Nieren und Harnwege


Erkrankungen der Harnblase und der Harnröhre

Blasenentzündung

Blasenentzündung (Zystitis, Blasenkatarrh, etwas verallgemeinernd auch untere Harnwegsinfektion, HWI): Meist bakterielle Entzündung der Blasenschleimhaut, häufig gleichzeitig auch der Harnröhre (= Urethritis) und seltener auch des Nierenbeckens (Pyelonephritis), daher der verallgemeinernde Begriff "Harnwegsinfekt".

Drei Viertel aller Erkrankungen werden von Escherichia coli-Bakterien ausgelöst. Die Blasenentzündung ist vor allem bei Mädchen und Frauen eine der häufigsten bakteriellen Infektionen. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter. Im Alter von über 60 Jahren haben Männer und Frauen ein gleich hohes Erkrankungsrisiko von 20 Prozent.

Durch eine Behandlung mit Antibiotika heilt die Blasenentzündung meist folgenlos ab. Bei der Wahl des Wirkstoffs muss der Arzt die lokale Resistenzlage der Erreger berücksichtigen. Bedrohlich wird die Erkrankung, wenn sie immer wieder auftritt (chronisch-rezidivierende Blasenentzündung) oder auf die Nieren übergreift.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Schmerzen, Brennen beim Wasserlassen
  • Häufiges Wasserlassen, auch nachts
  • Manchmal zusätzlich Blut im Urin
  • Krampfartige Schmerzen oberhalb des Schambeins.

Bei Kleinkindern:

  • Wiedereinnässen, nachdem sie bereits trocken waren
  • Erbrechen, Durchfall.

Fieber, Flankenschmerz und ein stärkeres Krankheitsgefühl weisen auf die Mitbeteiligung der oberen Harnwege hin (Nierenbeckenentzündung).

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • viel Trinken und Wärme keine Besserung bringen.

Heute noch, wenn

  • zusätzlich Fieber oder Flankenschmerzen bestehen.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Ursachen

Die Keime, die besonders häufig eine Blasenentzündung hervorrufen, besiedeln von Natur aus den Darm. So ist das Bakterium Escherichia coli, das im Dickdarm eines jeden Menschen zu Milliarden vorhanden ist, in ~ 80 % der Fälle Auslöser einer Blasenentzündung. Vor allem bei Frauen dringt es wegen der engen Nachbarschaft von Harnröhre und Darm und der relativ kurzen Harnröhre leicht in die empfindliche Blase ein. Geschlechtsverkehr begünstigt den Übertritt der Keime in die Harnwege zusätzlich. Schrumpft nach den Wechseljahren durch den Östrogenmangel das Gewebepolster um die Harnröhre, ist die Barriere für die Krankheitserreger noch geringer.

Auch ein Dauerkatheter verschafft den Bakterien ein permanentes Eintrittstor in die Blase, da zwischen Harnröhrenwand und Katheter oft eine Art "schleimiger Film" entsteht.

Bei Kindern sind dagegen oft Fehlbildungen der Harnröhre, wie z. B. Harnröhrenklappen, die eigentliche Ursache von Blasenentzündungen. Auch Nierensteine können eine Blasenentzündung auslösen: An ihnen setzen sich Bakterien fest, die immer wieder in die Blase ausgeschwemmt werden und zu wiederkehrenden Blasenentzündungen führen. Seltene, nicht-bakterielle Ursachen der Blasenentzündung sind die Bestrahlung (strahleninduzierte Zystitis) oder die Chemotherapie bei Krebspatienten.

Sonderform: Honeymoon-Zystitis

Eine Sonderform der Blasenentzündung ist die Honeymoon-Zystitis. Durch den Geschlechtsverkehr kommt es zu einer Übertragung von E.-coli-Bakterien. Zusätzlich wird die Harnröhrenmündung mechanisch gereizt. Dadurch haben die Keime Gelegenheit, die Harnröhre und die Blase zu infizieren. Die kurzzeitige Therapie mit einem Antibiotikum entspricht der bei der "normalen" Blasenentzündung.

Abgrenzung zu anderen Blasenerkrankungen

Häufiger ist die asymptomatische Bakteriurie, die bei Patienten mit Blasendauerkatheter, aber auch bei 5 % der gesunden Frauen vorkommt: Hier entdeckt der Arzt auf dem Urin-Teststäbchen Bakterien, die aber keinerlei Beschwerden verursachen. Ist der Allgemeinzustand des Patienten gut, besteht keine Notwendigkeit zur Therapie. Nur in der Schwangerschaft sollte auch eine asymptomatische Bakteriurie behandelt werden.

Verlauf und Komplikationen

Unbehandelt kann sich jede Blasenentzündung zur Nierenbeckenentzündung ausweiten. Besonders droht dies bei einem Hindernis in den Harnwegen (komplizierte Harnwegsinfektion, obstruktive Harnwegsinfektion), z. B. durch Harnleitersteine, Prostatavergößerung oder Tumoren.

Bei ausgeprägten Entzündungen ist der Übergang in eine Schrumpfblase mit faserig-bindegewebigem Umbau der Harnblasenmuskulatur und -wand möglich. Dann wird die Blasenwand immer starrer und die Blase kann kaum noch vollständig entleert werden. Die Therapie ist sehr schwierig.

Häufig und zugleich sehr belastend für die Betroffenen ist die Entwicklung einer chronisch-rezidivierenden Blasenentzündung, bei der sich die Blasenentzündungen alle paar Wochen oder Monate einstellen. Dazwischen gibt es immer wieder weitgehend beschwerdefreie Perioden. Auch die Entwicklung einer chronischen Blasenentzündung ist möglich, die dann dauerhaft schwächere Beschwerden verursacht, die aber nicht mehr verschwinden und nur schwer zu unterscheiden sind von einer Reizblase.

Diagnosesicherung

Die typischen Beschwerden wie Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen lenken den Verdacht des Arztes schnell auf die Blase. Bei der Untersuchung identifiziert er dann häufig einen deutlichen Druckschmerz oberhalb des Schambeins und bei Beteiligung der Nieren auch einen Klopfschmerz in der Nierengegend (Nierenlagerklopfschmerz).

Ergänzt wird die Diagnose durch Urin-Teststreifen, mit denen der Arzt weiße und rote Blutkörperchen sowie Nitrit im Urin nachweist. Teststreifen bringen allerdings oft kein eindeutiges Ergebnis, z. B. werden die Ergebnisse durch Beimischungen von Blut leicht verfälscht.

Um Urinbestandteile wie Harnsäurekristalle (Urate) oder Blutkörperchen zu erkennen, wird anschließend ein Urinsediment durchgeführt. Eine Urinkultur und ein Antibiogramm geben Aufschluss über Art der Erreger und das passende Antibiotikum.

Mit dem Ultraschall prüft der Arzt, ob eventuell ein Harnstau vorliegt oder die Infektion schon auf das Nierenbecken übergegriffen hat.

Bei Blutbeimengung im Urin (Hämaturie) ohne bekannte Ursache, schlägt der Arzt eine Blasenspiegelung vor, um die Ursache zu klären. Diese wird aber erst nach Abklingen der Beschwerden durchgeführt.

Da Schwangere immer erweiterte Harnwege haben und besonders zu Blasenentzündungen neigen (die nicht selten Auslöser einer Frühgeburt sind), wird bei ihnen der Urin regelmäßig auf Zeichen einer Infektion kontrolliert. Besonders sorgfältig müssen auch Diabetiker betreut werden, denn sie sind für alle bakteriellen Infektionen anfälliger.

