Frauenkrankheiten


Menstruationszyklus und Wechseljahre

Menstruationsschmerzen

Menstruationsschmerzen (Periodenschmerzen, Dysmenorrhö): Schmerzen im Unterbauch während der Monatsblutung. Etwa 20 % aller Frauen leiden darunter; bei jungen Mädchen in der Pubertät ist sogar jedes zweite betroffen. Menstruationsschmerzen meist mit einfachen Mitteln bekämpft werden.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Ziehende, krampfartige Schmerzen im Unterbauch vor allem an den ersten beiden Blutungstagen
  • Leichte Schmerzen bereits kurz vor der Monatsblutung
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit.

Wann zum Frauenarzt

In den nächsten Wochen, wenn

  • die Schmerzen bei jeder Monatsblutung auftreten und so stark sind, dass der normale Tagesablauf beeinträchtigt wird.
  • gleichzeitig Störungen der Monatsblutung bestehen.
  • die Schmerzen plötzlich auftreten und die Monatsblutung bis dahin immer schmerzlos war.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Primäre Dysmenorrhö. Bestehen die Menstruationsschmerzen schon seit der ersten Monatsblutung, spricht der Arzt von primärer Dysmenorrhö. Die Schmerzen werden in diesem Fall durch krampfartiges Zusammenziehen (Kontraktion) der Gebärmutter verursacht, für das körpereigene Substanzen, die Prostaglandine, verantwortlich sind. Prostaglandine kommen außer in der Gebärmutterwand in fast allen Organen vor und können neben den Muskelkontraktionen auch Schmerzen auslösen. Im Normalfall verschwinden die Schmerzen bei primärer Dysmenorrhö in den folgenden Zyklen.

Sekundäre Dysmenorrhö. Bei der sekundären Dysmenorrhö treten die Schmerzen erst nach einigen Jahren auf, während die Monatsblutungen vorher schmerzarm oder schmerzlos waren. Hier sind die Ursachen vielfältig und müssen ärztlich geklärt werden. Verursacht werden die Schmerzen beispielsweise nach Gebrauch mechanischer Verhütungsmittel (wie Intrauterinpessar oder Diaphragma) Menstruationsbeschwerden treten auch bei gutartigen Gebärmuttertumoren wie Myome oder bei einer Endometriose auf.

Prinzipiell spielt auch die Psyche eine große Rolle bei der Schmerzentstehung. Stress, Sorgen oder das automatische Erwarten von Schmerzen, wenn auch die Freundin oder die Mutter daran leidet, können diese hervorrufen. Manchmal fühlen sich junge Mädchen noch unwohl und unsicher, was die Veränderungen in ihrem Körper angeht. Menstruationsschmerzen sind unter Umständen Ausdruck einer unbewussten Ablehnungshaltung gegenüber dem Erwachsenwerden.

Diagnosesicherung

Ultraschall. Mit einer gynäkologischen Untersuchung und einem Ultraschall des Unterbauchs schließt der Arzt organische Ursachen wie Fehlbildungen, Myome der Gebärmutter oder eine Endometriose aus.

Bauchspiegelung. Erhärtet sich der Verdacht auf Endometriose, ist eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) notwendig.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Ruhe. Hinlegen, Ausruhen und/oder Schlafen helfen oft schon bei den ersten Anzeichen von Schmerzen.

Wärmeanwendungen. Eine Wärmflasche, ein erhitztes Dinkel- oder Kirschkernsäckchen oder warme Umschläge auf dem Unterbauch oder ein warmes Vollbad (z. B. mit Melisse, Kamille oder Bergamotte als Badezusatz) lösen Krämpfe und lindern Schmerzen. Auch eine Fangopackung auf dem Unterleib oder ein Saunabesuch helfen.

Sex. Sex kann die Schmerzen dämpfen, zumindest wenn es zum Orgasmus kommt. Denn dann werden körpereigene Endorphine ausgeschüttet, opiatähnliche Stoffe, die zumindest für einen kurzen Zeitraum schmerzlindernd wirken.

Massieren. Massieren des Unterleibes wirkt gegen Schmerzen und Verkrampfungen.

Geeignete Medikamente

Ibuprofen hemmt die Prostaglandinproduktion und wirkt auf diese Weise schmerzlindernd. Naproxen ist ebenfalls ein gut verträglicher Prostaglandinhemmer. Butylscopolamin ist ein krampflösender Wirkstoff.

Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin®) lindert zwar ebenfalls die Schmerzen, ist während der Menstruation aber nicht geeignet, denn sie wirkt gerinnungshemmend und kann deshalb den Blutverlust zusätzlich steigern.

Komplementärmedizin

Die Pflanzenheilkunde. Zur Behandlung der Menstruationsschmerzen wird standardisierter Mönchspfefferextrakt (Vitex agnus-castus, z. B. Agnolyt®, Femicur®) empfohlen. Zur Stabilisierung des Hormonhaushalts dienen Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) und Gänsefingerkraut (Potentilla anserina). Auch Belladonna, Crocus, Ignatia, Lachesis, Pulsatilla, Sepia, Uzara und Zincum metallicum helfen. Die Präparate sind zwar rezeptfrei erhältlich, sollten jedoch besser erst nach Rücksprache mit dem Frauenarzt eingenommen werden.

Teemischungen. Mischungen aus Kamillenblüten (Matricaria recutita), Schneeballbaumrinde (Viburnum prunifolium) und Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) wirken krampflösend; es wird empfohlen, einige Tage vor dem erwarteten Blutungsbeginn eine Teekur (bis zu 3 Tassen täglich) zu beginnen.

TENS-Therapie. Die transkutane elektrische Nervenstimulation hat sich zur Behandlung von Menstruationsschmerzen bewährt. Dabei klebt der Arzt Elektroden auf die Haut, über die schwache elektrische Impulse zur Stimulation gesendet werden. Die TENS-Therapie ist einfach anzuwenden, eine optimale Wirkung wird aber nur bei mehrfacher täglicher Anwendung erreicht. Wichtig ist, dass die elektrischen Impulse, die dem Körper zugeführt werden, eine ausreichend hohe Frequenz haben.

Akupunktur. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Akupunktur generell bei Schmerzen. Im Vergleich mit der TENS-Therapie schneidet sie in ihrer Wirksamkeit gegen Menstruationsschmerzen allerdings etwas schlechter ab.

Akupressur. Gegen starke Blutungen und Krämpfe hilft auch Akupressur. Etwa eine Handbreit unterhalb des Knies auf der Beininnenseite liegt ein Reflexpunkt, den man selbst mehrmals täglich einige Minuten presst.

Homöopathie. In der Homöopathie häufig eingesetzte Mittel sind Belladonna, Cimicifuga, Crocus, Ignatia, Lachesis, Pulsatilla, Sepia, Uzara und Zincum metallicum.

Ärztliche Behandlung

Primäre Dysmenorrhö. Sind organische Ursachen ausgeschlossen, verordnet der Arzt kurzfristig schmerzlindernde oder krampflösende Medikamente (z. B. Butylscopolamin wie Buscopan® oder Spasman®). Häufig lassen sich die Beschwerden aber auch mit Selbstbehandlungsmaßnahmen lindern (siehe oben).

Auch die Einnahme der "Pille" führt bei vielen Frauen zu einer leichteren und kürzeren Blutung und lässt die Schmerzen verschwinden.

Sekundäre Dysmenorhö. Hier muss die zugrunde liegende Ursache wie eine Endometriose therapiert werden.

Prävention

Bewegung. Regelmäßige sportliche Bewegung fördert die Durchblutung, löst Verkrampfungen der Muskulatur und sorgt zudem für seelische Ausgeglichenheit.

Entspannungsverfahren. Um (krampfartige) Schmerzen bereits im Vorfeld zu vermeiden, helfen Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Autogenes Training, aber auch Yoga und Achtsamkeitstraining. Darüber hinaus verändern diese Verfahren das Schmerzempfinden. Es braucht aber 2–3 Monate, bis eine solche Entspannungstechnik wirkt.

Orthomolekularmedizin. Manche Frauen sprechen auf die Einnahme von Magnesium an. Die Orthomolekularmedizin schreibt dem Spurenelement einen entspannenden Effekt auf die Gebärmutterschleimhaut und eine hemmende Wirkung auf die schmerzauslösende Prostaglandinproduktion zu. Welche Dosierung im Einzelfall geeignet ist, sollte mit dem behandelnden Gynäkologen abgestimmt werden. Gleiches gilt für Vitamin B1: In einer Studie erwies sich die regelmäßige Einnahme von 100 mg täglich in einigen Fällen als erfolgreich. Dennoch sollten auch in diesem Fall Dosierung und Einnahme mit dem Arzt geklärt werden. Eine vorübergehende Einnahme von Eisen einige Tage vor und während der Menstruation hilft bei der Blutneubildung und dadurch auch gegen Blutarmut, Müdigkeit und Antriebslosigkeit.

Prämenstruelles Syndrom

Prämenstruelles Syndrom (PMS, prämenstruelle dysphorische Störung): Regelmäßig in den Tagen vor der Monatsblutung auftretende, das tägliche Leben beeinträchtigende körperliche und psychische Beschwerden, die mit Einsetzen der Blutung nachlassen. Da die Symptome vielfältig sind und unterschiedlich stark empfunden werden, schwanken die Angaben zur Häufigkeit des PMS. Etwa 20–40 % aller Frauen sind davon betroffen, Frauen über 30 Jahre häufiger als jüngere. Behandlungsbedarf besteht, wenn mindestens 9 von 12 Zyklen starke Beschwerden verursachen.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Brustspannen (Mastodynie)
  • Wassereinlagerungen, geschwollene Hände und Füße
  • Rücken- und Unterbauchschmerzen
  • Migräneartige Kopfschmerzen
  • Psychische Labilität: Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Lethargie, Depression mit unkontrollierbarem Weinen, Nervosität, Angstgefühle, sozialer Rückzug
  • Schlaflosigkeit
  • Völlegefühl, Verdauungsstörungen, Heißhunger auf Süßes
  • Gewichtszunahme
  • Hitzewallungen, Schweißausbrüche
  • Unreine Haut, Neigung zu Akne.

Hinweis: Ausmaß und Anzahl der Beschwerden sind sehr unterschiedlich. Für die Diagnose ist die Häufigkeit der Beschwerden jedoch unerheblich. Entscheidend ist das zyklusabhängige Wiederkehren in der 2. Hälfte des Menstruationszyklus. Betroffene sind nach der Menstruation bis mindestens zum Eisprung symptomfrei.

Wann zum Frauenarzt

In den nächsten Wochen, wenn

  • einige der genannten Beschwerden regelmäßig auftreten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Vor allem in den letzten 3–7 Tagen vor der neuen Menstruation liegt ein hormonelles Ungleichgewicht vor: Der Einfluss von Gestagen (Progesteron) überwiegt den von Östrogen. Dafür spricht auch, dass bei den betroffenen Frauen die Beschwerden während einer Schwangerschaft ausbleiben und dass sie spätestens nach den Wechseljahren verschwinden. Aber auch andere Hormone wie Aldosteron, Prolaktin und Botenstoffe im Gehirn, wie das Glückshormon Serotonin, scheinen eine Rolle zu spielen. So haben viele Frauen während der Tage vor ihrer Monatsblutung Heißhunger auf etwas Süßes. Dies kann ein Signal dafür sein, dass der Serotoninstoffwechsel im Gehirn gestört ist.

Eine andere Theorie besagt, dass nicht das hormonelle Ungleichgewicht ein PMS auslöst, sondern dass Frauen überempfindlich auf die zyklischen hormonellen Schwankungen reagieren.

Auch eine genetische Veranlagung spielt eine Rolle. So fand man bei den betroffenen Frauen ein Gen, das verantwortlich ist für einen Botenstoff im Blut und im Gehirn: Brain Derived Neurotropic Factor – kurz BDNF. Zusammen mit Östrogen wirkt BDNF auf ein wichtiges Stimmungs- und Gedächtniszentrum im Gehirn (das sog. Limbische System). Frauen mit diesem Gen reagieren empfindlicher und intensiver auf die monatlichen Hormonschwankungen.

Außerdem beeinflussen psychische Probleme die PMS-Beschwerden stark, allen voran Partnerschaftskonflikte, sexuelle Probleme in der Beziehung oder chronische Überforderung im Beruf oder in der Mutterrolle.

Sonderform prämenstruelle dysphorische Störung

Handelt es sich um eine schwere Form des PMS, bei der die psychische Problematik im Vordergrund steht, sprechen Mediziner von einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS). Kennzeichnend sind depressive Stimmung, Konzentrationsstörungen und ungewohnt impulsives Handeln. Die PMDS setzt in der 2. Zyklushälfte 4–14 Tage vor dem Eintreten der Blutung ein. Davon betroffen sind etwa 3–8 % der Frauen; einige davon sind in ihren beruflichen und sozialen Aktivitäten stark eingeschränkt. PMDS tritt familiär gehäuft auf.

Die genaue Ursache für das PMDS ist unbekannt, ein Faktor dabei ist wahrscheinlich eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit gegenüber den Sexualhormonen Östrogen und Progesteron. Auch Störungen im Serotonin-Stoffwechsel könnten eine Teilursache sein.

Hinweis: Frauen mit einer PMDS sind nach der Geburt eines Kindes besonders gefährdet für eine Wochenbettdepression (postpartale Depression).

Diagnosesicherung

Ultraschall. Der Arzt schließt mit der gynäkologischen Untersuchung sowie einem Ultraschall des Unterbauchs organische Ursachen im Bereich der Genitalorgane aus.

Blutuntersuchung. Eine Bestimmung der Hormonkonzentrationen im Blut deckt nur in wenigen Fällen ein Ungleichgewicht auf.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Wenn Sie zu den Frauen zählen, die eine Neigung zu PMS haben, werden Sie höchstwahrscheinlich bis zu den Wechseljahren darunter leiden. Mit einer Umstellung der bisherigen Lebensweise und einer ausreichenden Entspannung können die Symptome jedoch oft gelindert werden.

Hier die erfahrungsgemäß wirkungsvollsten Maßnahmen:

Bewegung. Den größten therapeutischen Nutzen während der Tage vor der Menstruation bringt sportliche Aktivität. Experten empfehlen mindestens dreimal pro Woche Sport.

Ernährung. Frauen mit Übergewicht leiden deutlich häufiger unter PMS als schlanke Frauen. Eine kohlenhydrat- und vitaminreiche Ernährung sowie die Reduktion von Salz, Zucker, Alkohol und Koffein lindern in vielen Fällen die Symptome des PMS.

  • Ein mäßiger Verzehr von Schokolade in den Tagen vor der Regel bessert oft die Stimmung, da Kakao die Serotoninausschüttung stimuliert und Schokolade die Serotoninvorstufe Tryptophan enthält.
  • Manche Frauen profitieren auch vom "Nervenvitamin" B6, das z. B. in Avocados, Bananen, Haferflocken, Nüssen und Vitamin-B-Kombinationspräparaten enthalten ist.
  • Möglicherweise hilft die Einnahme von muskelentspannendem Magnesium (hochdosiert z. B. 350 mg täglich) und Kalzium, das in Milchprodukten sowie in speziellen Kalzium-Brausetabletten enthalten ist.
  • Auch ungesättigte Fettsäuren wie Linolen-, Öl- oder Linolsäure helfen, PMS-Beschwerden zu lindern. Oliven- und Kürbiskernöl enthalten viele solcher ungesättigten Fettsäuren.

Schlaf. Versuchen Sie, möglichst ausreichend zu schlafen. Wenn Sie Nachtdienst leisten müssen, sollten die Nachtschichten nach und nicht vor Ihren Tagen liegen.

Wärme. Gegen Krämpfe im Unterleib hilft feuchte Wärme (z. B. eine in ein feuchtwarmes Tuch gewickelte Wärmflasche); ein warmes Vollbad wirkt entspannend.

Seelische Konflikte und Stress. Bei ungelösten Konflikten sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Je weniger seelische "Lasten" Sie zu tragen haben, desto leichter werden Sie auch Ihre PMS-Beschwerden ertragen.

Geeignete Medikamente

Bei vorübergehenden, aber starken (Kopf-)Schmerzen werden Schmerzmittel vom NSAR-Typ wie Indometacin empfohlen (z. B. IndoHexal®).

