niedrigem Blutdruck schlechter durchblutet ist, drohen dem Ungeborenen außerdem Wachstumsstörungen.

Gegen niedrigen Blutdruck können sich werdende Mütter zunächst mit den oben genannten Allgemeinmaßnahmen helfen. Reicht das nicht aus, wird es schwierig. Denn die Behandlungsmöglichkeiten mit Medikamenten sind in der Schwangerschaft stark eingeschränkt. Sympathomimetika verbieten sich in den ersten drei Monaten strikt, da sie in Tierversuchen zu Missbildungen des Fetus geführt haben. Auch in der restlichen Schwangerschaft sollten sie besser nicht eingenommen werden und wenn, nur nach Rücksprache mit der Frauenärzt*in.

Eine medikamentöse Option für Schwangere ist Cardiodoron. Die Tinktur besteht aus Eselsdistel, Bilsenkraut und Frühlingsschlüsselblume und wird gegen Blutdruckschwankungen eingesetzt. In der höheren Konzentration muss der Extrakt von der Ärzt*in verordnet werden, stärker verdünnt ist er rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Wie bei allem Medikamenten in der Schwangerschaft ist es allerdings auch bei der rezeptfreien Variante sicherer, vor Einnahme die Frauenärzt*in zu befragen.

Tipp: Schwangere können ihren Blutdruck auch mit Sport auf Trab bringen. Besonders geeignet sind Schwimmen und Wassergymnastik sowie Radfahren und Nordic Walking. Wer joggen möchte, sollte sich dazu vorher Rat von der Frauenärzt*in einholen – denn Joggen belastet den Beckenboden.

Quelle: DAZ 2023; 12: 36

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: mauritius images/Westend61/zerocreatives