Differenzialdiagnosen: Die Reizblase und die interstitielle Zystitis sind Erkrankungen, die dieselben Beschwerden wie eine Blasenentzündung verursachen – aber weder Blase noch Harnwege sind mit Keimen besiedelt. Selten verbirgt sich hinter chronischen Harnwegsentzündungen eine Tuberkulose. Weitere Differenzialdiagnosen sind Fremdkörper in der Blase, Harnblasensteine und das Harnblasenkarzinom.

Behandlung

Grundlage jeder Behandlung ist eine hohe Trinkmenge, um die Harnwege gut durchzuspülen und das Ausschleusen etwaiger Erreger zu fördern. Durch Bakterien verursachte Entzündungen erfordern eine Therapie mit Antibiotika. Vor Therapiebeginn lässt der Arzt eine Urinkultur anlegen, um die Bakterien zu identifizieren und das entsprechende Antibiotikum zu wählen (Antibiogramm). Da dies mehrere Tage dauert, verordnet der Arzt zuerst ein Breitspektrum-Antibiotikum, das die wahrscheinlichsten Bakterien, meist Escherichia coli, bekämpft. Nach Vorliegen des Antibiogramms wechselt er gegebenenfalls das Medikament. Bleiben die Beschwerden trotzdem bestehen oder weist die Kontrolle des Urins weiter auf eine Blasenentzündung hin, sind vermutlich die Nieren beteiligt oder es liegt eine Behinderung des Harnabflusses vor. Dies weist der Arzt per Ultraschall nach und prüft auch, wie gut sich die Blase entleert (Restharnbestimmung).

Welchen antibiotischen Wirkstoff der Arzt wählt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, vor allem von der lokalen Resistenzlage der Erreger (also davon, ob das Bakterium überhaupt noch empfindlich gegen ein Antibiotikum ist). Die Therapie muss der Arzt deshalb immer an die aktuellen Empfehlungen anpassen.

  • Als Ersttherapie kommen bei der unkomplizierten Blasenentzündung der Frau in Frage:
    • Fosfomycin-Trometamol (z. B. Monuril®) als Einmalgabe
    • Pivmecillinam (z. B. X-Systo®)
    • Nitroxolin (z. B. Nitroxolin forte®)
  • Schlägt die Ersttherapie nicht an, wechselt der Arzt z. B. auf
    • Nitrofurantoin (z. B. Furadantin RP®)
    • Fluorochinolone wie Ciprofloxacin (z. B. Keciflox®) oder Levofloxacin (z. B. Tavanic®)
    • Cephalosporine wie Cefuroxim (z. B. Cefuroxim AbZ®)
    • Trimethoprin/Sulfamethoxazol (Cotrimoxazol, z. B. Cotrim®)
  • Bei Schwangeren sind folgende Wirkstoffe erlaubt:
    • Cefuroxim, Amoxicillin (z. B. Clamoxyl®) oder einmalig Fosfomycin-Trometamol (z. B. Monuril®)
  • Blasenentzündungen bei Männern: Hier muss eine mögliche Beteiligung der Prostata berücksichtigt werden. Die bei Frauen bevorzugt eingesetzten Antibiotika Fosfomycin und Nitrofurantoin erreichen die Prostata nicht. Stattdessen kommen bei Männern zum Einsatz
    • Fluorchinolone
    • Cephalosporine
    • Aminopenicillin plus Betalaktamasehemmer (z. B. Unacid®).
    • Carbapeneme (z. B. Meronem®).
  • Bei Kindern richtet sich die Therapie nach dem Alter, es kommen unterschiedliche Wirkstoffe in Frage, deren Dosis der Arzt meist anhand des Körpergewichts berechnet. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Amoxicillin, Ceftriaxon oder Cotrimoxazol.

Bei chronisch-rezidivierender Blasenentzündung unterscheidet sich die Therapie nicht von der einer akuten Blasenentzündung. Oft empfiehlt der Arzt auch die Dauervorsorge mit einem Antibiotikum wie Nitrofurantoin (z. B. Uro-Tablinen®, 1–2 Tabletten täglich) oder Trimethoprin/Sulfamethoxazol (z. B. Cotrim®) einmal täglich. Dabei wird mindestens eine Tablette abends eingenommen, um den Wirkstoff über Nacht im Urin anzureichern.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Trinken. Erhöhen Sie Ihre Trinkmenge auf 3–4 l pro Tag, sobald Sie die ersten Beschwerden bemerken – das schwemmt die Erreger aus. Besonders gut geeignet sind Wasser, verdünnte Säfte oder ungesüßte Kräutertees. Spezielle Blasentees (aus der Apotheke) − meist mit Bärentrauben, Brennnessel, Goldrute, Schachtelhalm oder Birke − wirken harntreibend und leicht desinfizierend. 3–4 Tassen Blasentee pro Tag reichen aus. Entleeren Sie die Blase regelmäßig und vollständig. Gehen Sie aber nicht ständig auf die Toilette – bei manchen Menschen entwickelt sich sonst ein Automatismus, schon bei leichter Blasenfüllung einen starken Harndrang zu verspüren.

Blasentees mit Bärentraubenblättern dürfen maximal fünfmal im Jahr für je 1 Woche angewendet werden, da Abbauprodukte des Tees Leberschäden verursachen können.

Wärme. Wärme wirkt schmerz- und krampflindernd: Legen Sie Wärmeflaschen, Kirschkernsäckchen oder Heublumenauflagen aus der Apotheke auf Unterbauch und Rücken oder setzen Sie sich darauf. Decken Sie sich dann mit einer Wolldecke zu, damit die Wärme länger hält.

Ernährung. Wer häufig Antibiotika eingenommen hat, kann mit einer Heilfasten-Therapie von mindestens sieben Tagen seinen Magen-Darm-Trakt entlasten. Danach muss die Darmflora wiederaufgebaut werden. Gleichzeitig sollten vorwiegend basische Lebensmittel verzehrt werden.

Prävention

Insbesondere Frauen leiden unter häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen. Folgende Vorbeugungsmaßnahmen haben sich bewährt:

  • Wischen Sie nach dem Toilettengang und bei der äußeren Reinigung des Intimbereichs stets von vorn nach hinten Richtung After − so vermeiden sie eine Verschleppung der Kolibakterien aus der Analregion in die Harnröhre.
  • Halten Sie Unterleib und Füße warm − Auskühlung schwächt das Immunsystem und bereits vorhandene Erreger vermehren sich schneller.
  • Bevorzugen Sie Wäsche aus luftdurchlässiger Baumwolle, die Schweiß und Feuchtigkeit ableitet. Synthetikstoffe und zu enge Kleidung fördern die Bildung eines feuchten Milieus, in dem sich Bakterien rasch vermehren.
  • Lassen Sie so viel Luft wie möglich an Ihr äußeres Genital, z. B., indem Sie nachts ohne Unterhose und im Nachthemd schlafen.
  • Wechseln Sie beim Baden im Sommer Ihre nasse Badekleidung sofort nach dem Schwimmen, wenn Sie sich noch sonnen wollen.
  • Manchmal begünstigt Sexualkontakt das Einwandern körpereigener Bakterien in die Blase. Nur selten handelt es sich um eine direkte Ansteckung. Deshalb empfiehlt es sich, nach dem Sex Wasser zu lassen − das schwemmt angeschleppte Bakterien wieder aus, bevor sie sich vermehren können. Die Genitalregion sollte am besten in einem Bidet gewaschen werden.
  • Spermizide Gels und mechanische Verhütungsmittel wie Portiokappe oder Diaphragma fördern Blasenentzündungen − wenn Sie diesen Verdacht haben, probieren Sie andere Verhütungsmethoden.
  • Falls Sie bisher Intimsprays verwendet haben: in den Müll damit! Auch sie fördern Blasenentzündungen. Benutzen Sie für die tägliche Reinigung des äußeren Intimbereichs am besten nur Wasser: Wenn Sie milde ph-neutrale Waschlotion bevorzugen, verwenden Sie diese lediglich in geringen Mengen.
  • Genügen alle diese Maßnahmen nicht, ist eine dauerhafte Vorbeugung mit einem Antibiotikum das einzige effektive Mittel, um Nierenschäden und ständige Erkrankungen des Harntrakts zu vermeiden.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Die Pflanzenheilkunde empfiehlt amerikanische Cranberries (Vaccinium macrocarpon, Kranichbeere, großfrüchtige Moosbeere) als Saft je ein Glas morgens und abends. Die Beeren enthalten angeblich Substanzen, die bei regelmäßiger Einnahme offenbar das Anhaften der Bakterien in der Blase vermindern. Die Wirkung ist aber nicht erwiesen.