Wassereinlagerungen lassen sich mit entwässernden Medikamenten (Diuretika) behandeln.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Behandelt wird das PMS mit den gleichen Heilpflanzen wie bei Menstruationsschmerzen; standardisiertem Mönchspfefferextrakt (Vitex agnus-castus, z. B. Agnolyt®, Femicur®) wird der größte therapeutische Stellenwert eingeräumt. Keinen Nachweis der Wirksamkeit gibt es bislang für die ebenfalls häufig empfohlenen pflanzlichen Mittel Nachtkerzenöl (Oenothera biennis) und Ginkgo (Ginkgo biloba).

Teemischungen. Je nach vorherrschenden Symptomen helfen:

  • Aufgegossene Birkenblätter (Betula pendula) oder Schachtelhalm zur Entwässerung bei Wassereinlagerungen und gegen Spannungsgefühle (z. B. in den Brüsten)
  • Johanniskraut (Hypericum perforatorum) zur Stimmungsaufhellung. Aber Vorsicht: Johanniskraut kann die Wirkung der "Pille" vermindern
  • Hopfenblüten (Humulus lupulus), Baldrian (Valeriana officinalis) und Melisse (Melissa officinalis) gegen Schlafstörungen
  • Salbei (Salvia officinalis) bei hormonell bedingten Schweißausbrüchen
  • Pfefferminzöl (Menthae piperitae aetheroleum) zum Einreiben der Schläfen oder der Stirn bei Kopfschmerzen.

Massage. Auch sie wirkt sich positiv auf Häufigkeit und Verlauf des PMS aus, wobei der Effekt unmittelbar nach einer Massagesitzung am größten ist. Für eine dauerhafte Besserung ist es deshalb ratsam, eine Behandlungseinheit mit mehreren Massagen in regelmäßigen Abständen zu wiederholen.

Akupunktur. Zahlreiche Erfahrungsberichte von Betroffenen bestätigen, dass Akupunktur bei PMS wirksam ist – auch wenn die Studienergebnisse in Bezug auf den therapeutischen Nutzen widersprüchlich sind. Es spricht also nichts gegen einen Versuch, die Beschwerden mittels Akupunktur zu lindern.ss

Fußreflexzonenmassage. Es gibt Hinweise, dass die Fußreflexzonenmassage zur Behandlung von PMS geeignet ist. Die Behandlung sollte allerdings von einem erfahrenen Therapeuten durchgeführt werden.

Ärztliche Behandlung

Bei PMS: Das schulmedizinische Therapieangebot ist zwar reichhaltig, aber nicht immer effektiv. Deshalb gehen die Empfehlungen der Frauenärzte weit auseinander. Die Therapie sollte sich danach richten, welche Symptome im Vordergrund stehen.

Hormonpräparate. Wirksam, wenn auch bei Patientinnen meist wenig beliebt, ist die Behandlung mit Hormonen. Eine klassische Empfehlung sind Gestagenpräparate (Progesteron) während der 2. Zyklushälfte, z. B. täglich 30 mg Medroxyprogesteronacetat. Die "Minipille" wird versuchsweise als Dauertherapie ausprobiert. Zu ihren häufigsten Nebenwirkungen zählt das komplette Ausbleiben der Menstruation. Die Einnahme von Danazol Ratiopharm® und von GnRH-Agonisten ist ebenso möglich (sie werden alle auch bei der Endometriose eingesetzt und dort einschließlich ihrer Nebenwirkungen ausführlich beschrieben).

Bei PMDS: Zu erwägen sind Antidepressiva vom Typ der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Die Behandlung schlägt frühestens nach 6 Wochen an, sie sollte deshalb für mindestens 3 Monate erfolgen.

Prävention

Entspannungsverfahren. Wer zu Stress neigt, sollte Entspannungstechniken ausprobieren. Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Autogenes Training, aber auch Yoga und Achtsamkeitstraining sind sehr wirksam. Es braucht aber 2–3 Monate, bis eine solche Entspannungstechnik wirkt.

Zykluskalender. Eine gute Vorbereitung auf den nächsten Arztbesuch ist die Protokollierung aller Zyklusbeschwerden über mehrere Monate. Tragen Sie dort sämtliche Beschwerden ein. Dies kann Ihnen selbst Aufschlüsse geben, es erleichtert das Gespräch mit Ihrem Arzt und die Suche nach einer bestmöglichen Behandlungsstrategie.

Orthomolekularmedizin. Die Orthomolekularmedizin empfiehlt Kombinationstherapien, z. B. von hochdosiertem Magnesium, Vitamin B6 und Omega-3-Fettsäuren. Eine Alternative ist die Monotherapie mit einem der genannten Nährstoffe. Ein wissenschaftlicher Wirkungsnachweis steht jedoch noch aus.

Toxinschocksyndrom

Toxinschocksyndrom (Toxisches Schocksyndrom, TSS): Lebensbedrohliches Krankheitsbild, ausgelöst durch giftige Stoffwechselprodukte (Toxine) des Bakteriums Staphylococcus aureus, selten auch von Streptokokken (Streptokokken-induziertes toxisches Schocksyndrom, STSS). Das Toxinschocksyndrom ist eine seltene Erkrankung vor allem junger Frauen. Etwa eine von 200 000 Frauen jährlich sind betroffen.

Da das Toxinschocksyndrom mit der Verwendung von Tampons in Zusammenhang gebracht wird, nennt man diese Krankheit auch Tamponkrankheit.

Symptome und Leitbeschwerden

Die akute Erkrankung tritt meist zum Ende der Menstruation auf und erzeugt ein schweres Krankheitsgefühl mit folgenden Allgemeinsymptomen:

  • Plötzliches hohes Fieber (> 39° C)
  • Schüttelfrost
  • Blutdruckabfall mit blasser Haut, Schwindelgefühl und Ohnmacht
  • Herzrasen
  • Erbrechen, Durchfall
  • eventuell Muskel- und Kopfschmerzen
  • Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung.

Gynäkologische Symptome sind:

  • Rötung der Vaginalschleimhaut
  • Eitriger Fluor vaginalis.

Typische Hautsymptome sind:

  • Fleckiger, sonnenbrandähnlicher Ausschlag nach 12–48 Stunden, vor allem an Handflächen und Fußsohlen sowie am Schultergürtel
  • Ablösung von mehrere Zentimeter großen Schuppen der Haut nach 12 Tagen
  • Verlust der Haare und Nägel nach weiteren 2 Monaten
  • Gerötete Augen und Schleimhäute.

Hinweis: Treten die genannten Beschwerden auf, muss sofort der Tampon, das Diaphragma oder die Verhütungskappe entfernt werden!

Wann zum Arzt

Sofort in die Klinik, wenn

  • Sie oben beschriebene Symptome eines Toxinschocksyndroms bemerken!

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Das Bakterium Staphylococcus aureus befindet sich auf Haut und Schleimhäuten vieler Menschen, ohne dass es zu einer Erkrankung kommt. Die Bakterien vermehren sich allerdings unter bestimmten Bedingungen in der Scheide: z. B. wenn Frauen Tampons benutzen und diese erst sehr spät wechseln. Die Tampons binden Magnesiumionen und führen zu einem magnesiumarmen Scheidenmilieu. In der Folge vermehren sich die Keime ungehindert, Bakteriengifte der Staphylokokken (Exotoxine) bilden sich. Diese Toxine verbreiten sich sehr schnell im ganzen Körper und führen zur Blutvergiftung (Sepsis). Die Erkrankung droht vor allem gegen Ende der Menstruation.

Bis jetzt gibt es noch keinen entsprechenden Warnhinweis auf Tampon-Packungen. Allerdings haben die Hersteller die Tampon-Herstellung verbessert, sodass die Tampon-bedingten Fälle des TSS gesunken sind.

Verwandte Erkrankungen. Exotoxine von Staphylococcus aureus oder Streptococcus pyogenes zeichnen auch für weitere, prinzipiell vergleichbare, Erkrankungen verantwortlich:

  • Infektionen im Wochenbett
  • Eitrige Wundverletzungen
  • Durch Fremdkörper wie Nasentamponade gegen Nasenblutungen begünstigte eitrige Herde.

Interessant ist, dass diese Erkrankungen überwiegend zuvor gesunde und immunkompetente Menschen zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr treffen - und nicht Säuglinge, immungeschwächte oder hochbetagte Menschen, wie zu vermuten wäre.

Ursachen

Ein toxisches Schocksyndrom wird durch giftige Stoffwechselprodukte von Bakterien ausgelöst, die in den Körper gelangen. Neben Tampons verursacht die Verhütung mit Barrieremethoden wie Diaphragma, Vaginalschwamm oder Portiokappe) eine derartige Infektion, wenn sie zu lange benutzt werden: bei der Portiokappe beginnt die kritische Zeit ab 48 Stunden, bei dem Diaphragma ab 24 Stunden.

Diagnosesicherung

Anamnese. Hierbei wird ein zeitlicher Zusammenhang zwischen einer möglichen Ursache (z. B. Tampon-Benutzung/Menstruation) und den Symptomen gesucht. Die typischen Beschwerden geben bereits einen Hinweis auf das Toxinschocksyndrom.

Blutprobe, Urin- und Blutkultur. Im Blut und Urin werden erhöhte Werte von weißen Blutkörperchen nachgewiesen. Entscheidend ist der Nachweis von Antikörpern, die sich gegen das Bakteriengift richten (TSST-1-Antikörper).

Abstrich. Vom Abstrich aus der Scheide wird eine Bakterienkultur angelegt. Ein Antibiogramm gibt Aufschluss darüber, welches Antibiotikum wirksam gegen die Bakterien ist.

Behandlung

Intensivmedizinische Behandlung

Der Arzt stabilisiert mit einer Flüssigkeitsinfusion und entsprechenden Medikamenten den Kreislauf und versucht, ein Organversagen zu verhindern. Gleichzeitig erfolgt eine intravenöse Antibiotikabehandlung, initial mit penicillinaseresistenten Antibiotika (z. B. Clindamycin, Breitband-Cephalosporine), und dann, so bald wie möglich, angepasst an das Ergebnis des Antibiogramms.

Prognose

Der Krankheitsverlauf ist ernst und endet für mindestens jede 30. Erkrankte tödlich. Wird ein Toxinschocksyndrom frühzeitig erkannt, bestehen bei intensivmedizinischer Behandlung gute Heilungschancen. Wichtig ist, bei entsprechenden Beschwerden sofort einen Arzt oder das Krankenhaus aufzusuchen, insbesondere wenn die Beschwerden während der Periode auftreten.

Nach erfolgreicher Behandlung sollte auf die Anwendung von Tampons oder auf die verwendete Barrieremethode bei der Verhütung lebenslang verzichtet werden, da Rezidivgefahr besteht.

Ihr Apotheker empfiehlt

Prävention

  • Diaphragma nur so lange wie nötig in der Scheide lassen, nach Gebrauch gut säubern und hygienisch aufbewahren
  • Bei Verdacht oder bereits erlittenem Toxinschocksyndrom statt Tampons grundsätzlich Monatsbinden verwenden
  • Kleinstmögliche Tampon-Größe verwenden
  • Vor dem Einführen des Tampons unbedingt die Hände waschen
  • Häufiges Wechseln des Tampons (auch im Flugzeug oder auf Reisen), mindestens 4-mal täglich, das heißt spätestens nach 6 Stunden und morgens sofort nach dem Aufstehen.

Wechseljahresbeschwerden

Wechseljahresbeschwerden (Östrogenmangelsyndrom, klimakterisches Syndrom): Körperliche und psychische Beschwerden während der Wechseljahre (Klimakterium). Sie dauern meist zwischen 6 Monaten und 3 Jahren, d. h. so lange, bis sich der Körper an die neue Hormonlage gewöhnt hat. Etwa jede dritte Frau in den Wechseljahren wünscht eine Behandlung ihrer Beschwerden.

Von vorzeitigen Wechseljahren (Climacterium praecox) sprechen Mediziner bei einem Beginn des Klimakteriums vor dem 40. Lebensjahr. Werden Eierstöcke operativ entfernt oder zur Behandlung einer Krankheit funktionsunfähig gemacht, kommen auch wesentlich jüngere Frauen abrupt in die Wechseljahre. Die Beschwerden und die Behandlungsmöglichkeiten sind die gleichen wie bei "regulären" Wechseljahresbeschwerden.

Symptome und Leitbeschwerden

Nur Hitzewallungen und Schweißausbrüche lassen sich spezifisch den Wechseljahren zuordnen. Etwa 75 % der Frauen leiden darunter, ein Drittel von ihnen stark.

Folgende Beschwerden können während der Wechseljahre auftreten, müssen aber nicht:

  • Zunehmend unregelmäßige und seltenere Menstruationen
  • Stärker oder schwächer werdende Blutungen
  • Schmierblutungen kurz vor der Monatsblutung.

Wechseljahre bis Menopause:

  • Hitzewallungen, Schweißausbrüche
  • Schwindel und Herzrasen
  • Trockenheit und Jucken im Genitalbereich
  • Depressive Stimmungslage
  • Schlaflosigkeit
  • Verlust der Libido
  • Reizbarkeit und Nervosität
  • Abnehmende Leistungsfähigkeit.

Postmenopause:

  • Trockenheit im Genitalbereich und fehlendes Feuchtwerden trotz sexueller Erregung
  • Rücken- und Gelenkbeschwerden
  • Gewichtszunahme
  • Spannungen in der Brust
  • Haarausfall am Kopf
  • Eventuell Haarwuchs im Gesicht ("Damenbart").

Wann zum Frauenarzt

In den nächsten Wochen, wenn die genannten Beschwerden

  • vor dem 40. Lebensjahr auftreten.
  • eine Belastung sind.
  • nach einer längeren blutungsfreien Zeit von über 6 Monaten erneut Blutungen auftreten.

Die Erkrankung

Ursachen

Ab dem 45. Lebensjahr reifen in den Eierstöcken immer weniger Eibläschen und die Menstruationszyklen verlaufen häufig ohne Eisprung (anovulatorische Zyklen). Ohne Eisprung wird kein Gelbkörper gebildet; der Spiegel des Gelbkörperhormons (Progesteron) sinkt. Da jedoch zu diesem Zeitpunkt noch ausreichend Östrogene gebildet werden, wächst die Gebärmutterschleimhaut dennoch weiter und Monatsblutungen finden statt. Durch das Ungleichgewicht von Östrogen und Progesteron wird zu viel Schleimhaut aufgebaut, sodass es zu stärkeren Blutungen in dieser Phase kommt.

In den folgenden Jahren vermindert sich auch die Östrogenproduktion. Es kommt zu unregelmäßigeren Blutungen, die schließlich ganz ausbleiben. Die letzte Blutung wird Menopause genannt. Danach ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich. Im Durchschnitt tritt die Menopause mit 51 Jahren ein, bei einigen Frauen deutlich früher, bei anderen später. Die Menopause lässt sich nur nachträglich feststellen: Wenn die Menstruation 12 Monate ganz ausgeblieben ist, war die letzte Blutung die Menopause. Findet dieses Ereignis vor dem 40. Lebensjahr ein, liegt eine "vorzeitige Menopause" vor.

Es wird vermutet, dass der Zeitpunkt der letzten Monatsblutung erblich bedingt ist: Sie tritt bei Müttern und Töchtern etwa im gleichen Alter ein. Auch wird der Beginn der Menopause wahrscheinlich von der Zahl der Geburten beeinflusst, weshalb sie bei Frauen in Ländern mit höheren Geburtenraten durchschnittlich früher einsetzt.

Diskutiert wird auch ein Zusammenhang zwischen starkem Rauchen und früh einsetzender Menopause. Auch die Zykluslänge oder Über- und Untergewicht beeinflussen möglicherweise den Beginn. Hierzu fehlen bislang jedoch eindeutige Belege.

www.salevent.de, Michael Amarotico, München
Östrogene haben vielfältige Wirkungen auf die Organsysteme des weiblichen Körpers. Durch die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren lassen diese Wirkungen mit der Zeit nach.

Komplikationen

Während die meisten Beschwerden nach einiger Zeit wieder verschwinden, beschleunigt das Ausbleiben der Geschlechtshormone die Arteriosklerose und den Abbau von Knochengewebe (Osteoporose). Dadurch kommt es im Alter leichter zu Knochenbrüchen, am häufigsten in den Wirbeln, gleichzeitig nimmt die Körpergröße ab und die Krümmung der Wirbelsäule ändert sich. In Extremfällen spricht man vom Witwenbuckel.

Manche Quellen behaupten, dass die Wechseljahre das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöhen. Das ist zwar insofern richtig, als dass Frauen nach den Wechseljahren zwar ein höheres Herzinfarktrisiko haben, allerdings liegt der Grund höchstwahrscheinlich im zunehmenden Alter.

Wechseljahre des Mannes?

Auch wenn das immer wieder behauptet wird: Männer haben keine Wechseljahre, da der Rückgang der Geschlechtshormone sehr allmählich über 30 Jahre erfolgt und auch die Zeugungsfähigkeit, zumindest prinzipiell, lebenslang erhalten bleibt. Ein vorschnelles Nachlassen der Testosteronproduktion kommt aber gelegentlich zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr vor. Dann kann es "wechseljahresähnlichen" Beschwerden kommen.

Diagnosesicherung

Anamnese und Abstrich. Meist kann der Frauenarzt bereits aus der Beschreibung der Symptome die Diagnose Wechseljahresbeschwerden stellen. Durch die Untersuchung von Zellmaterial aus einem Scheidenabstrich erkennt der Arzt, ob bereits ein Östrogenmangel vorliegt.

Blutuntersuchung. Wenn die Beschwerden nicht ungewöhnlich für, also vor dem 40. Lebensjahr auftreten, sind Messungen der Hormonkonzentrationen im Blut nicht unbedingt notwendig. Das Ergebnis zeigt nur, ob und in welcher Phase der Wechseljahre sich die Frau befindet. Es sagt jedoch nichts darüber aus, ob sie noch schwanger werden kann und wie lange sie noch verhüten muss.

Gebärmutterspiegelung. Treten nach bereits seit mindestens 6 Monaten pausierenden Monatsblutungen wieder vaginale Blutungen auf, werden durch eine Gebärmutterspiegelung Tumoren in der Gebärmutter ausgeschlossen.

Knochendichtemessung. Mit der Messung wird eine beginnende Osteoporose erkannt, die sich aber meist erst viele Jahre nach den Wechseljahren klinisch bemerkbar macht. Sie wird vielen Frauen empfohlen, ob sie medizinisch sinnvoll ist, ist umstritten.

EKG. Bestehen Herzbeschwerden, insbesondere Herzrhythmusstörungen, sind diese vom Kardiologen oder Internisten zu klären.

Behandlung

Die Therapie von Wechseljahresbeschwerden verfolgt zwei Ziele: Zum einen will sie akute Beschwerden lindern, zum anderen den langfristigen negativen Auswirkungen auf Knochen und Gefäße vorbeugen. Bei ausgeprägten psychischen Beschwerden wird der Arzt zu einer begleitenden psychotherapeutischen Untersuchung und Behandlung raten.

Pharmakotherapie

Hormonersatztherapie. Da die Symptome vorwiegend auf einen Hormonmangel zurückzuführen sind, galt die Hormonersatztherapie (HET) mit Östrogenen jahrelang als selbstverständliche Antwort auf den Hormonrückgang während der Wechseljahre; die Therapie diente vor allem dazu, typische Wechseljahresbeschwerden zu lindern. In den 1980er-Jahren setzte sich dann die Auffassung durch, dass Hormone auch nach den Wechseljahren vor ernsthaften Erkrankungen schützen – beispielsweise vor Osteoporose, vor koronarer Herzkrankheit (KHK), aber auch vor Demenz. Schließlich nahmen immer mehr Frauen immer länger Hormone ein – auch dann, wenn sie gar keine Wechseljahresbeschwerden hatten.

Das änderte sich erst mit der Women’s Health Initiative Studie (2002). Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine längere Hormonbehandlung Alterskrankheiten nicht vorbeugt, sondern sogar das Risiko erhöht, Herzinfarkt, Schlaganfall und Thromboembolie zu bekommen.

Eine reine Östrogenbehandlung führt außerdem sehr oft zu Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut, woraus Endometrium- oder Gebärmutterkörperkrebs entstehen kann. Diese Wucherungen lassen sich verhindern, wenn zusätzlich zu Östrogenen auch Gestagene eingenommen werden. Deshalb besteht heute die Hormonersatztherapie aus einer Kombination beider Hormone. Allerdings wird auch diese Behandlung nur noch bei besonders starken Wechseljahresbeschwerden und bei vorzeitigem Eintritt der Wechseljahre empfohlen – und auch dann nur für wenige Monate. Nur bei Frauen, deren Gebärmutter entfernt wurde, ist eine alleinige Östrogenbehandlung unbedenklich.

Als Darreichungsformen stehen Tabletten, Gel, Creme, Nasenspray, Spritzen, Vaginalzäpfchen und Pflaster zur Verfügung. Frauen, die an Bluthochdruck, Gerinnungsstörungen, starkem Übergewicht, ausgeprägten Krampfadern oder Lebererkrankungen leiden, werden ebenso wie Raucherinnen nicht mit Hormonen behandelt. Hatte oder hat eine Frau bereits beispielsweise einen Brust- oder Gebärmutterkörpertumor, dürfen auch ihre Wechseljahresbeschwerden nicht mit Hormonen behandelt werden. Denn diese Krebserkrankung reagiert unter Umständen empfindlich auf Hormone.

Östrogen-Spray. Seit Juni 2016 gibt es das verschreibungspflichtige Östrogen-Spray Lenzetto®. Einmal täglich auf den Unterarm gesprüht, bildet sich in der Haut für 24 Stunden ein Wirkstoffdepot, aus dem der Wirkstoff kontinuierlich in die Blutbahn abgegeben wird. Ein Vorteil des Sprays gegenüber der oralen Einnahme ist die niedrigere Dosierung und damit die Reduzierung der Nebenwirkungen.

Künstliche Hormone. Eine Alternative zur Hormontherapie ist die Behandlung Tibolon, einem künstlichen Hormon, das ähnlich wirkt wie Östrogen oder Gestagen. Studien belegen, dass Tibolon Hitzewallungen lindert. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Schmierblutungen. Bei einer langfristigen Behandlung mit Tibolon drohen bei Frauen über 60 Jahren Schlaganfall sowie ein Wiederauftreten von Brustkrebs. In Deutschland wird Tibolon relativ selten verschrieben; in einigen Ländern wie der Schweiz ist das Medikament auch zur Vorbeugung gegen eine postmenopausale Osteoporose zugelassen.

"Bioidentische" Hormone. Seit einigen Jahren gibt es auch "bioidentische" Hormone wie Progesteron. Progesteron ist wie Östrogen ein weibliches Geschlechtshormon; es wird durch ein chemisches Umwandlungsverfahren aus der Yamswurzel gewonnen. Auch wenn die Bezeichnung "bioidentisch" etwas anderes vermuten lässt, so handelt es sich doch ebenfalls um ein chemisch hergestelltes Produkt.

Weitere Medikamente. Studien haben gezeigt, dass auch Medikamente wie Venlafaxin (gegen Depressionen) oder Gabapentin (gegen Epilepsie) gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche helfen. Allerdings sind sie in Deutschland nur als individueller Heilversuchen einsetzbar (auch off-label use genannt).

Zur Therapie der trockenen und juckenden Scheidenschleimhaut werden lokal wirksame Hormonpräparate wie Cremes, Zäpfchen oder Ringe eingesetzt. Hormonfreie Alternativen sind Pflanzenöle, Gleitmittel und Cremes, die die Scheidenschleimhaut befeuchten.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Denken Sie daran: Die Wechseljahre sind ein normaler Lebensabschnitt jeder Frau und vor allem keine Krankheit, die behandelt werden muss. Versuchen Sie, diesen Abschnitt Ihres Lebens möglichst positiv und aktiv zu gestalten. Lassen Sie es sich nicht nehmen, dieser wichtigen Lebensetappe Ihre eigene Prägung zu verleihen, die Sie mit Zufriedenheit erfüllt. Dazu gehört auch, die körperlichen Veränderungen anzunehmen und eventuellen Beschwerden möglichst keinen Krankheitswert zuzuweisen. Im Übrigen verlaufen die Wechseljahre bei jeder Frau anders und das Spektrum reicht von völliger Beschwerdefreiheit bis hin zu schweren körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen. So haben vergleichende Untersuchungen gezeigt, dass sich der eigene Lebensstil, persönliche Umstände, aber auch Kulturkreis und Herkunftsland auf die Wechseljahresbeschwerden auswirken. Folgende Tipps helfen vielen Frauen bei leichten bis mittelstarken Beschwerden:

  • Kleidung. Leiden Sie unter Hitzewallungen, kleiden Sie sich nach dem Zwiebelschalenprinzip und tragen Sie Unterwäsche aus natürlichen Materialien (z. B. Baumwolle, Seide), die auch in feuchtem Zustand noch warmhalten. Die Kleidung sollte bequem und eher weit geschnitten sein.
  • Ernährung. Setzen Sie Soja und andere Hülsenfrüchte (z. B. Erbsen, Bohnen), aber auch Haferflocken, Roggen und Weizen auf den Speiseplan, ihnen wird eine phytoöstrogene Wirkung zugeschrieben (Komplementärmedizin). Zudem gibt es Hinweise, dass der regelmäßige Verzehr dieser Nahrungsmittel Hitzewallungen reduziert.
  • Bewegung. Sportliche Aktivität mildert Hitzewallungen, lässt Sie besser schlafen, baut Stress ab, stärkt Herz und Kreislauf, beugt Übergewicht vor, baut überschüssige Pfunde ab und vermindert das Osteoporoserisiko. Am besten sind Ausdauersportarten (z. B. Walken, Radfahren, Joggen, Schwimmen). Oft ist schon viel gewonnen, wenn Sie im Alltag für mehr Bewegung sorgen, z. B. auf den Fahrstuhl verzichten, stattdessen die Treppe nehmen und/oder Besorgungen zu Fuß oder per Rad erledigen.
  • Physikalische Maßnahmen. Je nach Beschwerdebild helfen physikalische Maßnahmen, die ohne großen Aufwand auch zu Hause möglich sind. Bewährt haben sich z. B. kühle Abwaschungen oder lauwarme Halbbäder als Mittel zur schnellen Selbsthilfe bei Hitzewallungen oder erhöhter Schweißneigung; morgendliche Wechselduschen und regelmäßige Bürstenmassagen auf feuchter Haut (z. B. während des Duschens) zur Anregung des Kreislaufs oder abendliche Wechselfußbäder bei Schlafstörungen. Moorsitzbäder verbessern die Durchblutung im Genitalbereich und lindern Juckreiz. Ebenso empfehlen sich regelmäßige Saunabesuche.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Die Pflanzenheilkunde bietet eine Reihe von Heilmitteln, deren therapeutischer Nutzen bei Wechseljahresbeschwerden teilweise wissenschaftlich belegt ist. Aber auch wenn deren Nutzen noch nicht bewiesen ist, bedeutet das nicht, dass sie nicht wirksam sind. Manchmal lohnt sich ein Versuch.

Johanniskrautextrakt (Hypericum perforatum, z. B. Aristo®, Hyperforat®, Jarsin®): Für Johanniskraut ist die Wirksamkeit bei depressiven Verstimmungen nachgewiesen.

Mönchspfefferextrakt (Vitex agnus-castus, z. B. Agnolyt ®) eignet sich vor allem zur Linderung der Beschwerden am Anfang der Wechseljahre. Für eine optimale Wirkung wird die längerfristige Einnahme von standardisierten Fertigextrakten empfohlen.

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa, z. B. Remifemin®): Einige Produkte sind in Deutschland als pflanzliche Arzneimittel zugelassen. Bis jetzt fehlt jedoch der Nachweis, dass Traubensilberkerze die Wechseljahresbeschwerden lindert. Neuere Studien haben gezeigt, dass Traubensilberkerzen-Präparate nicht besser wirken als ein Placebo. Außerdem zeigte sich, dass 5 von 100 Frauen, die entsprechende Präparate einnahmen, über Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Rötungen der Haut und Schwindel klagten. Gewöhnlich verschwinden diese Beschwerden nach Absetzen der Mittel wieder. Auch schwere Nebenwirkungen wie Leberschädigungen treten gelegentlich auf. Die europäische Arzneimittelbehörde empfiehlt deshalb, das Präparat sofort abzusetzen und zum Arzt zu gehen, wenn Müdigkeit, Appetitverlust, Gelbfärbung der Augen oder der Haut, auffällig dunkler Urin sowie Oberbauchbeschwerden und Übelkeit auftreten. Außerdem wird davon abgeraten, Traubensilberkerze gleichzeitig mit Östrogenen einzunehmen. Ebenso sollten Frauen mit Brustkrebs keine Traubensilberkerze-Präparate einnehmen.

Nachtkerzenöl (Oenothera biennis) und Ginseng (Panax ginseng): Bislang ist wissenschaftlich nicht belegt, dass Nachtkerzenöl und Ginseng einen lindernden Effekt bei Hitzewallungen haben.

Dong Quai (Angelica sinensis) oder Maca (Lepidium meyenii): Für beide Präparate gibt es bisher keinen Nachweis, dass sie Wechseljahresbeschwerden lindern. Bei einigen Präparaten drohen zudem Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. So können bei gleichzeitiger Einnahme von Ginseng und gerinnungshemmenden Medikamenten wie Heparin oder Acetylsalicylsäure Blutungen auftreten.

Kava Kava (Piper methysticum, Rauschpfeffer): In Deutschland haben Zulassungsbehörden entsprechende Präparate vom Markt genommen, da allergische Reaktionen, Hautprobleme, Leberschäden und Nervenbeschwerden auftraten.

Phytoöstrogene. Sie gelten als "sanfte" Alternative zur Hormonersatztherapie. Phytoöstrogene wirken wie körpereigene Hormone – allerdings leicht abgeschwächt. Soja und Rotklee enthalten Isoflavone, pflanzliche Inhaltsstoffe, die auch als Phytoöstrogene bezeichnet werden, da ihre chemische Struktur dem menschlichen Hormon Östrogen ähnelt und daher auch eine hormonähnliche Wirkung entfalten. In Deutschland sind die Substanzen nur als Nahrungsergänzungsmittel oder diätetische Lebensmittel zugelassen und nicht als Arzneimittel. Aus diesem Grund ist es auch kompliziert, Nutzen und Risiken von Phytoöstrogenen zu bewerten.

Soja: Ein therapeutischer Nutzen von Sojapräparaten, der die Wirkung eines Scheinmedikamentes (Placebo) übertrifft, wurde bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Zwar scheinen Soja-Isoflavone bei einigen Frauen die Stärke und Häufigkeit von Hitzewallungen zu verringern, aber diese Wirkung verdankt sich höchstwahrscheinlich den Erwartungen der Frauen. Eine kurzfristige Einnahme von Soja-Isoflavonen scheint unbedenklich, bei längerer Einnahme und hoher Dosierung schließen Ärzte Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden nicht aus. Bedenklich ist vor allem eine Häufung von östrogenabhängigen Krankheiten wie Brustdrüsen- oder Gebärmutterkrebs, die zumindest droht, wenn die Soja-Präparate höherdosiert und längere Zeit angewendet werden. Deshalb wird empfohlen, Präparate mit Soja-Isoflavonen längstens 10 Monate in einer Maximaldosis von 100 mg pro Tag einzunehmen. Sind östrogenabhängige Krankheiten im Familienumfeld bekannt, zum Beispiel Brustdrüsen- oder Gebärmutterkrebs, sollte auf Phytoöstrogene grundsätzlich verzichtet werden.

Rotklee (Trifolium pratense, z. B. Menoflavon®): Rotkleepräparate enthalten ebenfalls Isoflavone, die im Körper ähnlich wirken wie Östrogene. Ein therapeutischer Nutzen gegen Hitzewallungen oder Schweißausbrüche wurde bisher noch nicht nachgewiesen. Eventuelle Nebenwirkungen von Rotklee sind bislang kaum erforscht.

Rhapontik-Rhabarber (Rheum rhaponticum z. B. Phytoestrol® N). Seit Kurzem steht mit einem Trockenextrakt aus den Wurzeln des Rhapontik-Rhabarbers ein weiteres pflanzliches Mittel zur Verfügung, das die gleichen Hormonwirkungen wie künstlich hergestellte (synthetische) Östrogene haben soll. Er soll vor allem bei Hitzewallungen, Depressionen oder Ängstlichkeit helfen. Abgesehen davon, dass seine Wirksamkeit derzeit noch nicht ausreichend belegt ist, sind Nebenwirkungen wie bei der konventionellen Hormonersatztherapie zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht auszuschließen, und das Präparat wird deshalb (noch) nicht empfohlen.