Um rezidivierenden Blasenentzündungen vorzubeugen, sind Präparate mit Methionin eine gute Wahl. Sie säuern den Urin an und hemmen so die Bakterienvermehrung. Häufig passen sich die Bakterien jedoch nach einer gewissen Zeit an die saure Umgebung an, sodass erneut Blasenentzündungen entstehen.

Teemischungen. Ähnlich entzündungshemmend wie Cranberries wirken Teemischungen aus Liebstöcklwurzel, Rosmarinblättern und Tausendgüldenkraut.

Eine desinfizierende Wirkung haben auch Teemischungen und Präparate mit Goldrutenkraut und Bärentrauben- und Orthosiphonblättern. Während die Blätter nicht länger als vier Wochen eingenommen werden sollten, kann die echte Goldrute als Teemischung oder Fertigpräparat bis zu drei Monaten eingesetzt werden.

Ein Durchspülen der Blase fördern Teemischungen oder Präparate mit Brennnessel, Birke, Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel, Petersilienwurzel und Ackerschachtelhalmkraut.

Teerezeptur zur Durchspülungstherapie bei Blasenentzündungen (1 TL pro Tasse):

  • 30 g Bärentraubenblätter
  • 30 g Orthosiphonblätter (Katzenbartblätter)
  • 20 g Birkenblätter
  • 20 g Kamillenblüten

Arzneimittel mit Senfölglukosiden aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel (z. B. Angocin Anti-Infekt N®) wirken vergleichbar gut wie eine Standard-Antibiotika-Therapie. Der Vorteil der pflanzlichen Präparate: Sie verursachen deutlich weniger Nebenwirkungen und sind dadurch besser verträglich. Präparate mit Senfölglukosiden eignen sich auch, um Harnwegsinfekten vorzubeugen.

Des Weiteren hilft Löwenzahnsaft (3 x täglich 20 ml) im täglichen Wechsel mit Zinnkrautsaft. Zusätzliche Blasenauflagen mit Meerrettich oder Eukalyptusöl einmal täglich wirken unterstützend.

Homöopathie. Viele Homöopathen empfehlen bei einer akuten Blasenentzündung Okoubaka (Schwarzafrikanischer Rindenbaum). Die übliche Dosierung für Erwachsene beträgt dreimal täglich fünf Globuli in der Potenzierung D3 über eine Dauer von drei bis vier Wochen. Kinder erhalten dreimal täglich drei Globuli.

Als Klassiker der Nachbehandlung einer Blasenentzündung gilt Solidago (Goldrute) D3 in kurmäßiger Anwendung. Das bedeutet: Auf eine dreiwöchige Einnahme folgt eine einwöchige Pause, dann wieder eine dreiwöchige Anwendung. Dieser Zyklus kann über längere Zeiträume beibehalten werden.

Zur Vorbeugung einer Blasenentzündung bei bestehender Infektanfälligkeit eignet sich Pichi-Pichi (Falsche Heide). Es gilt als Ausleitungs- und Entgiftungsmittel und wird kurmäßig über mehrere Monate eingenommen. Weitere Anwendungsbereiche für Pichi-Pichi sind Grießbildung in Nieren oder Gallenblase sowie erhöhter Harnsäurespiegel.

Weiterführende Informationen

www.nierenstiftung.de

I. Ehmer: Blasenentzündungen, Blasenschmerzen … damit müssen Sie nicht leben. Zuckschwerdt, 2013. Fachlich sehr kompetenter Ratgeber einer Allgemeinärztin.

Harnblasenkrebs

Harnblasenkrebs (Harnblasenkarzinom, Blasentumor, Urothelkarzinom): Bösartige Wucherung der Harnblasenschleimhaut, die durch Giftstoffe begünstigt wird. Männer – vor allem zwischen 60 und 70 Jahren – sind etwa dreimal häufiger betroffen als Frauen. Dabei lässt sich aktuell jeder zweite Blasenkrebs bei Männern wie Frauen auf das Rauchen zurückführen.

Wird der Harnblasenkrebs früh entdeckt und hat er die Harnblasenwand noch nicht durchbrochen, bestehen gute Heilungschancen; die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt dann ~ 85 %. In fortgeschrittenen Stadien ist oft die operative Entfernung der Harnblase erforderlich, was einen deutlichen Einschnitt in den Alltag bedeutet und meist zur Erwerbsunfähigkeit führt.

Symptome und Leitbeschwerden

Frühstadium: In 80 % der Fälle sichtbare Beimengungen von Blut im Urin, typischerweise schmerzlos und ohne sonstige Beschwerden.

In späteren Stadien:

  • Manchmal häufiger oder verstärkter Harndrang
  • Schmerzen in der Nierengegend durch Harnaufstauung in den Nieren
  • Gewichtsverlust.

Wann zum Arzt

In den nächsten zwei Tagen, wenn

  • Blut im Urin ist.

Sofort, wenn

  • kein Wasserlassen mehr möglich ist.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Harnblasentumoren sind bösartige Wucherungen der Blasenschleimhaut und stellen den häufigsten Krebs des Harntrakts dar. Die Tumoren wachsen meist in Form kleiner Ausstülpungen (Polypen) direkt aus der Harnblasenschleimhaut und sind in 95 % der Fälle bösartig.

Formen

  • Bei ~ 75 % der Erkrankungen handelt es sich um relativ gutartige papilläre (knospenartig wachsende) Krebsformen, die nur die innerste Schicht der Blasenwand betreffen und noch nicht in die Blasenmuskulatur eingewachsen sind.
  • Eine Sonderform stellt das Karzinoma in situ, Blasen-CIS, dar: Es ist auf die oberflächlichen Schichten beschränkt und eigentlich ein sehr frühes Krebsstadium, dennoch ist es in der Blase wegen der raschen Ausbreitung in der gesamten Blasenwand prognostisch ungünstig.
  • Liegt ein flächenhaft infiltrierender Harnblasenkrebs vor, so ist er bereits meist in die Muskulatur der Harnblase eingewachsen und breitet sich rasch in die angrenzenden Nachbarorgane (z. B. Prostata oder Gebärmutter) aus. Dies bedeutet eine deutlich schlechtere Prognose.

Ursachen und Risikofaktoren

Harnblasentumoren entstehen nachweislich durch den schädlichen Einfluss krebsauslösender Giftstoffe, sodass Raucher ein stark erhöhtes Risiko für Harnblasenkrebs haben. Als Auslöser sind jedoch auch Substanzen aus der Industrie bekannt, die z. B. in bestimmten Haarfärbemitteln vorkommen oder in der Textil- und Lederindustrie verwendet werden. Harnblasenkrebs ist als Berufskrankheit anerkannt, wenn der Zusammenhang zwischen Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz und der Erkrankung bewiesen werden kann.

Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung von Harnblasentumoren sind genetische Veranlagung, chronische Blasenentzündung, dauerhaft niedrige Trinkmengen und die Einnahme von Medikamenten wie z. B. Cyclophosphamid.