Teemischungen. Zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden haben sich verschiedene Teemischungen bewährt, z. B. aus Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), Schafgarbe (Achillea millefolium) und Salbei (Salvia officinalis), sowie Tees zur gezielten Milderung von einzelnen Symptomen, z. B. mit Johanniskraut (Hypericum perforatorum) zur Stimmungsaufhellung, Hopfenblüten (Humulus lupulus), Baldrian (Valeriana officinalis) und Melisse (Melissa officinalis) gegen Schlafstörungen, Salbei (Salvia officinalis) bei vermehrter Schweißneigung und Weißdorn (Crataegus) bei nervös bedingten Herzbeschwerden.

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt z. B. Pulsatilla, Sepia, Belladonna und Cimicifuga. Daneben bietet sie fertig zubereitete Komplexmittel (z. B. Cimicifuga Pentarkan®).

Entspannungsverfahren. Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga und Autogenes Training aber auch Yoga, Achtsamkeitstraining und Massagen helfen – regelmäßig angewendet – Spannungen und nervöse Unruhezustände abzubauen, verbessern das Körpergefühl und fördern psychische Ausgeglichenheit. Darüber hinaus wirken sich Entspannungsübungen offenbar positiv auf Hitzewallungen aus. Es braucht aber 2–3 Monate, bis eine solche Entspannungstechnik wirkt.

Beckenbodentraining. Bei Blasenschwäche und Inkontinenz hat sich regelmäßiges Beckenbodentraining bewährt.

Akupunktur und Elektroakupunktur. Die beiden Verfahren Akupunktur und Elektroakupunktur lindern Hitzewallungen und andere Wechseljahresbeschwerden; eine zumindest vorübergehende Verbesserung ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen.

Prävention

Orthomolekularmedizin. Die Orthomolekularmedizin nennt Vitamin E zur Verringerung von Hitzewallungen; ein wissenschaftlicher Nachweis steht aber noch aus. Gesichert ist dagegen der vorbeugende Effekt einer regelmäßigen ausreichenden Kalziumaufnahme gegen Osteoporose. Kalziumreiche Lebensmittel sind beispielsweise Frischmilch, Käse und andere Milchprodukte.

Gesunder Lebensstil. Reduzieren Sie Ihren Nikotin-, Kaffee- und Alkoholkonsum oder hören Sie ganz damit auf – aber verbieten Sie sich nichts! In Maßen ist alles erlaubt.

Weiterführende Informationen

  • www.gut-durch-die-wechseljahre.de – Kommerzielle, aber sehr informative Internetseite aus Berlin: Mit Diskussionsforum, vielen Selbsthilfetipps und kostenloser Broschüre zum Herunterladen (Rubrik Broschüren).
  • M. Kiechle: Wechseljahre als Chance. Droemer Knaur, 2003. Fachärztlicher Ratgeber mit ausführlichen Informationen und praxisnahen Tipps zu alternativen Medikamenten und Therapien.
  • Verbraucher Zentrale NRW (Hrsg., 2003): Wechseljahre. Was Frauen wissen sollten. Neben allen medizinischen Informationen und Alternativtherapien gibt es Tipps zu Ernährung und Lebensstil sowie einen Blick in andere Kulturen.

Zyklusstörungen und Monatsblutungsstörungen

Zyklusstörungen (dysfunktionelle Blutungen): Vom Normalverlauf abweichender Monatszyklus wie Ausbleiben der Monatsblutung, verlängerter Menstruationszyklus, verkürzter Menstruationszyklus, Schmierblutungen und Zwischenblutungen.

Monatsblutungsstörungen (Menstruationsstörungen): Vom Normalverlauf abweichende Monatsblutung wie verstärkte, abgeschwächte und verlängerte Monatsblutung.

Die überwiegende Zahl der Frauen ist in (mindestens) einer Lebensphase von diesen Störungen betroffen. Der Behandlungsbedarf ergibt sich aus den Beschwerden oder einer mit der Zyklusstörung verbundenen Unfruchtbarkeit.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Ausbleiben der Blutung
  • Längerer oder kürzerer Zyklus als normal
  • Schmier- oder Zwischenblutungen.

Wann zum Frauenarzt

In den nächsten Wochen, wenn

  • die Monatsblutung plötzlich ohne erkennbare Ursache ausbleibt und ein selbst durchgeführter Schwangerschaftstest negativ ausgefallen ist.
  • erstmals Schmierblutungen auftreten.
  • die Monatsblutung so häufig und unregelmäßig kommt, dass kein Rhythmus mehr erkennbar ist.
  • unregelmäßige Zwischenblutungen auftreten.
  • die Blutungen zu schwach sind und ein unerfüllter Kinderwunsch besteht.

In den nächsten Tagen, wenn

  • die Blutung wiederholt übermäßig stark ist oder länger dauert als normalerweise.
  • die Blutungen ausbleiben, nachdem sie eine Zeit lang regelmäßig waren.

Die Erkrankung

Nach ihrem zeitlichen Auftreten unterscheidet man Vor- und Nachblutungen sowie Zwischenblutungen. Je nach Ursache handelt es sich einerseits um hormonell bedingte (dysfunktionelle) Blutungen (Ovulationsblutung), andererseits um organisch bedingte Zusatzblutungen beispielsweise bei Schleimhautpolypen oder Endometritis. Myome und die Endometriose der Gebärmuttermuskulatur sorgen eher für verstärkte und/oder verlängerte Blutungen. Zusatzblutungen sind auch Anzeichen für ein Zervix- oder Endometriumkarzinom.

Im Einzelnen unterscheidet der Mediziner folgende Störungen der Blutungen:

Zyklusstörungen = gestörte Blutungsfrequenz

Ausbleiben der Monatsblutung (Amenorrhö). Länger als 3 Monate ausbleibende Blutung, ohne dass eine Schwangerschaft besteht. Kommt es während der Pubertät oder bis nach dem 16. Geburtstag zu keiner Blutung, spricht man von primärer Amenorrhö. Bleibt sie dagegen über 6 Monate oder öfter als dreimal hintereinander aus, nachdem schon ein normaler Zyklus bestanden hat, ist dies eine sekundäre Amenorrhö.

Verlängerter Menstruationszyklus (Oligomenorrhö). Länger als 35 Tage dauernder Menstruationszyklus. Diese Form wird auch als zu seltene Regelblutung bezeichnet. Die Blutung kommt seltener, Stärke und Dauer sind aber normal. Die Blutungen finden in Abständen von 6–12 Wochen statt (normaler Zyklus: 28 +/− 3 Tage). Behandlungsbedürftig ist der verlängerte Menstruationszyklus normalerweise nur bei bestehendem Kinderwunsch.

Verkürzter Menstruationszyklus (Polymenorrhö). Weniger als 25 Tage dauernder Menstruationszyklus. Die Blutung kommt zu häufig, ist aber von normaler Stärke und Dauer. Verkürzte Menstruationszyklen treten vorwiegend bei Frauen über 35 Jahren auf. Die Störung wird dann behandelt, wenn die häufigen Blutungen für die Frau belastend sind oder der Blutverlust zu hoch ist. Da insbesondere bei älteren Frauen häufige Blutungen auch auf einen Tumor hinweisen, sollte ein plötzlich auftretender verkürzter Menstruationszyklus immer vom Arzt geklärt werden.

Schmierblutung (Spotting, Zusatzblutungen). Zusätzlich zur regelmäßigen Monatsblutung auftretende leichte Zwischenblutung. Schmierblutungen dauern 1–2 Tage und treten direkt vor der Monatsblutung (prämenstruelle Blutung) auf oder danach (postmenstruelle Blutung). Schmierblutungen in der Zyklusmitte kurz vor dem Eisprung werden auch als Mittelblutung (mittelzyklische Blutung) bezeichnet. Die Zusatzblutungen sind harmlos, solange sie regelmäßig und zyklusabhängig erscheinen. Eine Behandlung ist dann nicht erforderlich.

Zwischenblutung (Metrorrhagie, dysfunktionelle Dauerblutung, azyklische Dauerblutung). Unregelmäßige Dauerblutung länger als 7 Tage, die keinen Zyklus mehr erkennen lässt. Sie tritt besonders häufig in der Pubertät und im Klimakterium auf sowie bei Entzündung der Gebärmutterschleimhaut und bei verschiedenen Tumoren.

Monatsblutungsstörungen = gestörte Blutungsstärke

Verstärkte Monatsblutung (Hypermenorrhö). Starke Blutung mit einem Blutverlust von 80 Millilitern und mehr. Benötigt werden mehr als 6 Vorlagen oder Tampons täglich oder mehr als 20 Binden oder Tampons während der gesamten Blutung über mehrere Tage hinweg. Häufig gehen mit dem Menstruationsblut auch größere Gerinnsel (Koagel) ab. Einmalig verstärkte Blutungen sind normalerweise harmlos. Bleiben sie jedoch über mehrere Zyklen sehr stark, ist die fachärztliche Abklärung notwendig. Der regelmäßige zusätzliche Blutverlust führt über Monate und Jahre zu Müdigkeit und einer Eisenmangelanämie.

Abgeschwächte Monatsblutung (Hypomenorrhö). Verminderte Blutung, bei der weniger als 2 Vorlagen oder Tampons täglich benötigt werden. Die abgeschwächte Monatsblutung ist zu leicht und von zu kurzer Dauer. Meist ist sie Zeichen einer nachlassenden Funktion der Eierstöcke zur Zeit der Wechseljahre: Die Eierstöcke produzieren geringere Mengen an Östrogen. Folglich wird die Gebärmutterschleimhaut weniger stark aufgebaut, sodass in der Blutungsphase auch nur wenig abblutet.

Verlängerte Monatsblutung (Menorrhagie). Länger als 6 Tage dauernde Monatsblutung bei normaler Zykluslänge. Dies kann Zeichen einer bestehenden Gerinnungsstörung sein oder auf Gebärmuttertumoren hinweisen, die das Zusammenziehen der Gebärmutter behindern. Eine verlängerte Monatsblutung muss vom Arzt geklärt werden.

Hinweis: Bei Zyklusstörungen sind natürliche Verhütungsmethoden wie Kondome oder Temperaturmessung nicht sicher.

www.salevent.de, Michael Amarotico, München
Störungen der Monatsblutung und Zyklusstörungen werden nach Stärke, Dauer und dem Zeitpunkt der Blutung eingeteilt.

Ursachen

Zyklusstörungen

  • Ausbleiben der Monatsblutung (Amenorrhö): Manchmal sind innere Erkrankungen, genitale Fehlbildungen, eine verzögerte Pubertät oder die Einnahme von Medikamenten, z. B. Psychopharmaka, die Ursache. Weit häufiger wird sie jedoch durch körperliche, psychische oder soziale Belastungen hervorgerufen, die dann zu Veränderungen in der hormonellen Steuerung des Zyklus führen.
  • Verlängerte Menstruationszyklen (Oligomenorrhö) kommen beispielsweise häufig nach dem Absetzen der "Pille" vor oder vor Beginn der Wechseljahre. Darüber hinaus führt eine unzureichende Follikelreifung dazu, dass der Eisprung verspätet oder gar nicht stattfindet und sich die Blutung entsprechend verzögert.
  • Verkürzte Menstruationszyklen (Polymenorrhö): Ursache ist meist ein hormonelles Ungleichgewicht.
  • Schmierblutungen (Spotting, Zusatzblutung) werden verursacht durch Störungen des hormonellen Zyklus oder durch Entzündungen und Tumoren und sollten immer ärztlich geklärt werden.
  • Zwischenblutung (Metrorrhagie, dysfunktionelle Dauerblutung, azyklische Dauerblutung): Starke Zwischenblutungen sind häufig organisch bedingt und bedürfen daher immer einer fachärztlichen Abklärung. Seltener treten Zwischenblutungen als Nebenwirkung einer Spirale oder eines Intrauterinpessars auf.

Monatsblutungsstörungen

  • Verstärkte Monatsblutung (Hypermenorrhö): Neben hormonellen Ursachen führen chronische Entzündungen und Tumoren der Gebärmutter sowie Gerinnungsstörungen zu einer verstärkten Monatsblutung.
  • Abgeschwächte Monatsblutung (Hypomenorrrhö): Abgesehen von Schwangerschaft, Stillzeit und der Zeit nach den Wechseljahren sind seelische und körperliche Stresssituationen wie Diäten, Leistungssport, Fernreisen und Krankheiten wie Magersucht oder Depressionen die häufigsten Gründe für Blutungsstörungen. Der Körper der Frau "schützt" sich so vor einer möglichen Schwangerschaft, die er zurzeit nicht verkraften könnte. Bei jüngeren Frauen kann es nach einer Entzündung der Gebärmutterschleimhaut dazu kommen, dass die Schleimhaut nur gering aufgebaut wird und die folgende Blutung abgeschwächt ist.
  • Verlängerte Monatsblutung (Menorrhagie): Am häufigsten liegen hierbei Kontraktionsstörungen der glatten Muskulatur der Gebärmutter vor, die dazu führen, dass sich die Gebärmuttermuskulatur während der Menstruation nicht richtig zusammenzieht. Ebenso verursacht ein Intrauterinpessar eine Menorrhagie. Häufig tritt die Menorrhagie kombiniert mit einer Hypermenorrhö auf.

Diagnosesicherung

Primäre Amenorrhö: Bei der gynäkologischen Untersuchung und einem Kontrastmittelultraschall sieht der Arzt, ob Fehlbildungen im weiblichen Genitaltrakt ein Abfließen des Menstruationsblutes verhindern. Zur Aufdeckung hormoneller Fehlregulationen werden durch eine Blutuntersuchung die Spiegel der Geschlechtshormone sowie des Steuerhormons GnRH bestimmt.

Verlängerter oder verkürzter Menstruationszyklus (Oligomenorrhö oder Polymenorrhö): Anhand von Blut- und Urinuntersuchungen bestimmt der Arzt, ob ein hormonelles Ungleichgewicht besteht und ob es einen Eisprung gibt.

Verstärkte Monatsblutung (Hypermenorrhö): Der Arzt sucht per Ultraschall und Gebärmutterspiegelung nach Myomen, Polypen oder Tumoren in der Gebärmutter und nach anderen Blutungsquellen. Der beste Zeitpunkt für diese Untersuchung ist in der 1. Zyklushälfte. Zur Diagnostik von Gerinnungsstörungen dienen Bluttests.

Abgeschwächte Monatsblutung (Hypomenorrhö): Mit dem Vaginalultraschall misst der Arzt den zyklusabhängigen Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und stellt fest, ob er ausreichend ist, damit sich ein befruchtetes Ei einnisten kann. Lässt die Monatsblutung kurz vor den Wechseljahren deutlich nach, wird dies durch die physiologische Verminderung der Hormonproduktion in den Eierstöcken verursacht. Eine Behandlung ist dann nicht notwendig.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Die wenigsten Frauen haben immer einen exakt gleichen Menstruationszyklus. Wenn Ihre Regelblutung einmal nach 25 und einmal nach 31 Tagen kommt, besteht kein Anlass zur Sorge. Der heutige Lebensstil mit unregelmäßigen Arbeitszeiten und häufigen, anstrengenden (Flug-)Reisen stört den Rhythmus vieler Frauen. Auch Schicht- und Nachtarbeit, ein auskurierter grippaler Infekt oder stark kalorienreduzierte Diäten bringen das Zusammenspiel der Hormone durcheinander, sodass der Menstruationszyklus stark schwankt. Ein weniger bekannter Störfaktor tritt dann auf, wenn nach monatelanger Pause die sexuelle Aktivität wieder aufgenommen wird; manchmal wird dadurch sogar ein Eisprung ausgelöst. Viele Frauen sind so während des letzten Kriegs in den kurzen Fronturlauben ihrer Männer unerwartet schwanger geworden.

Lebensrhythmus. Viele Frauen wünschen sich einen möglichst immer gleichen Abstand zwischen den Monatsblutungen. Die beste "Medizin" für einen solchen gleichmäßigen Zyklus ist ein geregeltes Leben – ohne Urlaube, ohne Job- oder Partnerwechsel usw. Aber das Leben funktioniert so leider meistens nicht. Auch ist es gar nicht wichtig, ob Ihre Tage "pünktlich" kommen. Wichtig ist, dass Sie die Faktoren kennen, die das Eintreffen Ihrer Menstruation beeinflussen. Wichtig: Bei einem unregelmäßigen Zyklus, aber beschwerdefreier Menstruation sollten Sie bedenken, dass natürliche Verhütungsmethoden problematisch sind.

Zykluskalender. Führen Sie einen Zyklus- und Menstruationskalender. Dazu reicht ein scheckkartengroßer Jahreskalender. In vielen Arztpraxen liegen solche kleinen Zykluskalender zum Mitnehmen aus. Er dient auch als Vorbereitung auf das Arztgespräch.

Fußbad. Bei abgeschwächten Blutungen hilft oft in der Woche vor der erwarteten Menstruation ein tägliches ansteigendes Fußbad. Stellen Sie hierfür beide Füße in eine mit warmem Wasser (etwa 33 °C) gefüllte Wanne und gießen Sie in den nächsten 15 Minuten immer wieder heißes Wasser nach – die Temperatur sollte 40 °C nicht übersteigen.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Die therapeutische Wirksamkeit von Mönchspfefferextrakt (Keulschlamm) zur Behandlung von Zyklusstörungen ist nicht ausreichend nachgewiesen. Daher werden die entsprechenden Präparate als "wenig geeignet" beurteilt. Sie sind also vielleicht einen Versuch wert, aber allzu hohe Erwartungen sollten Sie nicht haben.

Teezubereitungen. Ein Tee aus Taubnessel (Lamium album) hilft v. a. bei unregelmäßigen Menstruationszyklen. Auch Teemischungen aus Johanniskraut (Hypericum perforatorum) und Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) wird ein blutungsfördernder Effekt zugeschrieben. Schafgarbe (Achillea millefolia) soll insbesondere bei verstärkter oder verlängerter Menstruation helfen.

Entspannungsverfahren. Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Autogenes Training oder Yoga sind nicht nur zum Abbau von Stress geeignet, sondern wirken auch positiv auf das Hormonsystem. Wichtig ist, die Übungen regelmäßig durchzuführen. Es braucht aber 2–3 Monate, bis eine solche Entspannungstechnik wirkt.

Akupunktur. V. a. bei einem verkürzten oder verlängerten Menstruationszyklus hat sich die Akupunktur bewährt.

Homöopathie. Gleiches gilt für die Homöopathie, die eine individuell abgestimmte Konstitutionsbehandlung empfiehlt.

Ärztliche Behandlung

Primäre Amenorrhö. Eine Heilung und damit auch die Herstellung der Fruchtbarkeit ist nicht immer möglich, gelingt aber oft durch die Einnahme von Hormonen oder Steuerhormonen.

Sekundäre Amenorrhö. Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Krankheit. Bleibt die Menstruation aufgrund einer Depression oder einer Magersucht aus, verschreiben Ärzte oft Hormone. Untersuchungen haben gezeigt, dass es den betroffenen Frauen mit dem Einsetzen der Menstruation wieder besser geht und damit die Therapie beschleunigt wird.

Verlängerter Menstruationszyklus. Verlängerte Zyklen werden nur dann behandelt, wenn die Frau sich durch den unregelmäßigen Zyklus beeinträchtigt fühlt – und zwar mit der "Pille". Durch den 21-tägigen Einnahmezyklus und der anschließenden 7-tägigen Pause wird dem Körper ein Rhythmus aufgezwungen.

Verkürzter Menstruationszyklus. Bei zu häufigen oder unregelmäßigen Blutungen müssen Polypen und andere Tumoren in der Gebärmutter ausgeschlossen werden. Dazu kann auch eine Ausschabung notwendig sein.

Abgeschwächte Monatsblutung. Prinzipiell ist sie nur behandlungsbedürftig, wenn ein unerfüllter Kinderwunsch besteht.

Verstärkte Monatsblutung. Die Entfernung der Gebärmutterschleimhaut (Thermoablation der Uterusschleimhaut, Abrasio, Myomektomie) oder der Gebärmutter (Hysterektomie) wird Frauen empfohlen, die unter heftigen und lange dauernden Regelblutungen sehr stark leiden oder die in der Folge eine Anämie (Blutarmut) haben. Die Kombination der Gebärmutterspiegelung mit einer Ausschabung ermöglicht es, in der Spiegelung entdeckte Polypen oder Myome sofort zu entfernen. Operative Verfahren sollten allerdings erst in Betracht gezogen werden, wenn eine medikamentöse Behandlung die Beschwerden nicht ausreichend lindert.

Weiterführende Informationen

  • Im Internet sind brauchbare und ausgewogene Informationen zu Menstruation, Zyklus- und Menstruationsbeschwerden leider rar. Wir konnten uns zu keiner Empfehlung entschließen.
  • Für Buchtipps vgl. auch die allgemeinen Frauengesundheitsbücher
  • T. Kreitman et al.: Problemlos durch die Tage. Was Mädchen über die Periode wissen möchten. Ueberreuther, 2002. Jugendratgeber mit vielen Selbsthilfetipps bei Menstruationsbeschwerden. Nicht nur für Jugendliche.
  • J. Becket (Hrsg.): Rubinrote Zeit – Beginn der Menstruation. Diametric, 2006. Frauen aus vier Generationen erzählen über den Beginn ihrer Monatsblutung. Keine medizinische Fachinformation, dafür aber Einblicke in ein sich stark wandelndes Selbstverständnis.

Östrogenmangel-Kolpitis

Östrogenmangel-Kolpitis (Kolpitis senilis, atrophische Kolpitis): Akute Scheidenentzündung in und nach den Wechseljahren aufgrund des nicht mehr vollständigen Aufbaus der Scheidenschleimhaut und der daraus resultierenden verringerten Abwehrkraft mit der Folge gehäufter Infektionen durch Bakterien und Pilze.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Trockenheit und starker Juckreiz in der Vagina
  • Vermehrter Ausfluss, bei bakterieller Mitbeteiligung mit verändertem Geruch oder veränderter Konsistenz
  • Brennender, wundartiger Schmerz im Scheideninneren
  • Rötung und Schwellung der Schamlippen
  • Fehlendes Feuchtwerden der Scheide bei sexueller Erregung sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Evtl. leichte Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr.

Wann zum Frauenarzt

In der nächsten Woche, wenn

  • die genannten Beschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Normalerweise sorgt das Hormon Östrogen dafür, dass die Schleimhaut der Scheide gesund und feucht bleibt. In den Wechseljahren stellen Eierstöcke zunehmend ihre Funktion ein, wodurch auch die Produktion der körpereigenen Geschlechtshormone abnimmt – es kommt zu einem Östrogenmangel. In der Folge werden Scheide, Eierstöcke und Gebärmutter weniger durchblutet, die Scheidenwände werden allmählich dünner, weniger elastisch und geben weniger Sekret ab. Zusätzlich wird kein Glykogen mehr eingelagert, das für die "guten" Milchsäurebakterien wichtig ist. Der pH-Wert wird alkalischer, die Scheide verliert ihren natürlichen Säureschutz gegen schädliche Keime und wird anfälliger für Infektionen.

Die Östrogenmangel-Kolpitis beginnt als nicht infektiöse Scheidenentzündung. Bakterien oder Pilze sind zunächst also nicht die primäre Ursache, besiedeln aber oft im weiteren Verlauf die entzündete Scheidenschleimhaut.

Ursache

Mögliche Gründe für einen Östrogenmangel:

  • Menopause und Postmenopause
  • Operative Entfernung von beiden Eierstöcken
  • Östrogenspiegel senkende Medikamente gegen Endometriose oder Myome der Gebärmutter
  • Strahlentherapie der Beckenregion
  • Gelegentlich nach der Geburt und in der Stillzeit.

Diagnosesicherung

Mikroskopische Untersuchung. Farbe, Geruch und Beschaffenheit des Ausflusses sowie die mikroskopische Untersuchung des Scheidensekrets liefern Hinweise auf das Vorhandensein und die Art eines Erregers.

pH-Wert-Messung. Bei der Östrogenmangel-Kolpitis erhöht sich der pH-Wert des Scheidenmilieus. Idealerweise liegt er zwischen 3,8 und 4,4. Ist er höher, wird der natürliche Säureschutz gegen Keime (Bakterien, Pilze und Viren) aufgehoben und die Scheide so anfälliger für Infektionen.

Blutuntersuchung. Sie gibt Auskunft über den Hormonspiegel im Blut und zeigt, ob ein Östrogenmangel vorliegt.

Behandlung

Mit antimykotischen (gegen Pilze) oder antibiotischen (gegen Bakterien) Salben oder Vaginaltabletten lassen sich die Infektionen meist schnell und effektiv behandeln. Bei sehr hartnäckigen Infektionen ist eine orale Einnahme von Antimykotika oder Antibiotika notwendig. Um eine Ausweitung der Entzündung auf Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke zu verhindern, sollte die Therapie so rasch wie möglich begonnen werden.

Erstes Ziel sollte sein, das Scheidenmilieu wieder zu verbessern. Dazu stehen Präparate mit Döderlein-Bakterien (z. B Vagiflor®) zur Verfügung. Eine äußerlich anzuwendende östrogenhaltige Salbe (z. B. Linoladiol®, OeKolp®) baut die Scheidenschleimhaut wieder auf und lindert den Juckreiz.

Hinweis: Die lokale Anwendung östrogenhaltiger Salbe hat wegen der sehr geringen Dosis für den Gesamtorganismus keine Langzeitnebenwirkungen wie die Einnahme von Östrogenen in Tablettenform.

Prognose

Die Prognose bei Östrogenmangel-Kolpitis ist in der Regel gut. Wiederkehrende Infektionen sind jedoch relativ häufig.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Eine Selbsthilfe sollte die ärztliche Behandlung nicht ersetzen, sondern begleiten und weiterführen. Als Maßnahmen werden empfohlen:

  • Unterwäsche aus Baumwolle, die bei 90 °C waschbar ist, um Erreger abzutöten und eine erneute Infektion zu verhindern
  • Gleitgel auf Wasser- oder Glyzerinbasis zur Vermeidung von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Regelmäßiger Geschlechtsverkehr zur Verbesserung der Scheidendurchblutung
  • Vermeiden von übertriebener Genitalhygiene, da der Gebrauch von Seifen aller Art, Intimlotionen oder -sprays die Scheidenflora schädigt oder zerstört.

Komplementärmedizin

Moorbäder. Sie fördern die Durchblutung und Widerstandsfähigkeit der Scheide und wirken entzündungshemmend. Nehmen Sie bis zu dreimal wöchentlich ein Vollbad (ca. 36–38 °C), in das Sie etwa 150–200 ml eines fertigen Moorpräparates aus der Apotheke geben. Legen Sie sich eine viertel Stunde in das Bad und ruhen danach mindestens eine halbe Stunde.

Sitzbad. Mischen Sie zwei Teile Frauenmantelkraut mit zwei Teilen Calendula-Blüten, zwei Teilen Weiße Taubnessel und einem Teil Schafgarben-Blüten (alles aus der Apotheke). Kochen Sie von dieser Mischung zwei Hände voll mit einem Liter Wasser auf. Den abgeseihten Tee geben Sie dann in das Badewasser. Legen Sie sich eine viertel Stunde in das Bad und ruhen danach mindestens eine halbe Stunde.

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Meist kommt er im zweiten Lebenshalbjahr: der erste Babyschnupfen. Für den Säugling ist eine verstopfte Nase dabei eine echte Herausforderung. Die Atmung ist erschwert, Trinken und Schlafen sind kaum noch möglich.   mehr

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Im Zweifelsfall Apotheker fragen

Hitze verändert die Wirkung einiger Medikamente. Damit noch nicht abgelaufene Medikamente auch im Sommer verwendet werden können, ist die richtige Lagerung wichtig.    mehr

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Was wirklich hilft

Nachts wachliegen, tagsüber im Halbschlaf dämmern – bei Schlaflosigkeit leidet die Lebensqualität oft erheblich. Abhilfe versprechen neben synthetischen Schlafmitteln, wie zum Beispiel den sogenannten Z-Substanzen, auch viele pflanzliche Produkte. Doch wirken diese auch?   mehr

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Rose, Zitrone, (Gewürz)nelke

Covid-19 attackiert nicht nur die Lunge, sondern auch die Nase. Viele Patient*innen können noch Monate nach der Erkrankung nicht richtig riechen. Doch mit dem geeigneten Training erholt sich das Riechorgan meist wieder vollständig.   mehr

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Antibiotikumsaft mit Löffel

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Ratgeber

Lippenherpes lässt sich bezwingen

Lippenherpes lässt sich bezwingen

Mit Creme, Patch oder Hitze

Lippenherpes juckt, schmerzt und ist mit seinen gelblichen Krusten alles andere als eine Zierde. Häufig taucht er gerade dann auf, wenn man ihn am allerwenigstens gebrauchen kann. Zum Glück gibt es gegen die üblen Fieberbläschen inzwischen viele Gegenmittel. Wer sie frühzeitig einsetzt, hat gute Chance, den Herpes im Zaum zu halten.

Lebenslange Untermieter

Herpes-simplex-Viren (HSV) sind weit verbreitet. Am häufigsten kommt der Typ HSV-1 vor: Neun von zehn Erwachsenen tragen ihn in sich. Die meisten stecken sich damit schon in der frühen Kindheit an. Das Virus gelangt dabei über Körperflüssigkeiten wie Speichel oder Nasensekrete zunächst auf die Schleimhaut oder wird eingeatmet. Von dort erreicht es dann die Blutbahn. Nach dieser ersten, oft unbemerkten Infektion ziehen sich die Viren in bestimmte Nervenzellen (Ganglienzellen) zurück und bleiben lebenslang im Körper. Werden die „schlafenden“ Viren allerdings durch Stress oder andere Faktoren reaktiviert, wandern sie die Nervenbahnen entlang und lösen Geschwüre und Bläschen an der Haut aus.

Besonders häufig sitzen die Herpesviren in den Ganglienzellen des Nervus trigeminus. Dieser innerviert die Gesichtshaut, die Lippen und die Mundschleimhaut. Werden die Viren reaktiviert, kommt es in diesen Gebieten zu Symptomen. Am allerhäufigsten betroffen sind dabei die Lippen und der Bereich um den Mund herum. Im Volksmund nennt man die dann auftretenden kleinen schmerzhaften Geschwüre Fieberbläschen. Fachleute sprechen von einem Herpes labialis, wenn er an den Lippen oder im Mund sitzt, vom Herpes nasalis, wenn er die Nase befällt.

Fieberbläschen kündigen sich oft durch Brennen, Kribbeln oder Jucken an. Innerhalb weniger Stunden blüht der Herpes auf: Es entwickelt sich ein münzgroßer, geröteter Herd mit kleinen Blasen. Diese sind prall gefüllt mit HSV. Nach wenigen Tagen platzen sie und trocknen schließlich aus. Dabei bilden sich höchst schmerzhafte Krusten. Nach acht bis zehn Tagen ist die Wunde abgeheilt, und die Haut sieht wieder so aus wie vorher. Dummerweise bleibt es meist nicht bei der einen Attacke. Bei vielen Menschen, die das HSV in sich tragen, kommt das Fieberbläschen immer wieder. Oft an der gleichen Stelle, manchmal auch in anderen Bereichen des Mundes oder an der Nase.

In manchen Fällen bleibt es bei der Reaktivierung nicht beim harmlosen Fieberbläschen. Vor allem bei immungeschwächten Patient*innen und Neugeborenen drohen Komplikationen. Das Virus kann sich im gesamten Körper ausbreiten und das zentrale Nervensystem, die Lunge und die Leber infizieren. Atemnot, Fieber und Krampfanfälle sind nur einige der lebensbedrohlichen Folgen.

Hinweis: Manchmal kommt es durch die Reaktivierung von HSV-1 zu einer Augeninfektion. Dabei sind v.a. die Hornhaut und die Bindehaut betroffen. Bemerkbar macht sich der Augenherpes durch Rötung, Schmerzen, Juckreiz und Fremdkörpergefühl im Auge.

Was HSV aus seiner Zelle lockt

Fast alle Menschen sind mit HSV-1 infiziert. Doch nicht alle leiden unter Fieberbläschen. Das liegt daran, dass das Virus reaktiviert werden muss, bevor es aus den Nervenzellen auswandert und an der Haut zu Beschwerden führt. Provokationsfaktoren oder Trigger gibt es zahlreiche:

  • UV-Strahlung der Sonne (eine andere Bezeichnung für den Herpes labialis ist auch der „Gletscherbrand“ durch starke UV-Strahlen im Gebirge)
  • Fieber und Infektionskrankheiten
  • Hormonumstellungen (z.B. bei der Menstruation)
  • psychische Faktoren wie Stress, Ekel oder Traumata

Hinweis: Wer sehr häufig oder jeweils sehr lange unter Fieberbläschen leidet, sollte dies ärztlich abklären lassen. Dahinter kann eine Immunschwäche stecken.