Komplikationen

Ist der Urin stark blutig, besteht die Gefahr, dass Blutgerinnsel in der Blase zurückbleiben und schließlich den Blasenausgang verstopfen (Blasentamponade). Ein Wasserlassen ist dann nicht mehr möglich, es kommt zum Harnverhalt. Die Blutgerinnsel werden über einen Katheter oder endoskopisch entfernt.

Eine gefürchtete Komplikation im Spätstadium ist die Bauchfellentzündung durch Riss der Harnblase (Perforation).

Diagnosesicherung

Mit Urin-Teststreifen identifiziert der Arzt Spuren von Blut im Urin. Auch eine Urinkultur wird angelegt, da häufig eine begleitende Harnwegsinfektion besteht. In der Urinzytologie lassen sich vor allem beim fortgeschrittenen Harnblasenkrebs abgeschilferte Tumorzellen nachweisen.

Bei einer bereits mit bloßem Auge erkennbaren Blutbeimengung im Urin (Makrohämaturie) ist eine Abklärung umso dringender. Einen ersten orientierenden Hinweis kann ein Urin-Schnelltest (Bestimmung des Proteins NMP 22) geben, der jedoch auch häufig positiv ist, wenn kein Tumor vorliegt.

Per Ultraschall erkennt der Arzt eine bereits bestehende Harnstauung in den Nieren oder Ursachen für die Blutung wie Nieren- und Harnleitersteine. Tumoren sind allerdings erst ab einer gewissen Größe im Ultraschall sichtbar. Daher nimmt der Arzt schon bei einer einmaligen Mikrohämaturie eine Kontrastmitteluntersuchung des Harntrakts (Ausscheidungsurogramm) und eine Harnblasenspiegelung vor. Gegebenenfalls entnimmt er Urin direkt aus der Blase (Blasenspülzytologie), um Krebszellen nachzuweisen.

Mit den bildgebenden Verfahren CT, Kernspin und Knochenszintigrafie entdeckt der Arzt möglicherweise bereits vorhandene Metastasen.

Differenzialdiagnosen: Andere Erkrankungen mit dem Vorkommen von Blut im Urin sind neben der Blasenentzündung vor allem weitere Tumoren des Urogenitaltrakts wie der Prostatakrebs und der Nierenkrebs, sowie die Glomerulonephritis, Nierensteine und Blutgerinnungsstörungen.

Behandlung

Die Therapie des Harnblasenkarzinoms hängt maßgeblich von der Art, dem Sitz und dem Stadium des Tumors ab. Problematisch ist, dass die Tumoren oft wiederkehren – in ~ 60 % der Fälle auch nach ihrer vollständigen Entfernung. Da die Gewebestruktur in Harnblase, Harnleiter und im Nierenbecken identisch ist, können die Tumoren gleichzeitig an verschiedenen Stellen auftreten. Die Therapie fortgeschrittener oder großflächiger Tumoren erweist sich als schwierig.

Behandlungsstrategien nach Tumorstadium

Überblick über die Behandlungsverfahren beim Blasenkrebs (Erklärung der einzelnen Methoden unten).

Lokal begrenzte Tumoren (Karzinoma in situ und Tumoren, die die Muskulatur der Harnblase noch nicht durchbrochen haben:

  • Die Transurethrale Resektion der Blase (TUR-B, TUR-Blase, verallgemeinernd auch Elektroresektion) nimmt der Arzt im Rahmen einer Harnblasenspiegelung vor. Dazu führt er unter Vollnarkose ein starres Rohr über die Harnröhre in Richtung Harnblase, durch das sich zusätzliche Operationsinstrumente wie z. B. eine Hochfrequenzstrom führende Drahtschlinge einbringen lassen. Mit deren Hilfe wird ein oberflächlicher Tumor dann vollständig entfernt.
  • Lokale Chemotherapie: Nach der Operation wird Mitomycin C oder BCG direkt in die Blase eingegeben (Einmalgabe oder wöchentlich).

Lokal fortgeschrittene Tumoren (Tumoren, die die Muskulatur der Blasenwand durchbrochen aber noch keine Fernmetastasen gestreut haben):

  • Harnblasenentfernung (Radikale Zystektomie) und Harnableitung über eine künstliche Blase (siehe unten).
  • Evtl. systemische Chemotherapie vor oder nach der Harnblasenentfernung, um den Tumor vor der Operation zu verkleinern oder eventuelle Tumorreste nach der Operation zu bekämpfen.

Tumoren mit Fernmetastasen

  • Systemische Chemotherapie/Immuntherapie
  • Evtl. palliative Harnblasenentfernung und Harnableitung (z. B. wenn die Harnwege durch den Tumor oder Metastasen blockiert sind).

Transurethrale Resektion der Blasen (TUR-B)

Seit einigen Jahren gibt es die Photodynamische Diagnostik (PDD), mit der auch kleinste Tumoren erkannt werden können. Vor der Operation füllt der Arzt die Blase mit einer fluoreszierenden Substanz, die sich in den Tumorzellen anreichert. Wird der Tumor nun mit Licht einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt, leuchten die Fluoreszenzmoleküle, sodass sich die Tumorzellen bei der Blasenspiegelung von den gesunden Gewebezellen deutlich unterscheiden und gezielter entfernt werden können.

Die nachträgliche feingewebliche Untersuchung des entfernten Gewebes im Labor zeigt, wie weit der Tumor in die tieferen Schleimhautschichten eingewachsen ist. Wurde der Tumor durch die Biopsie bereits komplett entfernt, erübrigt sich oft auch jede weitere Therapie.

Nachkontrolle. Wichtig sind in den ersten Jahren regelmäßige Harnblasenspiegelungen zur Kontrolle, denn in bis zu zwei Dritteln der Fälle kommt es zu einem Wiederauftreten. Je nach Stadium und Differenzierungsgrad der Tumorzellen entfernt der Arzt diese meist wieder durch die TUR-B.

Entfernung der Harnblase (Zystektomie)

Bei der radikalen Zystektomie entfernt der Arzt die Harnblase komplett. Außerdem nimmt er bei der Operation vorsorglich die Lymphknoten des Beckens mit heraus, sowie beim Mann zusätzlich die Prostata (radikale Prostatektomie) und bei der Frau die Gebärmutter, die Eileiter und die Eierstöcke sowie ein Teil der Scheidenwand.

Harnableitung. Ohne Harnblase muss der Urin umgeleitet werden: Aus Teilen des Darms schafft der Operateur einen Harnblasenersatz (Neoblase), in den die Harnleiter eingepflanzt werden. Diese Eingriffe sind aufwendig und für den Patienten vorübergehend sehr belastend. Inzwischen werden sie in allen größeren urologischen Kliniken durchgeführt.

Folgen von Harnblasenentfernung und Harnableitung. Trotz moderner Operationstechniken kommt es nach einer vollständigen Entfernung der Harnblase und anschließendem Ersatz zu unerwünschten Nebenwirkungen an der Ersatzblase und den Nachbarorganen.

  • Meist besteht zumindest am Anfang eine Harninkontinenz, denn das Halten und kontrollierte Entleeren des Urins muss erst wieder erlernt werden. Sehr hilfreich ist hierbei das Beckenbodentraining. Manchmal sind die Patienten jedoch nicht mehr in der Lage, die Ersatzblase vollständig zu entleeren, dann muss die Blase gegebenenfalls mehrmals täglich über einen Katheter entleert werden.
  • Männer verlieren durch den Eingriff ihre Erektionsfähigkeit, denn auch Prostata und Samenblasen müssen gemeinsam mit der Harnblase komplett entfernt werden. Dabei können die für die Erektion zuständigen Nervenstränge oft nicht geschont werden – die Libido aber bleibt erhalten.
  • Bei Frauen werden häufig die Eierstöcke mit entfernt, was im Alter unter 50 zu vorzeitigen Wechseljahrsbeschwerden führt.