Beschwerden mit Cremes und Gelen lindern

Das traditionelle Fieberbläschen ist nicht gefährlich, aber überaus lästig. Zum Glück gibt es inzwischen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Besonders häufig werden spezielle Cremes eingesetzt.

Antivirale Cremes. Diese Cremes enthalten ein Virostatikum, das die Vermehrung der Viren stoppt. Trägt man sie schon beim ersten Kribbeln auf, bilden sich manchmal erst gar keine Bläschen aus. Ansonsten kann der Wirkstoff helfen, dass das Bläschen schneller abheilt und weniger schmerzt. Die Cremes sollten so früh wie möglich und dann alle drei bis vier Stunden eingesetzt werden. Für das Virostatikum Aciclovir gibt es keine Alterseinschränkung. Penciclovir darf erst ab einem Alter von zwölf Jahren angewendet werden. Aciclovir steht auch in Kombination mit antientzündlichem Hydrokortison zur Verfügung. Die Kombination soll die Symptome schneller lindern und die Wundheilung beschleunigen.

Zink. Zink soll auf Herpesviren ebenfalls einen hemmenden Effekt ausüben. Es wird für die virale Bläschenphase und die Zeit der Heilung empfohlen. Speziell für den Lippenherpes hergestellte Gele mit Zinksulfat-Heptahydrat sind in der Apotheke erhältlich.

Pflanzliche Salben. Melissenöl, Teebaumöl und Pfefferminzöl sind im Labor antiherpetisch wirksam, andere Pflanzeninhaltsstoffe haben desinfizierende Eigenschaften. Für den Lippenherpes gibt es spezielle Mixturen, z. B. Rephaderm mit Rosmarin-, Myrrhen- und Wermutkrautextrakten. Der Mikroalgenaktivstoff Spirulina-platensis-Extrakt (z.B. in Spiralin oder Ilon Lippencreme) soll das Eindringen und Anhaften von HSV in die Hautzellen verhindern. Dadurch kann er im Akutfall verhindern, dass das Bläschen weiter aufblüht. Auch vorbeugend soll Spirulina herpesanfällige Lippen schützen können. Außerdem reduziert der Algenwirkstoff die Krustenbildung und fördert die Abheilung.

Hinweis: Bei den Virostatika kommt es auch auf die Salbengrundlage an. So dringt Studien zufolge Aciclovir besonders gut in die Schleimhaut ein, wenn es mit einem Anteil von 40% Propylenglykol zubereitet ist.

Pflaster und Lippenstift

Statt Cremes lässt sich der Lippenherpes auch mit speziellen Pflastern oder Patches behandeln. Sie fördern durch Hydrokolloide die Wundheilung und reduzieren die Krustenbildung. Dabei sind sie auch ohne Wirkstoff etwa ebenso effektiv wie virostatische Cremes. Die Pflaster haben durchaus Vorteile: Sie schützen vor Infektionen und Weiterverbreitung der Viren. Außerdem lassen sie sich gut überschminken, d.h. das Fieberbläschen fällt weniger stark auf. Die Patches sollen 24 h auf der Läsion verbleiben. Beim Austausch lösen sich die Krusten mit ab – was allerdings recht schmerzhaft sein kann.

Ein weiteres Therapieprinzip ist Hitze. HSV sind wärmeempfindlich und lassen sich deshalb mit speziellen elektrischen Lippenstiften bekämpfen. Ab dem ersten Kribbeln soll man das Gerät stündlich für drei Sekunden auf die betroffene Stelle aufsetzen. Kribbelt es weiter, kann man die Behandlung nach zwei Minuten insgesamt fünf Mal pro Stunde wiederholen. Offene Bläschen oder verletzte Haut dürfen damit allerdings nicht behandelt werden. Außerdem muss die Haut frei von Cremes und trocken sein. Um eine Virenübertragung zu vermeiden, sollte der elektrische Stift nur von einer Person verwendet werden.

Tipp: Für ihre Vermehrung brauchen Herpesviren die Aminosäure L-Arginin. Nimmt man deren Gegenspieler L-Lysin ein, kann das die Abheilung unterstützen. L-Lysin ist in verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln (Kapseln oder Kautabletten) enthalten.

Allgemeine Maßnahmen verhindern die Ansteckung

Egal wie man seinen Lippenherpes behandelt: Auf jeden Fall sollte man dafür sorgen, dass man andere nicht infiziert. Denn die Flüssigkeit in den Bläschen ist prall gefüllt mit Viren. Hygiene ist bei einem akuten Lippenherpes deshalb oberstes Gebot. Das bedeutet:

  • Hände regelmäßig waschen und desinfizieren.
  • Bläschen nicht berühren oder öffnen. Cremes und Gele am besten mit einem Wattestäbchen auftragen.
  • Körperkontakt mit Kindern und Schwangeren meiden.
  • Läsionen mit einem Herpespatch oder Pflaster abdecken.
  • Als Kontaktlinsenträger mit aktivem Lippenherpes lieber eine Brille tragen, um die Viren nicht in die Augen zu verschleppen.
  • Nach dem Abheilen Zahnbürsten austauschen.

In manchen Fällen kann man dem wiederkehrenden Lippenherpes vorbeugen. Dazu muss man allerdings die Faktoren kennen, die das Aufblühen triggern. Ist Sonne der Auslöser, hilft Sonnenschutz – vor allem ein Lippenstift mit hohem Lichtschutzfaktor. Auch Kälte und trockene Luft kann HSV aufwecken. Deshalb sollte man im Winter die Lippen gut pflegen und draußen mit einem Schal oder Rollkragen vor eisigen Temperaturen schützen. Bei stressbedingtem Herpes können Entspannungstherapien zu einer besseren Stresskontrolle führen. Infektionen vermeidet man, indem man die empfohlenen Impfungen wahrnimmt und vor allem in der Erkältungszeit die Gebote der Hygiene beachtet.

Tipp: Wenn der Lippenherpes regelmäßig aufblüht, sollte man darüber Buch führen. Dadurch lassen sich die triggernden Faktoren leichter herausfinden.

Virostatika innerlich

In manchen Fällen müssen virostatische Medikamente auch innerlich eingesetzt werden. Dass ist z.B. der Fall, wenn schwere Verläufe drohen – wie bei Patient*innen mit Immunerkrankungen oder bei Neugeborenen. Meist verabreichen die Ärzt*innen den Wirkstoff dann über die Vene. Vor Zahnoperationen oder Schönheitsoperationen im Gesicht empfehlen Ärzt*innen oft die Einnahme von Aciclovir-Tabletten, um das Aufblühen von Läsionen zu verhindern. Bei immungeschwächten Menschen, die häufig Rezidive erleiden, wird zur Vorbeugung manchmal auch zu einer Langzeittherapie mit Valaciclovir oder Aciclovir in Tablettenform geraten.

Quelle: DAZ 2023, 26: 30

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: mauritius images / BSIP / Chassenet
Der Erkältung eins husten
Ausreichend Tee zu trinken und sich warm zu halten gehört zu den Basismaßnahmen bei Erkältungskrankheiten.

Der Erkältung eins husten

Mit Thymian, Myrte, Rosmarin

In der Erkältungszeit machen Husten, Schnupfen und Heiserkeit vor kaum jemandem halt. Zum Glück muss man nicht gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen: Pflanzentherapeutika und Hausmittel können beim grippalen Infekt die Beschwerden gut lindern.

Grippaler Infekt oder Grippe?

In Herbst und Winter leiden Millionen von Deutschen an akuten Atemwegserkrankungen. Ein Teil davon geht mittlerweile auf eine Infektion mit dem Coronavirus zurück. Das Robert Koch-Institut schätzt allerdings, dass der Löwenanteil an Erkältungen von Influenzaviren, Rhinoviren und respiratorischen Synzytialviren (RSV) verursacht wird.

Der typische „grippale Infekt“ beginnt mit Halsschmerzen und Schnupfen, oft schmerzen auch Kopf und Glieder. Es kommt zu Husten mit zunehmendem Auswurf, die ganze Sache dauert etwa eineinhalb Wochen. Dahinter stecken insbesondere Rhinoviren oder RSV. Eine Erkältung oder ein grippaler Infekt lässt sich recht gut in Eigenregie mit Hausmitteln oder Hilfe aus der Apotheke behandeln.

Die echte Grippe wird durch Influenzaviren ausgelöst. Dabei entwickelt sich meist schnell hohes Fieber und Reizhusten, die Lymphknoten schwellen an und die Betroffenen fühlen sich sehr krank. Zu ganz ähnlichen Beschwerden kommt es auch bei einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV2 und bakteriellen Infektionen. In all diesen Fällen ist es wichtig, die Ärzt*in aufzusuchen.

Hinweis: Alte Menschen, Immungeschwächte und Schwangere sollten sich bei einer starken Erkältung nicht selbst therapieren. Um Komplikationen zu vermeiden, ist es besser, frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Immunsystem stärken

Beim grippalen Infekt möchten viele Patient*innen ihr Immunsystem mit Pflanzenmedizin unterstützen. Angeboten werden dafür vor allem Pelargonium sidoides, Echinacea und Kapuzinerkresse plus Meerrettich.

Pelargonium-sidoides-Extrakt (z B. in Umckaloabo® oder Pelargonium-ratiopharm® Bronchialtropfen) ist ein besonders gut untersuchtes pflanzliches Heilmittel. Eine vor wenigen Jahren veröffentlichte Metaanalyse kam zu dem Schluss, dass der Extrakt grippale Beschwerden lindert - die Patient*innen hören z.B. früher auf zu husten. Auch die allgemeineErkrankungsdauer soll sich um einige Tage verkürzen. Allerdings gibt es Hinweise, dass Pelargonium sidoides die Leber schädigen könnte. Leberkranke dürfen den Extrakt deshalb nicht einnehmen. Im Zweifel fragt man dazu seine Ärzt*in.

Der Extrakt aus dem Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea, z.B. in Esberitox®) soll Erkältungen vorbeugen sowie entsprechende Beschwerden lindern. Die Studienergebnisse dazu sind allerdings widersprüchlich. Am ehesten scheint der Sonnenhut bei frühzeitiger Einnahme zu wirken.

Ebenfalls eingesetzt werden Extrakte aus Kapuzinerkresse und Meerrettich (z.B. Angocin®). Sie wirken eher vorbeugend: In einer Untersuchung erkrankten Teilnehmende, die den Extrakt einnahmen, seltener an Atemwegsinfektionen. Wurden sie dennoch davon erwischt, hatte der Extrakt keinen Einfluss auf Dauer und Schwere der Erkrankung.

Hinweis: Am besten kauft man diese Extrakte in einer Apotheke. Dort kann man sicher sein, ein geprüftes Präparat zu erhalten. Zudem bekommt man eine ausführliche Beratung.

Allgemeine Maßnahmen sind die Basis

Neben pflanzlicher Unterstützung helfen bei einer Erkältung vor allem auch allgemeine Maßnahmen. Wenn das Immunsystem gegen Erreger kämpft, ist es gut, sich zu schonen und dem Körper Ruhe zu gönnen. Bei leichtem Fieber helfen zudem kühle Wadenwickel. Im frühen Stadium einer Erkältung sind warme Fußbäder angenehm. Außerdem sollte man auf eine ausreichende Luftfeuchtigkeit achten, damit die Schleimhäute feucht bleiben und Krankheiterreger gut abtransportieren werden können. Besteht kein Fieber, sind Erkältungsbäder mit Extrakten aus Rosmarin und Eukalyptus für viele eine Wohltat. Bei Fieber sollte man auf warme Bäder besser verzichten, um den Kreislauf nicht zu belasten.

Für die Abwehr von Erregern braucht das Immunsystem sehr viel Energie. Auch wenn man sich schwach fühlt, sollte man ausreichend Kalorien zu sich nehmen. Um das Verdauungssystem nicht zu belasten, bietet sich leichte Kost an. Immer empfehlenswert ist die Gemüsebrühe, ansonsten gilt Tee als  ideal. Beides ersetzt auch die Flüssigkeit, die durch Schwitzen und vermehrte Nasensekrete verloren geht.

Manche schwören bei den ersten Anzeichen einer Erkältung auch auf eine Schwitzkur. Sie soll dafür sorgen, dass die Erreger möglichst schnell wieder ausgeschieden werden. Das funktioniert so:

  • Bequemen Jogginganzug anziehen, Mütze aufsetzen.
  • Gemütlich auf einem Sessel Platz nehmen und die Füße in ein warmes Fußbad stellen.
  • Währenddessen einen Schwitzkur-Tee trinken. Das Rezept dafür lautet: Jeweils 30 g Holunder- und Lindenblüten, 20 g Mädesüßblüten und 20 g Hagebuttenfrüchte mischen. Einen Esslöffel davon mit 150 ml heißem Wasser übergießen, ziehen lassen und trinken. Drei- bis viermal täglich wiederholen.
  • Füße abtrocknen, schweißnasse Kleidung wechseln, ins Bett legen und schlafen.

Hinweis: Vorsicht, eine Schwitzkur belastet den Kreislauf stark. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten deshalb lieber darauf verzichten.

Halsschmerzen lindern

Erkältungskrankheiten und grippale Effekte beginnen fast immer mit Halsschmerzen. Schon einfache Lutschbonbons (bitte ohne Zucker!) lindern die Qual, weil sie die Speichelproduktion anregen. Nachgewiesenermaßen schmerzstillend wirken Salbei und Thymian. Sie gibt es in der Apotheke als Lutschbonbons und als Spray. Ebenfalls hilfreich für gestresste Rachen sind Primelwurzeln (z.B. in Ipalat®), Spitzwegerich (z.B. in Tetesept® Reizhusten & Hals Lutschtabletten) und isländisches Moos (z.B. in Isla Moos®, Neoangin Junior® und Aspecton®).

Eine Alternative zu Bonbons und Spray ist Tee. Dazu übergießt man einen Esslöffel getrocknete Salbeiblätter mit kochendem Wasser. Den Sud zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen, danach durch ein Sieb gießen und einmal pro Stunde damit gurgeln.

Nicht pflanzlich, aber ebenfalls natürlich ist außerdem der Quarkwickel. Dafür streicht man etwa 250 g zimmerwarmen Quark auf ein Leinentuch auf und legt dies abends mit der Quarkseite auf den Hals. Darüber kommt ein trockenes Tuch. Der Wickel bleibt über Nacht liegen und wird morgens abgenommen.

Hinweis: Am besten ist es, Tee und Lutschbonbons zu kombinieren. So wird der Schmerz im Hals gemildert und der Körper erhält ausreichend Flüssigkeit.

Nase frei ist oberstes Gebot

Neun von zehn Betroffenen mit grippalem Infekt leiden unter Schnupfen mit Niesreiz, Naselaufen und verstopfter Nase. Bei starker Ausprägung sind nicht-pflanzliche abschwellende Nasensprays aus der Apotheke die wichtigste Maßnahme, damit das Sekret abläuft und sich die ganze Sache nicht zu einer schweren Nebenhöhlenentzündung auswächst. Damit die Nasenschleimhaut nicht leidet, dürfen abschwellende Nasentropfen nur wenige Tage lang angewendet werden.

Pflanzenmedizin kann bei der Befreiung der Nase durchaus unterstützend wirken. So soll ein Extrakt aus Ampfer, gelbem Enzian, Holunder, Eisenkraut und Schlüsselblume (z.B. BNO1016 in Sinupret®) die Dauer einer Rhinosinusitis (das ist die Infektion von Nasenhöhle und Nasennebenhöhle) um vier Tage reduzieren. Auch Eukalyptus-Extrakte (z.B. in Gelomyrtol forte® oder Soledum®) sind hilfreich. Sie beschleunigten bei Patient*innen mit Rhinosinusitis, die Antibiotika bekamen, die Linderung der Beschwerden und die Heilung.