Vorbehandlung und weitere Behandlungsmöglichkeiten

Lokale Chemotherapie. Mit einem Immunmodulator (Wirkstoff, der das Immunsystem beeinflusst) wie Mitomycin C oder BCG® aus abgeschwächten Tuberkuloseerregern lässt sich im frühen Tumorstadium oft das Tumorwachstum stoppen. Damit diese Chemotherapie nur im Blaseninneren wirkt, werden die Substanzen nach einem bestimmten Therapieschema (anfangs meist einmal wöchentlich, dann monatlich) über einen Katheter direkt in die Blase eingefüllt und dort für etwa 2 Stunden belassen – danach entsorgt sie der Patient wieder "auf natürlichem Wege" (Instillationstherapie). Mögliche Nebenwirkungen sind Blasenentzündung und ein starker Reizzustand der Blase und bei der Gabe von BCG gelegentlich Auslösung oder Aktivierung einer Tuberkulose.

Systemische Chemotherapie. Ist das Tumorwachstum bereits so weit fortgeschritten, dass der Tumor in die Muskulatur der Blasenwand eingewachsen ist, erwägt der Arzt in Einzelfällen vor der operativen Entfernung der Harnblase eine systemische Chemotherapie (z. B. mit Gemcitabin oder Cisplatin), um den Tumor zu verkleinern. Hierbei werden die Medikamente durch eine Infusion verabreicht. Gelingt so eine Verkleinerung des Tumors, vereinfacht diese die Operation oder macht sie manchmal auch erst möglich.

In manchen Fällen empfehlen die Ärzte eine systemische Chemotherapie auch nach der radikalen Blasenentfernung, z. B. wenn das Tumorwachstum weit fortgeschritten war. Diese Chemotherapie beginnt in der Regel innerhalb der ersten 12 Wochen nach der Operation.

Als alleinige Therapie wird die systemische Chemotherapie nur eingesetzt, wenn bereits Fernmetastasen z. B. in Knochen, Leber oder Lunge vorliegen, der Tumor also bereits in andere Gewebe gestreut hat. Manchmal stellt sie die einzige Möglichkeit dar, die Überlebenszeit zu verlängern. Die Wirksamkeit ist aber begrenzt: Noch am besten hat sich eine Form der Chemotherapie bewährt, in der vier verschiedene Wirkstoffe nach einem bestimmten Schema eingesetzt werden (z. B. nach MVAC-Schema mit den Substanzen Methotrexat, Vinblastin, Adriamycin und Cisplatin). Nur in ~ 20 % der Fälle geht der Tumor vollständig zurück, und bei noch weniger Patienten hält der Erfolg langfristig an. Daher sind neue Schemata in Erprobung, die zum Teil auch verträglicher sind.

Immuntherapie. Hierbei wird mit verschiedenen Substanzen (z. B. Antikörpern) das patienteneigene Immunsystem dazu gebracht, den Tumor selbst zu bekämpfen. Inzwischen haben beim Harnblasenkrebs mehrere Studien die Wirksamkeit der Immuntherapie mit sogenannten PD1- bzw. PDL1-Hemmern nachgewiesen. Sie werden vor allem beim Versagen einer vorherigen Chemotherapie eingesetzt. Zugelassen zur Therapie des Harnblasenkrebses sind bisher z. B. Atezolizumab (Tecentriq®), Nivolumab (Opdivo®) und Pembrolizumab (Keytruda®).

Bestrahlung. Die Bestrahlung allein ist leider nur wenig wirksam und stellt deshalb keine Alternative zur operativen radikalen Blasenentfernung dar. Nur wenn der Patient nicht operiert werden kann oder es sein ausdrücklicher Wunsch ist, wird eine Bestrahlung vorgenommen. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt dann aber nur bei maximal 40 %.

Radiochemotherapie. Die Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie, die Radiochemotherapie, erzielt etwas höhere Erfolge als die alleinige Anwendung eines der beiden Verfahren. Zuvor sollte der Blasentumor möglichst per TURB komplett entfernt worden sein.

Prognose

Die 5-Jahres-Überlebensrate hängt davon ab, ob es sich um einen lokal begrenzten Tumor handelt (5-Jahres-Überlebensrate ~ 85 %) oder um einen lokal fortgeschrittenen Tumor (5-Jahres-Überlebensrate maximal 60 %). Liegen Lymphknotenmetastasen vor, beträgt die 5-Jahres-Überlebenszeit etwa 33 %. Bei Fernmetastasen beträgt die mittlere Überlebenszeit 6–9 Monate. Mit Chemotherapie bzw. Immuntherapie kann sie auf etwa 14 Monate verlängert werden.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Wie bei allen Krebsarten ist auch die Diagnose "Blasenkrebs" begleitet von dem Gefühl, "in ein tiefes Loch zu fallen". Zudem muss sich der Patient häufig mit einer Blasenentfernung abfinden und die Nebenwirkungen und Folgen der Behandlung ertragen. Dazu gehören Beschwerden beim Wasserlassen, Potenzstörungen und (vorübergehende) Harninkontinenz nach der Operation. Daher ist nach überwundener Blasenkrebserkrankung eine Rehabilitation in einer Spezialklinik oder eine ambulante Nachsorge, abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten, sehr wichtig.

Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt über Ihre Ängste und Beschwerden. Inwieweit die folgenden Ratschläge in Ihrer ganz persönlichen Situation nützlich sind, können letztlich nur Sie selbst entscheiden:

  • Körperliche Aktivität setzt neue Energie frei: Machen Sie regelmäßig ein Ihrer körperlichen Verfassung angemessenes Ausdauertraining, etwa Wandern, Walking oder Schwimmen.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung − so fühlen Sie sich wohler und stärken Ihr Immunsystem.
  • Mobilisieren Sie Ihre inneren Kräfte: Entspannungsverfahren, kreative Tätigkeiten mit Musik und Literatur oder ein Hobby helfen Ihnen bei der Bewältigung der Krankheit.
  • Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus: Selbsthilfegruppen bieten Möglichkeiten, offen über Sorgen und Probleme zu sprechen.

Prävention

Besonders wichtig ist bei Blasenkrebs das Einhalten der empfohlenen Nachsorgeuntersuchungen – auch nach erfolgreicher Therapie.

Weiterführende Informationen

www.krebshilfe.de 

Internetseite der Deutschen Krebshilfe, Bonn: Unter der Rubrik Infoangebot gibt es eine ausführliche Übersicht zum Blasenkarzinom.

www.blasenkrebs-shb.de

Internetseite des Selbsthilfe-Bundes Blasenkrebs e. V., Mülheim/Ruhr: Bietet vielfältige Informationen für Betroffene und Angehörige sowie Erfahrungsberichte von Patienten.

Harnblasenverletzung und Harnröhrenverletzungen

Harnblasen- undHarnröhrenverletzungen: Kommen fast nur im Rahmen von Mehrfachverletzungen (z. B. bei Verkehrsunfällen) vor, oft kombiniert mit einem Beckenbruch. Ausnahmen sind Harnröhrenverletzungen nach einem Sturz aus größerer Höhe oder Verletzungen von Harnröhre und Harnblase infolge operativer Eingriffe. Eine Verletzung der weiblichen Harnröhre ist sehr selten.

Das Ausmaß der Verletzungen reicht von kleinen Einrissen in Harnblase oder Harnröhre über größere Blasenverletzungen bis hin zum vollständigen Abriss der Harnröhre. Dementsprechend breit gefächert sind auch die therapeutischen Maßnahmen, sie reichen vom einfachen Legen eines Dauerkatheters und Abwarten auf die spontane Heilung bis hin zur sofortigen offenen Operation.

Als Folgen einer Harnröhrenverletzung und ihrer Versorgung drohen Harninkontinenz, Harnröhrenstrikturen und Erektionsstörungen.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Blutung aus der Harnröhre
  • Blutiger Urin
  • Bauchschmerzen
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Harnverhalt (spontanes Wasserlassen ist nicht mehr möglich).

Wann zum Arzt

Sofort zum Arzt bzw. den Notarzt rufen bei

  • Blutungen aus der Harnröhre
  • komplettem Harnverhalt (Unfähigkeit, Wasser zu lassen)
  • schweren Verletzungen.

Die Erkrankung

Bei Männern unterscheidet man die hintere Harnröhre, die im Bereich von Prostata und Becken liegt und die vordere, im Penis liegende Harnröhre. Ursache einer hinteren Harnröhrenverletzung sind meist Beckenringfrakturen. Verletzungen der vorderen Harnröhre entstehen durch Penisfrakturen oder andere direkte stumpfe oder scharfe Gewalteinwirkungen.

Harnröhrenverletzungen bei Frauen sind durch die komplett geschützt im Becken liegende Harnröhre selten, sie kommen vor allem bei Beckenringfrakturen vor.

Seltenere Ursachen von Verletzungen der Harnblase oder Harnröhre sind operative Eingriffe oder das unsachgemäße Legen eines Dauerkatheters sowie die Schädigung der Harnröhre durch autoerotische Manipulationen.

Diagnosesicherung

Bei Verdacht auf eine Verletzung der Harnröhre wird zunächst Kontrastmittel in die äußere Harnröhrenöffnung gespritzt und ein Röntgenbild angefertigt (Urethrozystogramm), um anschließend einen Blasenkatheter zu legen. Diese Reihenfolge ist sehr wichtig, denn wenn der Arzt das Ausmaß der Verletzung noch nicht kennt und/oder der Katheter unachtsam gelegt wird, droht aus einem Einriss der Harnröhre ein kompletter Abriss zu werden.

Behandlung

Harnröhrenverletzungen

Katheterisierung und Abwarten. Wenn das Urethrozystogramm ergibt, dass die Harnröhre intakt oder nur wenig eingerissen ist, legt der Arzt unter Röntgen- und Sichtkontrolle vorsichtig einen Katheter über die Harnröhre in die Blase (transurethrale Katheterisierung). Ist die Harnröhre hingegen stärker eingerissen, wird ein Blasenkatheter durch die Bauchdecke in die Harnblase gelegt (suprapubischer Blasenkatheter), um den Urin zur Entlastung der Harnröhre nach außen abzuleiten. Sehr häufig heilt die Verletzung so innerhalb von 2 bis 3 Wochen ohne weitere operative Maßnahmen spontan ab.

Sofortige operative Versorgung. Im Rahmen der operativen Versorgung der Beckenfraktur versorgen die Ärzte einen Harnröhrenabriss über einen Zugang über dem Schambein gleich mit. Meist wird eine End-zu-End-Anastomose angelegt, d. h., die abgerissenen Teile der Harnröhre wieder miteinander vernäht.

Verzögerte operative Versorgung. Bei Patienten mit Harnröhrenabriss, die für eine sofortige Operation zu instabil sind, legen die Ärzte zunächst für 3–4 Monate einen suprapubischen Blasenkatheter. Da durch die Ausheilung Narben und damit Harnröhrenstrikturen drohen, werden diese nach Abheilen entweder endoskopisch therapiert (siehe Harnröhrenstriktur) oder offen operiert (End-zu-End-Anastomose).

Blasenverletzungen

Einrisse der Harnblase werden möglichst bald operativ verschlossen. Bis zur Heilung ist ein Dauerkatheter zur Ableitung des Urins notwendig.

Prognose

Typische Folgen einer Harnröhrenverletzung und ihrer Versorgung sind erektile Dysfunktion und Belastungsinkontinenz (durch Nervenverletzungen bei der Operation) sowie Harnröhrenstrikturen durch narbige Verwachsungen im Heilungsprozess.

Das Risiko einer erektilen Dysfunktion ist am niedrigsten bei der transurethralen bzw. suprapubischen Katheterisierung und primären Heilung ohne Operation.

Harninkontinenz

Harninkontinenz (Blasenschwäche): Unwillkürlicher Urinabgang, je nach bestehender Ursache Unterscheidung von fünf verschiedenen Formen. Betrifft vor allem ältere Menschen; sind jüngere Menschen betroffen, dann z. B. Frauen nach schweren Geburten oder Männer nach einer radikalen Prostataentfernung.

Wird die richtige Diagnose gestellt und die Inkontinenz von einem spezialisierten Arzt behandelt, ist die Therapie meist erfolgreich, zumindest erziehlt sie eine Besserung.

Leitbeschwerden

  • Unwillkürlicher Urinverlust, z. B. beim Husten, Laufen, Pressen oder bei starkem Harndrang
  • Brennen beim Wasserlassen und häufiger Harndrang infolge einer Blasenentzündung, da hier oft zeitweise eine Inkontinenz besteht
  • Urinabgang, wobei die Blase sich weiterhin voll anfühlt und schmerzt (bei Überlaufinkontinenz)
  • Bei zu geringer Trinkmenge: dunkler, konzentrierter und unangenehm riechender Urin.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn die genannten Beschwerden neu auftreten oder sich verschlimmern.

Heute noch, wenn es zu unwillkürlichem Urinabgang kommt, verbunden mit dem Gefühl der weiterhin vollen Blase (Überlaufinkontinenz) oder wenn Fieber besteht.

Die Erkrankung

Drei Muskeln bzw. Muskelgruppen wirken bei der Speicher- und Entleerungsfunktion der Harnblase mit: der Blasenmuskel, der Harnblasenschließmuskel und der Harnröhrenschließmuskel. Der Blasenmuskel wird über das vegetative Nervensystem gesteuert. Erst wenn der vom Gehirn gesteuerte willentliche Entschluss zum Wasserlassen gegeben ist, zieht sich der Blasenmuskel zusammen. Gleichzeitig öffnet zu Beginn des Wasserlassens über einen Reflex der Harnblasenschließmuskel den Blasenauslass, so dass der Urin in die Harnröhre und schließlich in die Toilette fließt. Nur der Harnröhrenschließmuskel als Bestandteil der Beckenbodenmuskulatur kann willkürlich angespannt werden.

Differenzierung. Bei Harninkontinenz liegt eine Störung von mindestens einer der drei Muskelgruppen vor. Zusätzlich wirkt das vegetative Nervensystem vielfältig auf das Zusammenspiel der Muskelgruppen ein: So haben viele Betroffene erfahren, dass psychische Belastungen wie Stress und Konflikte die Inkontinenz verstärken, ebenso wie eine falsche Selbsttherapie, vor allem eine zu geringe Trinkmenge. Häufig treten auch zwei Inkontinenzformen kombiniert auf, allen voran die Dranginkontinenz zusammen mit der Belastungsinkontinenz, was die Diagnose für den Arzt erschwert. Jedoch ist die Festlegung auf eine der fünf Inkontinenzformen unerlässlich, weil sie sich in der Therapie stark unterscheiden.

www.salevent.de, Michael Amarotico, München
Die Ursachen der Inkontinenz verteilen sich bei Mann und Frau unterschiedlich.

Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz): Urinverlust, sobald der Druck im Bauchraum den Harnröhrendruck übersteigt, so z. B. beim Husten, Springen, Gehen, Pressen. Vorwiegend sind Frauen betroffen. Bei der Belastungsinkontinenz kommt es meist durch eine Senkung von Blase und/oder Enddarm zu einer Störung des Blasenverschlusses. Da der Blasenverschluss nun nicht mehr im Bereich der Beckenbodenmuskulatur liegt, kann er folglich nicht mehr von der Beckenbodenmuskulatur kontrolliert werden. Ursache ist entweder eine Beckenbodenschwäche nach Geburten, oder das Gewebe um die Harnröhre kann dem ausgeübten Druck nicht mehr standhalten (z. B. aufgrund eines Östrogenmangels während oder nach den Wechseljahren).

In manchen Fällen, wenn sich die Blase zu stark senkt und sich daher der Eintrittswinkel zur Harnröhre zu stark ändert, ist eine gestörte Blasenentleerung die Folge: Dabei handelt es sich also nicht um eine Inkontinenz, sondern um eine vermehrte Restharnmenge. Hier ist vor allem die genaue Diagnose beim Spezialisten entscheidend. Bei Männern tritt eine Belastungsinkontinenz praktisch nur nach Unfällen, einer radikalen Prostataentfernung oder einer kompletten Harnblasenentfernung mit Bildung einer Ersatzblase mit Darmanteilen auf.

Dranginkontinenz (Urge-Inkontinenz): Sehr starker und manchmal schmerzhafter Harndrang, gefolgt von Urinverlust. Die Dranginkontinenz ist meist durch einen überaktiven Blasenmuskel, eine verringerte Blasenkapazität oder einen akuten oder chronischen Reizzustand der Harnblase (Blasenentzündung) bedingt. Manchmal sind Harnblasenkrebs oder Harnblasensteine die Ursache, was der Urologe durch eine Harnblasenspiegelung abklärt. Drang- und Belastungsinkontinenz treten teilweise auch gemeinsam auf, auch der Übergang zur Reizblase ist fließend.

Überlaufinkontinenz (Überlaufblase): Urinverlust bei maximal gedehnter Blase infolge einer Abflussbehinderung – stellt daher eigentlich einen Harnverhalt dar –, am häufigsten bei einer Prostatavergrößerung. Mit zunehmender Blasenfüllung steigt der Druck in der Blase so sehr, dass Urin unwillkürlich in kleinen Portionen abgeht. Bleibt die Abflussbehinderung unbehandelt, führt die Störung der Blasenentleerung zu einer zunehmenden Überdehnung und Trägheit des Blasenmuskels und in der Folge zu einem kompletten Harnverhalt mit Schädigung der Blasenmuskulatur. Zudem steigt das Risiko für Blasenentzündungen und – durch die chronische Stauung des Urins bis zurück in die Nieren – für ein Nierenversagen.

Reflexinkontinenz (Reflexblase): Reflexartige Blasenentleerung bei neurologischen Grunderkrankungen, wie z. B. Rückenmarksverletzungen, bei denen die Nervenverbindung zwischen Rückenmark und Gehirn geschädigt bzw. unterbrochen ist. Sind die Nervenbahnen komplett unterbrochen, fehlt der Harndrang völlig, der Blasenmuskel zieht sich reflexartig von selbst zusammen und die Harnröhre öffnet sich, ohne dass die Betroffenen darauf Einfluss nehmen können. Es gibt jedoch auch abgeschwächte Formen, bei denen z. B. das Harndranggefühl erhalten ist.

Extraurethrale Inkontinenz: Urinverlust außerhalb der Harnröhre (oder besser des Harnröhrenschließmuskels) infolge angeborener Störungen wie etwa bei einem Harnleiter, der direkt in die Harnröhre unterhalb des Schließmuskels mündet, oder bei einer Blasen-Scheiden-Fistel (Verletzung der trennenden Schicht zwischen Blase und Scheide nach Unfällen oder Operationen). Bei dieser Form des Urinverlusts kann die Kontinenz nur durch eine Operation wiederhergestellt werden.

Das macht der Arzt

Die Diagnose gehört in die Hand eines Urologen oder Gynäkologen. Eine ausführliche Befragung des Patienten liefert dem Arzt meist schon entscheidende Hinweise auf die Art und das Ausmaß der Harninkontinenz. Ein Miktionsprotokoll hilft dabei, die Ursache einer Blasenschwäche zu erkennen. Darin notiert der Patient seine tägliche Trink- und Urinmenge sowie Situationen, in denen Urin abgeht, wie zum Beispiel beim Niesen.

Es folgt eine Untersuchung von Nieren und Harnblase per Ultraschall, um z. B. Steine oder eine erhöhte Restharnmenge auszuschließen. Eine verdickte Blasenwand weist auf eine chronische Abflussbehinderung, z. B. bei einer Prostatavergrößerung, oder eine neurologische Grunderkrankung hin.

Da eine Blasenentzündung eine Harninkontinenz verstärken oder vorübergehend auslösen kann, wird der Urin untersucht (Urinkultur ) und die Nierenwerte im Blut (Kreatinin), Harnstoff werden bestimmt. Bei Frauen ab etwa 45 Jahren ist auch eine Kontrolle des Östrogenspiegels sinnvoll.

Das Ausscheidungsurogramm und die Harnblasenspiegelung ermöglichen den Ausschluss angeborener Fehlbildungen sowie den Nachweis von Steinen und Tumoren. Bei der Blasenspiegelung führt der Arzt zusätzlich einen Stresstest durch: Nach Auffüllen der Harnblase mit Wasser wird die Patientin zum Husten aufgefordert, um die Verschlussfunktion der Harnröhre beurteilen zu können. Manchmal fällt dabei auch eine Senkung oder ein Vorfall der Gebärmutter auf.

Mit der Urodynamik findet der Arzt heraus, um welche Form der Harninkontinenz es sich handelt, und empfiehlt aufgrund der Messwerte, abgestimmt auf die Angaben aus dem Patientengespräch, die optimale Therapie. Das Harnröhrendruckprofil wird bei Verdacht auf eine Belastungsinkontinenz durchgeführt (dies betrifft vor allem Frauen, bei denen sich die Organe im Becken gesenkt haben).

Behandlung der Belastungsinkontinenz

Der Arzt empfiehlt in jedem Fall – auch wenn eine Operation geplant ist – ein intensives Beckenbodentraining. Außerdem verschreibt er der Patientin eine östrogenhaltige Salbe (z. B. Linoladiol®, OeKolp®) zur Verbesserung der Gewebebeschaffenheit von Scheide, Harnröhrenausgang und Harnröhrenverschluss, die gleichzeitig auch Harnwegsinfektionen vorbeugt.

Sondertext: Beckenbodentraining: das A und O bei Senkungs- und Inkontinenzbeschwerden

Ein Medikament mit dem Wirkstoff Duloxetin (Yentreve®) kann bei Belastungsinkontinenz verschrieben werden, insbesondere dann, wenn durch das Beckenbodentraining keine Besserung erreicht wurde. Anfangs treten häufig Nebenwirkungen wie z. B. Übelkeit auf, die sich jedoch meist nach etwa 2 Wochen verlieren.

Wenn die Senkung der Beckenorgane stark ausgeprägt ist oder der Verschluss der Harnröhre schon geringem Druck nicht mehr standhält, reichen konservative Methoden allein nicht aus, um die Harninkontinenz in den Griff zu bekommen, sodass der Arzt zu einer Operation rät. Welches Verfahren er empfiehlt, hängt vom Einzelfall ab. Die erst 1996 eingeführte Schlingenplastik weist bei richtiger Indikation und Technik eine Erfolgsquote von ~ 85 % auf. Ziel aller Operationen ist, das Zusammenspiel von Beckenboden und Harnröhre bei der Kontinenzfunktion wiederherzustellen. Der Eingriff wird im Krankenhaus vorgenommen; die Patientin muss danach einige Tage im Krankenhaus bleiben, damit die Blasenfunktion über einen suprapubischen Blasenkatheter kontrolliert werden kann, der bei der Operation gelegt werden muss.