Direkt in Nase und Nebenhöhlen wirken Inhalationen mit Wasserdampf. Dazu füllt man heißes Wasser in eine Schüssel, beugt den Kopf darüber und atmet die Dämpfe ein. Noch einfacher geht es mit speziellen, in der Apotheke erhältlichen Inhaliergefäßen. Je nach Vorliebe fügt man dem heißen Wasser Kamillenblüten oder ätherische Öle aus Pfefferminze, Eukalyptus oder Latschenkiefer hinzu. Vorsicht geboten ist bei Asthma oder Keuchhusten. In diesen Fällen kann es durch das Inhalieren ätherischer Öle zu Verkrampfungen der Bronchialmuskulatur und Atemnot kommen.

Etwas unangenehm, aber wirksam sind zudem Nasenspülungen mit Kochsalzlösung. Dazu verwendet man entweder eine professionelle Nasendusche. Oder man zieht die Lösung durch die Nase und spuckt sie durch den Mund wieder aus.

Hinweis: Nasennebenhöhlenentzündungen können sich auch in das Gehirn ausbreiten. Wichtige Alarmsignale dafür sind starke Kopfschmerzen, Veränderungen beim Sehen und eine Lidschwellung.

Dem Husten eins husten

Im Verlauf eines grippalen Infekts kommt es eher spät zu Husten. Meist handelt es sich zunächst um trockenen Reizhusten, Auswurf entwickelt sich erst im Verlauf. Gegen trockenen Husten hilft folgende Teerezeptur:

  • 15 g Anisfrüchte, 25 g Süßholzwurzel, 25 g Eibischwurzel und 35 g Eibischblätter vermischen,
  • zwei Esslöffel der Teemischung mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen,
  • 10 bis 15 Minuten ziehen lassen und abseihen.
  • 3 – 4 Mal täglich eine Tasse davon trinken.

Außerdem empfohlen werden bei Reizhusten schleimhaltige pflanzliche Arzneimittel zum Lutschen. Dazu gehören Spitzwegerich in Broncho-Sern®, Eibisch in Silomat® oder die Königskerze (z. B. Antall®). Beim produktiven Husten unterstützen Pflanzentherapeutika das Lösen der Sekrete. Eingesetzt werden vor allem Eukalyptus (z.B. in Gelomyrtol forte®), Primel (z.B. in Bronchicum®) oder Myrte (z.B. Myrtol®).

Efeublätter-Trockenextrakte wie Prospan® lösen und lindern Husten ebenfalls. Ihre Wirkung ist allerdings gering, wie eine Metaanalyse ergab. Dafür hat Efeu eine leichte bronchospasmolytische Wirkung, d.h. es entspannt die Atemwege. Dieser Effekt ist bei Patient*innen mit begleitendem Asthma oder einer chronisch-obstruktiven Pulmonalerkrankung (COPD) günstig.

Hildegard von Bingen schwörte übrigens bei Keuchhusten auf echten Thymian als Hustenstiller. Tatsächlich konnte Thymian in Kombination mit Efeu-Extrakt in einer kontrollierten Studie die Häufigkeit und Dauer von Husten bei Bronchitis lindern. Hinweis: Husten, der länger als acht bis zehn Tage anhält, sollte ärztlich abgeklärt werden. Denn dahinter könnte auch ein Asthma, eine Herzschwäche oder die Nebenwirkung einer Medikamententherapie stecken.

Quelle: Penzel M, DAZ 2022; 50:1-15, Beer AM, MMW 2016:21-22:158

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: mauritius images / Westend61 / Svetlana Karner
Gezielt gegen Blasenschwäche
Bei einer Blasenschwäche ist nicht nur der erhöhte Wäscheaufwand ein Problem für die Betroffenen.

Gezielt gegen Blasenschwäche

Mit Training und Medikamenten

Immer noch ein Tabu, aber weit verbreitet: Unter einer Blasenschwäche leiden in Deutschland Millionen von Frauen und Männern. Gegen den unwillkürlichen Urinverlust helfen allgemeine Maßnahmen und das Trainieren von Blase und Beckenboden. Reicht das nicht aus, kommen Medikamente ins Spiel.

Eingeschränkte Lebensqualität

Blasenschwäche (Harninkontinenz) ist die Unfähigkeit, den Urin in der Harnblase zu halten. Es kommt stattdessen zu unkontrolliertem Urinverlust, entweder tröpfchenweise oder auch im Schwall. Darunter leiden viele Menschen. Bei den 40- bis 60-Jährigen ist jede Zehnte betroffen, bei den Über-60-Jährigen jede Vierte.

Ob jünger oder älter – eine Blasenschwäche ist immer sehr belastend. Je nach Ausmaß wird die Lebensqualität durch die Inkontinenz stark eingeschränkt. Weil sie sich schämen, gehen viele Menschen trotz ihrer Beschwerden nicht zur Ärzt*in. Dabei ist es wichtig, eine Blasenschwäche zu behandeln. Denn nicht nur die psychischen Folgen wie Depressionen und Vereinsamung sind erheblich. Es drohen Hautentzündungen im Intimbereich und wiederkehrende Harnwegsinfektionen bis hin zum Nierenschaden. Zudem fallen alte Menschen mit Blasenschwäche häufiger hin, weil sie die Toilette schnell erreichen wollen. Solche Stürze enden oft mit einer fatalen Oberschenkelhalsfraktur.

Hinweis: Frauen leider öfter an Blasenschwäche als Männer. Ihr Beckenboden ist dehnbarer und hat mehr Durchgänge als der männliche Beckenboden. Außerdem wird der Blasenverschluss beim Mann durch die unter der Blase liegende Prostata unterstützt.

Welche Blasenschwäche ist es?

Blasenschwäche ist nicht gleich Blasenschwäche. Um die Beschwerden zu dokumentieren und besser interpretieren zu können, ist ein Blasentagebuch hilfreich. Darin hält man täglich fest, wieviel man trinkt und wie häufig man auf die Toilette muss. Wenn möglich, misst man auch die Menge des täglich ausgeschiedenen Urins. Mithilfe dieser Informationen kann die Ärzt*in die Blasenschwäche meist gut einordnen.

Belastungsinkontinenz. Jede zweite Frau mit Blasenschwäche leidet an einer Belastungsinkontinenz (früher auch Stressinkontinenz genannt). Dabei verliert die Betroffene Urin, ohne dass sie vorher einen Harndrang bemerkt hat. Der muskuläre Verschluss am Ausgang der Blase funktioniert nicht mehr gut, etwa weil die Beckenbodenmuskulatur schwach ist oder die Beckenbänder geschädigt sind. Dann genügt schon ein kleiner Druckanstieg in der Blase und die Betroffene verliert Urin. Der Druck in der Blase steigt an, wenn sich der Druck im Bauchraum erhöht. Dazu kommt es schon bei ganz normalen körperlichen Beanspruchungen wie Husten, Niesen oder dem Heben schwerer Gegenstände. Begünstigt wird die Belastungsinkontinenz durch eine Gebärmuttersenkung und Übergewicht.

Dranginkontinenz. Bei der Dranginkontinenz muss die Betroffene plötzlich ganz dringend auf die Toilette, ohne dass die Blase richtig gefüllt ist. Wer nicht schnell genug ist, verliert kleine Tropfen Urin, manchmal aber auch einen ganzen Schwall. Das passiert sowohl tagsüber als auch nachts. Auslöser ist eine Störung in der Blasenwandmuskulatur, z.B. durch Entzündungen, Blasensteine oder neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson. Beim Mann kommt als Ursache auch eine Prostatavergrößerung in Frage.

Mischinkontinenz. Hier leiden die Betroffenen unter beiden Formen der Blasenschwäche. Sie haben wie bei einer Dranginkontinenz auch bei nicht gefüllter Blase Harndrang und ungewollten Urinverlust. Außerdem verlieren sie Urin bei körperlicher Beanspruchung.

Überaktive Blase. Bei dieser Blasenschwäche zieht sich der Muskel am Blasenausgang immer wieder zusammen und lässt dann wieder los. Das Phänomen ist nervenbedingt oder psychisch. Die Patient*innen leiden unter sehr starkem, manchmal sogar schmerzhaftem Harndrang, der sie mehr als acht Mal täglich und auch nachts zur Toilette zwingt. Solange der Beckenboden noch funktioniert, können die Betroffenen den Urin aber noch willkürlich zurückhalten.

Daneben gibt es weitere Formen der Blasenschwäche. Befindet sich z.B. am Blasenausgang ein Tumor oder Blasenstein, entleert sich die Blase beim Wasserlassen nicht komplett. Es bleibt Urin in der Blase, d.h. die Menge an sog. Restharn steigt an. Die Blase ist überfüllt und kann überlaufen. Patient*innen haben meist einen dauerhaften Harndrang und verlieren ständig kleine Mengen an Urin. Andere Ursachen für Blasenschwäche sind Nervenerkrankungen wie z.B. die Querschnittlähmung. Dabei lösen Reflexe (etwa bei gefüllter Blase) das Pinkeln aus. Man spricht dann von einer Reflexinkontinenz.

Ist die Form der Blasenschwäche erkannt, wird nach der Ursache gesucht. Je nach Verdachtsdiagnose kommen spezielle Untersuchungen zum Einsatz. Dazu gehören z.B. die Restharnbestimmung und die Urinanalyse, z.T. auch Blutuntersuchungen zur Überprüfung der Nierenfunktion. Bei Frauen ist eine gynäkologische Untersuchung empfehlenswert, da Veränderungen im Becken häufig eine Blasenschwäche auslösen oder verstärken. Beim Mann ist die Untersuchung der Prostata obligat. In manchen Fällen sind auch Ultraschalluntersuchungen oder eine Blasenspiegelung nötig.

Was gegen die Blasenschwäche hilft

Liegt der Harninkontinenz eine Erkrankung zugrunde, wird diese entsprechend therapiert. Dies ist zum Beispiel bei der Prostatavergrößerung oder bei Blasensteinen der Fall. Häufig gibt es aber keine behandelbare Ursache. In diesen Fällen geht man den ungewollten Urinverlust in Stufen an. Basis sind folgende Allgemeinmaßnahmen:

  • Koffeinkonsum reduzieren. Kaffee, Cola und schwarzer Tee haben aufgrund des Koffeins eine ausschwemmende Wirkung. Bei manchen Betroffenen wird die Blasenschwäche besser, wenn sie diese Genussmittel vermeiden.
  • Übergewicht verringern. Zu viele Kilos erhöhen den Druck im Bauch und folglich auch den Druck auf die Blase. Abnehmen bessert deshalb vor allem die Belastungsinkontinenz.
  • Verstopfung behandeln. Starkes Pressen beim Stuhlgang belastet die Beckenbodenmuskulatur und schwächt diese auf Dauer.
  • Flüssigkeitszufuhr kontrollieren. Vor allem bei der überaktiven Blase kann es helfen, etwas weniger zu trinken. Aber Vorsicht, diese Maßnahme sollte man immer mit der Ärzt*in besprechen. Auf keinen Fall darf man aufgrund seiner Blasenschwäche eine Austrocknung (Dehydrataion) riskieren.
  • Mehr bewegen. Spazierengehen und auch Hausarbeit sind besser als Herumsitzen und Schonen. Denn auch moderate körperliche Bewegung stärkt den Beckenboden.
  • Ungünstige körperliche Belastungen vermeiden. Schweres Heben schadet dem Beckenboden, ebenso sind manche Sportarten ungünstig. Dazu gehören z.B. Trampolinspringen oder Crossfit-Training.
  • Rauchen aufgeben. Raucherhusten geht oft mit einer Belastungsinkontinenz einher.

Tipp: Manche Medikamente verursachen oder fördern eine Harninkontinenz. Dazu gehören Anticholinergika zur Behandlung von Atemwegserkrankungen oder Parkinson, muskelentspannende Mittel, indirekte Parasympathikomimetika oder Beruhigungsmittel. Mit der Ärzt*in sollte besprochen werden, ob diese Arzneimittel reduziert oder ersetzt werden können.

Blase oder Beckenboden trainieren

Auch Training kann bei einer Blasenschwäche helfen. Gestärkt werden dabei je nach Form der Blasenschwäche entweder die Blase selbst oder der Beckenboden.

Das Blasentraining hilft besonders gegen die Dranginkontinenz. Es zielt darauf ab, die Zeiträume zwischen den Toilettengängen zu verlängern. Zunächst versucht die Betroffene, nicht gleich beim ersten Anzeichen eines Harndrangs zur Toilette zu gehen. Schritt für Schritt wird der Gang zur Toilette immer länger verzögert. Hilfreich dabei sind Entspannungsübungen. Auf diese Weise vergrößert sich das Aufnahmevolumen der Blase, der Harndrang wird geringer und das Wasserlassen besser kontrolliert.

Intensives Beckenbodentraining ist dagegen die passende Maßnahme für eine Belastungsinkontinenz. Diese Übungen erlernt man am besten in einer Physiotherapie. Spüren Betroffene mit Belastungsinkontinenz ihre Beckenbodenmuskulatur nicht, kann die Elektrostimulation helfen. Dazu verschreibt die Ärzt*in spezielle Geräte, die über die Scheide oder den Dammbereich elektrische Impulse abgeben.

Tipp: In die Scheide eingelegte Pessare stabilisieren die Harnröhre von innen. Sie helfen besonders bei unwillkürlichem Urinverlust durch körperliche Belastungen im Rahmen einer Belastungsinkontinenz.

Medikamente gegen Urinverlust

Wenn allgemeine Maßnahmen und Training nicht zum erwünschten Erfolg führen, sind stärkere Geschütze geboten. Leider gibt es wenig Hilfe aus dem Reich der Pflanzen. Zwar werden zur Linderung der Beschwerden zahlreiche Extrakte angeboten. Klinische Studien mit eindeutigen Daten zur Wirksamkeit fehlen in den meisten Fällen. Für Kürbissamen gibt es aus einer Beobachtungsstudie mit 117 Betroffenen Hinweise, dass sie Frauen mit überaktiver Blase helfen können.

Anders sieht das mit synthetischen Arzneimitteln aus. Für die Dranginkontinenz und die überaktive Blase gelten Muskarinrezeptor-Antagonisten als effektive Option. Sie verringern spontane Mikrobewegungen in der Blasenwandmuskulatur und reduzieren den Harndrang. Allerdings blockieren die Wirkstoffe nicht nur die Muskarinrezeptoren in der Blase, sondern im gesamten Organismus. Deshalb haben diese Substanzen auch zahlreiche Nebenwirkungen. Dazu gehören u.a. Mundtrockenheit, Sehstörungen und Verstopfung. Oxybutynin führt bei älteren Menschen sogar zu Verwirrtheit und Denkstörungen, vor allem wenn es abgeschluckt wird.

Einige Muskarinrezeptor-Antagonisten (z.B. Tolterodin) sollen beinahe nur auf die Blase wirken und so weniger Nebenwirkungen auslösen. Letzteres gilt auch für Präparate, deren Wirkstoff verzögert freigesetzt wird, sog. retardierte Arzneistoffe.

Eine neue Therapieoption gegen Dranginkontinenz und eine überaktive Blase ist Mirabegron. Die Substanz bindet an Betarezeptoren in der Harnblasenmuskulatur und entspannt dadurch die Blase. Eingesetzt wird Mirabegron, wenn Muskarinrezeptor-Antagonisten nicht ausreichend wirken. Sie sind auch bei älteren Menschen geeignet, weil sie seltener Verwirrtheit oder Denkstörungen auslösen. Als Nebenwirkung ist allerdings eine Erhöhung des Blutdrucks zu beachten.

Ein Wirkstoff zur Behandlung der Belastungsinkontinenz ist das Antidepressivum Duloxetin, ein selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Es stärkt den Schließmuskel der Blase und erhöht ihr Fassungsvermögen. Dadurch kommt es seltener zu unwillkürlichem Urinverlust. Das hat allerdings auch bei Duloxetin seinen Preis: Typisch sind Nebenwirkungen im Verdauungstrakt wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung. Vor allem bei psychisch nicht gesunden Menschen soll der Wirkstoff aber auch vermehrt Angst und innere Unruhe auslösen.

Mit Operationen an die Blasenschwäche

Manchmal helfen auch Medikamente nicht ausreichend. Ist der Leidensdruck hoch, sind interventionelle oder operative Verfahren eine Option.

Interventionelle Verfahren. Bei der überaktiven Blase und bei der Dranginkontinenz kann die Ärzt*in den Wirkstoff Onabotulinumtoxin A in die Blase instillieren. Dadurch entspannt sich die Blasenmuskulatur und der Harndrang wird weniger. Die Wirkung setzt jedoch erst zwei Wochen nach dem Eingriff ein und hält nur einige Wochen bis Monate an. Eine weitere Option bei überaktiver Blase ist die sakrale Neuromodulation. Dabei wird eine Art Schrittmachers in die Blase eingesetzt. Dieser sendet sanfte elektrische Impulse an den Sakralnerv, der die Blase versorgt. Auf diese Weise lässt sich sowohl eine Überaktivität als auch eine Unteraktivität der Blasenmuskulatur kontrollieren.

Operationen. Die Belastungsinkontinenz kann auch relativ einfach mit einer Band- oder Schlingen-Operationen behandelt werden. Dabei wird das natürliche Band, das die Harnröhre in ihrer Position hält, durch ein künstliches Band verstärkt. Eine weitere Möglichkeit ist das Injizieren von Gel in den Bereich des Harnröhrenabgangs von der Blase. Es entsteht ein Polster, das den Blasenausgang besser verschließt. Manchmal empfehlen die Ärzt*innen auch das operative Anheben des Blasenhalses. Ist bei Männern eine vergrößerte Prostata die Ursache der Blasenschwäche, hilft deren komplette oder teilweise Entfernung.

Quelle: S2k-Leitlinie Harninkontinenz der Frau

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: mauritius images / Giuseppe Anello / Alamy / Alamy Stock Photos
Was hilft gegen niedrigen Blutdruck?
Bei einer Hypotonie liegen die Blutdruckwerte unter 100/60 mmHg.

Was hilft gegen niedrigen Blutdruck?

Kalte Füße, häufig Schwindel

Menschen mit niedrigem Blutdruck fühlen sich oft schlapp und müde, sie frieren leicht und leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten. Zum Glück steckt meist keine ernsthafte Erkrankung dahinter. Dann lässt sich dem niedrigen Blutdruck mit vielen einfachen Maßnahmen Beine machen. Reicht das nicht, gibt´s Hilfe aus der Apotheke.

Von Müdigkeit bis Krampfanfall

Von einem niedrigen Blutdruck oder einer Hypotonie spricht man, wenn der systolische Blutdruckwert unter 100 mmHg liegt. In den allermeisten Fällen hat das keinen Krankheitswert. Im Gegenteil: Menschen mit niedrigem Blutdruck weisen sogar eine etwas höhere Lebenserwartung auf als Menschen mit normalen Blutdruckwerten. Doch viele Betroffene leiden trotzdem unter ihrer Hypotonie, denn sie kann eine ganze Reihe von Beschwerden auslösen.

Durch die verringerte Durchblutung frieren hypotone Menschen häufiger. Oft fühlen sie sich müde, und ihre Konzentrationsfähigkeit kann eingeschränkt sein. Es drohen Benommenheit, Schwindelgefühle und Sehstörungen. Auch hinter Verwirrtheitszuständen kann ein zu niedriger Blutdruck stecken. Vor allem bei älteren Menschen kommt es blutdruckbedingt zu kurzer Bewusstlosigkeit (Synkope) und dadurch zu Stürzen, manchmal entstehen sogar Krampfanfälle. Typisch ist, dass körperliche Anstrengung oder Essen die Beschwerden verstärken. Das liegt daran, dass der ohnehin geschwächte Kreislauf dann primär die Muskeln oder den Verdauungstrakt versorgt und dadurch noch weniger Sauerstoff im Gehirn ankommt.

Hinweis: Eine chronische Hypotonie löst keinesfalls immer Symptome aus. Es gibt Menschen, deren Blutdruck konstant zu niedrig ist und die trotzdem keinerlei Beschwerden damit haben.

Sensibler Regelkreis

Den Blutdruck- bestimmen mehrere Faktoren. Dazu zählen die Kraft und die Anzahl der Schläge, mit der das Herz das Blut in die Hauptschlagader pumpt. Entscheidend ist auch, wie hoch der Widerstand der Gefäßwände ist. Herz und Gefäßmuskulatur werden durch einen komplexen Regelkreis über das autonome Nervensystem gesteuert. Dieser ist wiederum eng verbunden mit der für den Blutdruck wichtigen Regulierung des Flüssigkeitshaushalts. Befindet sich z.B. zu wenig Flüssigkeit – sprich Volumen – in den Gefäßen, halten Herz und Gefäßwände nur schwer den Druck im Blutkreislauf aufrecht.

Je nach Ursache unterscheidet man bei der Hypotonie verschiedene Formen.

  • Die primäre oder essenzielle Hypotonie betrifft vor allem Jugendliche und junge Frauen mit schlankem Körperbau und Ausdauersportler*innen. Ihr liegt vermutlich ein erniedrigter Sollwert im Kreislaufregulationszentrum zugrunde.
  • Als sekundäre Hypotonie werden diejenigen Formen des niedrigen Blutdrucks bezeichnet, die durch eine Krankheit, Flüssigkeitsmangel oder eine Medikamentennebenwirkung ausgelöst werden. Aufgrund der vielen für den Blutdruck relevanten Faktoren gibt es eine große Anzahl solcher Auslöser. Sie reichen von Herzerkrankungen (z.B. Herzinfarkt oder Herzschwäche) über hormonelle Störungen (Schilddrüsenunterfunktion, Nebennierenrindeninsuffizienz) bis zu Blutarmut oder mangelnder Flüssigkeitszufuhr.

Hinweis: Wer unter niedrigem Blutdruck leidet und regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte diese mithilfe der Hausärzt*in prüfen. Neben Entwässerungsmitteln und Wirkstoffen gegen Brustenge (Angina pectoris) können vor allem Antidepressiva und Schmerzmittel eine ungewollte Blutdrucksenkung auslösen. Vorsicht geboten ist auch bei der Einnahme von Phosphodiesterase-III-Hemmern, die in Potenzmitteln wie Sildenafil oder Vardenafil enthalten sind.

Orthostatische Dysregulation

Eine spezielle Form der Hypotonie ist die orthostatische Dysregulation. Im Gegensatz zur chronischen Hypotonie sind dabei die Blutdruckwerte nicht dauerhaft niedrig. Sie sinken nur beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen deutlich ab. Dabei „versackt“ das Blut in den Beinvenen, wodurch das Gehirn weniger durchblutet wird. Die Folge davon sind Schwindel, Sehstörungen, Kopf- und Nackenschmerzen. Typischerweise bessern sich die Beschwerden sofort, wenn sich die Betroffene wieder hinlegt.

Für dieses starke Absinken der Blutdruckwerte diskutieren Expert*innen verschiedene Ursachen. Zum einen kann das autonome Nervensystem geschädigt oder gestört sein, sodass bei einem Blutdruckabfall die schnelle Antwort der Gefäße und des Herzens ausbleibt. Auch eine Hypovolämie, also zu wenig Flüssigkeit in den Gefäßen, soll daran beteiligt sein.

Vor allem bei Jüngeren ist diese Form der Hypotonie oft konstitutionell bedingt. Schlanke und große Menschen sind deshalb häufiger davon betroffen, begünstigend wirken mangelndes körperliches Training und unzureichende Flüssigkeitszufuhr. Bei älteren Menschen wird die orthostatische Dysregulation oft ausgelöst durch

  • Medikamente (Hochdruckmittel, Entwässerungsmittel, Neuroleptika, Parkinsonmittel, Antidepressiva)
  • Volumenmangel in den Gefäßen, z.B. durch mangelnde Flüssigkeitszufuhr, Flüssigkeitsverluste über Durchfall oder Blutungen (z.B. Darmblutungen) und Nierenerkrankung
  • Herzerkrankungen wie Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, koronare Herzkrankheit
  • Hormonstörungen

Hinweis: Die orthostatische Dysregulation tritt in jedem Lebensalter auf. Bei Menschen über 65 Jahren ist sie jedoch besonders häufig, jede Vierte soll davon betroffen sein.

Niedrigen Blutdruck abklären lassen

In den meisten Fällen hat ein niedriger Blutdruck keine ernste Ursache. Trotzdem sollte man mit der Hausärzt*in klären, ob vielleicht weitere Untersuchungen sinnvoll sind. Die Basisuntersuchung ist die normale Blutdruckmessung. Daneben zeigt eine 24-Stunden-Blutdruckmessung, wie es sich mit dem Druck im Tages- und Nachtverlauf verhält. Mithilfe des EKGs kommt man Herzrhythmusstörungen auf die Spur, mittels Ultraschall des Herzens (Echokardiographie) lässt sich die Pumpkraft des Herzens prüfen.

Zwei Tests helfen bei der Diagnose der orthostatischen Hypotonie. Beim aktiven Stehtest (Schellong-Test) misst man Puls und Blutdruck zwei Minuten im Liegen. Dann wird die Patient*in aufgefordert, sich hinzustellen. Dabei misst man sofort und alle 60 Sekunden Puls und Blutdruck über mindestens drei Minuten. Sinkt der systolische Wert um mehr 20 mmHg und/oder der diastolische um mehr als 10 mmHg, liegt eine orthostatische Dysregulation vor. Steigt der Puls durch den Blutdruckabfall stark an, handelt es sich um eine sympathikotone Variante, bei der es häufiger zu Synkopen (Ohnmachtsanfällen) kommt. Bei der klassischen Variante bleibt der Anstieg der Herzfrequenz aus.

Der Kipptisch-Test wird mangels passender Ausrüstung meist nur in Herzpraxen durchgeführt. Dabei liegt die Patient*in zehn Minuten angeschnallt auf einer speziellen Liege, die dann in eine Position von 60 bis 80 Grad aufgerichtet (gekippt) wird. Diese Untersuchung wird vor allem bei unklaren Bewusstlosigkeitsanfällen (Synkopen) eingesetzt, wenn andere Verfahren (EKG, Herz-Echo, Blutdruckmessung, Steh-Test) keine eindeutigen Ergebnisse erbracht haben.

Dem Blutdruck Beine machen

Bei einer sekundären Hypotonie steht als erstes die Behandlung der auslösenden Ursache an, z.B. der Ausgleich eines Hormonmangels oder die Therapie einer Herzschwäche. Liegt keine behandlungsbedürftige Erkrankung vor, helfen oft einfache Maßnahmen gegen die Beschwerden:

Auslöser meiden. Treten die Symptome in bestimmten Situationen auf, gilt es, diese zu meiden. Dazu gehören beispielsweise ein langer Aufenthalt in schwüler Hitze oder zu langes Stehen. Ausreichend Flüssigkeit. Menschen mit einer Hypotonie müssen viel trinken. In der Regel heißt das (nach Rücksprache mit der Ärzt*in) zwei bis drei Liter pro Tag.

Häufig und salzreich essen. Mit mehreren kleinen, leichten Mahlzeiten über den Tag verteilt verringert man die Blutumverteilung in den Verdauungstrakt nach der Nahrungsaufnahme. Hypotoniker*innen sollten zudem salzreich essen, weil Salz Flüssigkeit in die Gefäße „zieht“. Häufig werden täglich 5 bis 10 g Kochsalz empfohlen. Wieviel Salz individuell ratsam ist, sollte unbedingt mit der Hausärzt*in besprochen werden. Zusätzlich ist es günstig, natriumreiches Trinkwasser zu wählen.

Auf Alkohol verzichten. Alkohol erweitert die Gefäße und senkt dadurch akut den Blutdruck. Wer zu Hypotonie neigt, sollte deshalb besser darauf verzichten.

Erhöhte Oberkörperlage beim Schlafen. Wer orthostatische Probleme beim Aufstehen aus dem Schlafen hat, kann das Kopfteil des Bettes um etwa 12° höherstellen. Dadurch wird die nächtliche Wasserausscheidung über die Niere verringert. Oft nützt es, sich vor dem Aufstehen zunächst für zwei Minuten an die Bettkante zu setzen und den Kreislauf an die veränderten Bedingungen zu gewöhnen.

Venentonus erhöhen. Gegen das Absacken des Blutes in die Beingefäße hilft es, die Venen und die umliegende Wadenmuskulatur zu stärken. Dazu eignen sich

  • Isometrische Übungen im Sitzen oder Stehen, z. B. das Überkreuzen der Beine im Stehen und das Auf-die Zehen-Stellen
  • Regelmäßige Anwendung von Wechselduschen oder Kneipp-Güssen
  • Trockenbürstenmassagen der Beine
  • Regelmäßiges Radfahren oder Walking
  • Kompressionsstrümpfe.

Medikamente gegen den niedrigen Druck

Hypotone und orthostatische Kreislaufregulationsstörungen lassen sich manchmal auch mit Wirkstoffen aus dem Pflanzenreich lindern. Ein Flüssigextrakt aus Weißdornbeeren und Campher erhöht beispielsweise die Herzfrequenz und die Kontraktionskraft des Herzmuskels. Die Tropfen sind wasserunlöslich und sollen deshalb auf einem Stück Zucker oder Brot eingenommen werden. Das Präparat ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Synthetische Medikamente helfen ebenfalls gegen einen niedrigen Blutdruck. Sie sollten aber erst dann eingesetzt werden, wenn die anderen Maßnahmen bei der Behandlung der Hypotonie keinen Erfolg zeigen.

  • Sympathomimetika. Rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind die Sympathomimetika Etilefrin und Norfenefrin. Sie unterstützen das autonome Nervensystem und steigern die Herzkraft und den Gefäßwiderstand. Beide Wirkstoffe gibt es als Tropfen oder Tabletten. Sie sind mehrmals täglich je nach Beipackzettel einzunehmen. Um Schlafstörungen zu vermeiden, sollte die letzte Gabe vor 16 Uhr erfolgen. Bei Gefäßerkrankungen oder koronarer Herzkrankheit, Engwinkelglaukom und Prostatavergrößerung dürfen Sympathomimetika nicht eingesetzt werden. Ein weiteres, aber rezeptpflichtiges Sympathomimetikum ist Midodrin. Der Wirkstoff verengt die Gefäße und steigert dadurch den Blutdruck. Es gelten die gleichen Kontraindikationen wie bei Etilefrin.
  • Fludrocortison. Dieses Mineralkortikoid senkt die Natriumausscheidung über die Niere und erhöht dadurch Blutvolumen und Blutdruck. Es wird bei schwerer orthostatischer Hypotonie verordnet, wenn eine erhöhte Salz- und Flüssigkeitszufuhr nicht ausreichen. Als Nebenwirkungen sind Wassereinlagerungen, Herzschwäche, Schwitzen und Kopfschmerzen zu beachten.

Sonderfall Schwangerschaft

Ein niedriger Blutdruck während der Schwangerschaft ist nicht nur lästig für die werdende Mutter – er bedeutet auch eine Gefahr für das Kind. Denn hypotone Mütter haben einerseits ein erhöhtes Risiko für Früh- oder Fehlgeburten. Weil die Plazenta bei niedrigem Blutdruck schlechter durchblutet ist, drohen dem Ungeborenen außerdem Wachstumsstörungen.

Gegen niedrigen Blutdruck können sich werdende Mütter zunächst mit den oben genannten Allgemeinmaßnahmen helfen. Reicht das nicht aus, wird es schwierig. Denn die Behandlungsmöglichkeiten mit Medikamenten sind in der Schwangerschaft stark eingeschränkt. Sympathomimetika verbieten sich in den ersten drei Monaten strikt, da sie in Tierversuchen zu Missbildungen des Fetus geführt haben. Auch in der restlichen Schwangerschaft sollten sie besser nicht eingenommen werden und wenn, nur nach Rücksprache mit der Frauenärzt*in.

Eine medikamentöse Option für Schwangere ist Cardiodoron. Die Tinktur besteht aus Eselsdistel, Bilsenkraut und Frühlingsschlüsselblume und wird gegen Blutdruckschwankungen eingesetzt. In der höheren Konzentration muss der Extrakt von der Ärzt*in verordnet werden, stärker verdünnt ist er rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Wie bei allem Medikamenten in der Schwangerschaft ist es allerdings auch bei der rezeptfreien Variante sicherer, vor Einnahme die Frauenärzt*in zu befragen.

Tipp: Schwangere können ihren Blutdruck auch mit Sport auf Trab bringen. Besonders geeignet sind Schwimmen und Wassergymnastik sowie Radfahren und Nordic Walking. Wer joggen möchte, sollte sich dazu vorher Rat von der Frauenärzt*in einholen – denn Joggen belastet den Beckenboden.

Quelle: DAZ 2023; 12: 36

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: mauritius images/Westend61/zerocreatives