Behandlung der Dranginkontinenz

Ist die Dranginkontinenz nicht sehr ausgeprägt, empfiehlt der Arzt das Blasen- und/oder Toilettentraining. Dabei hält sich der Patient an regelmäßige Zeiten, zu denen er die Toilette aufsucht, um schließlich die Zeitabstände zwischen den Toilettengängen schrittweise zu verlängern.

Mit Medikamenten (Anticholinergika) wie Darifenacin (Emselex®), Tolterodin (Detrusitol®), Oxybutynin (Dridase®, Lyrinel®), Trospiumchlorid (Spasmex®) oder Solifenacin (Vesikur®) zur Dämpfung des Blasenmuskels oder des Harndrangs kann die Dranginkontinenz meist gut behandelt werden. Die meisten Anticholinergika werden einmal pro Tag eingenommen. Prinzipiell wirken diese Medikamente trotz unterschiedlicher Zusammensetzung ähnlich. Sie alle entspannen den Blasenmuskel. Weil dieser sich nicht mehr so stark zusammenzieht, vergrößern sich das Fassungsvermögen der Blase und die Zeitabstände zwischen den Toilettengängen. Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Pupillenerweiterung, erhöhter Augeninnendruck, beschleunigter Herzschlag, Verstopfung und erhöhte Restharnbildung und damit ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte. Unter Anticholinergika-Therapie werden regelmäßige ärztliche Kontrollen des Restharns durch eine kurze Ultraschalluntersuchung empfohlen. Bei Nebenwirkungen ist es sinnvoll, ein anderes Präparat zu probieren. Bei Herzrhythmusstörungen oder einem erhöhten Risiko für Harnverhalt sind Anticholinergika kontraindiziert.

Oxybutynin gibt es für Patienten mit Schluckbeschwerden auch als Pflaster, das zweimal pro Woche auf den Bauch, die Hüfte oder den Oberschenkel aufgeklebt wird.

Bei bestimmten Formen des Grünen Stars und erhöhtem Augendruck sollten diese Medikamente nicht oder nur unter regelmäßiger augenärztlicher Kontrolle eingenommen werden.

Mit dem Beginn der Wechseljahre ist es für Frauen oft zweckmäßig, Östrogenpräparate in Form von Cremes oder Scheidenzäpfchen im Bereich von Scheide und äußerer Harnröhrenöffnung anzuwenden. Dadurch verbessert sich das „Gewebepolster“ um die Harnröhre, die Harnröhre ist nicht mehr so beweglich und ein dadurch ausgelöster Harndrang wird vermindert.

Jedoch ist es nicht möglich, mit einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren der Frau vorsorglich einer Harninkontinenz entgegenzusteuern. Neuere Studien ergaben sogar, dass wiederum das Risiko um mindestens ein Drittel ansteigt, in späteren Jahren eine Harninkontinenz zu entwickeln. .

Ist trotz Blasentraining und Einnahme von Medikamenten keine Besserung in Sicht, sollte eine komplementärmedizinische Therapie wie Akupunktur, Homöopathie oder die Neuraltherapie in Erwägung gezogen werden.

Behandlung der Überlaufinkontinenz

Ziel ist, zunächst die vollständige Blasenentleerung zu ermöglichen, sei es über einen Dauerkatheter oder den mehrmals täglichen Einmalkatheterismus (einmaliges Ablassen des Urins über einen Katheter). Anschließend muss der Arzt die Ursache für die Überlaufinkontinenz abklären und diese – falls möglich – beseitigen, z. B. im Rahmen einer Operation zur Beseitigung einer Prostatavergrößerung.

Behandlung der Reflexinkontinenz

Bei Reflexinkontinenz ist der Einmalkatheterismus die Therapie der Wahl, durchgeführt vom Patienten selbst oder von einer Pflegekraft – eventuell kombiniert mit einer medikamentösen Blasendämpfung. Das Risiko einer Schädigung der Nieren ist oft durch einen enorm erhöhten Blasendruck und den dadurch ausgelösten vesikorenalen Reflux erhöht. Deshalb sind regelmäßige urodynamische Messungen zwingend erforderlich. Ein Katheter zur Dauerableitung (Dauerkatheter) des Urins sollte nur in Ausnahmefällen und auch nur vorübergehend gelegt werden, denn es besteht eine erhöhte Gefahr für die Entwicklung einer Schrumpfblase oder einer Infektion.

Da in den Zeitabschnitten zwischen den Blasenentleerungen mittels Katheter wegen des überaktiven Blasenmuskels häufig noch ein geringer Urinverlust auftritt, bietet sich für Männer ein Kondomurinal als Lösung an. Ähnlich einem normalen Kondom wird es über den Penis gestreift und über einen Schlauch mit einem Ablaufbeutel verbunden, der am Oberschenkel befestigt ist (Beinbeutel). Die für Frauen angebotenen Auffangsysteme sind leider weniger ausgereift.

Selbsthilfe

  • Auch wenn es Ihnen peinlich ist − reden Sie über Ihre Inkontinenzbeschwerden: mit Angehörigen, Freunden und natürlich mit Ihrem Arzt. Meist sind Freizeitaktivitäten oder ein Urlaub mit etwas Unterstützung und guter Planung weiterhin möglich.
  • Verbieten Sie es sich, Kontakte zu anderen Menschen wegen Ihrer Inkontinenzprobleme abzubrechen, und versuchen Sie Ihre Hobbys weiter zu pflegen.
  • Trinken Sie ausreichend (2–2,5 l pro Tag) − zu wenig Flüssigkeit reduziert zwar die lästigen Toilettenbesuche, fördert jedoch Infektionen der Nieren und der Blase, weil Bakterien, die immer in kleinsten Mengen in die Harnwege eindringen, nicht mehr ausgespült werden.
  • Entleeren Sie Ihre Blase vor dem Schlafengehen vollständig. Viele Betroffene kommen gut damit zurecht, sich den Wecker zu stellen, um einmal nachts zur Toilette zu gehen. Andere bevorzugen in der Nacht dicke Slipeinlagen, Inkontinenzeinlagen oder Inkontinenzslips, die es in allen Größen und Stärken in Apotheken und im Sanitätsfachhandel gibt.
  • Hat der Arzt bei Ihnen eine Beckenbodenschwäche festgestellt, dann führen Sie regelmäßig spezielle Übungen im Rahmen des Beckenbodentrainings durch. Die Beschwerden lassen sich dadurch bei vielen Betroffenen deutlich bessern. Achten Sie auf Ihr Gewicht und Ihre Verdauung: Ernähren Sie sich ausgewogen, denn Übergewicht und Verstopfung können eine Beckenbodenschwäche verstärken.
  • Bewegung stärkt Körper und Geist und mildert oft leichtere Inkontinenzbeschwerden. Ihr Arzt kann mit Ihnen besprechen, welche Sportart am besten geeignet ist.

Weiterführende Informationen

  • www.inkontinenz-selbsthilfe.com – Internetseite des bundesweit tätigen Inkontinenz Selbsthilfe e.V., Pohlheim: Zahlreiche Infos und (Literatur-)Tipps, z. B. zu Hilfsmitteln, bietet auch weiterführende Links.
  • www.kontinenz-gesellschaft.de – Internetseite der Deutschen Kontinenz-Gesellschaft e. V., Kassel: Bietet Facharztinformationen, verständlich aufbereitetes Fachwissen für Betroffene und Pflegende sowie ein Miktionstagebuch zum Bestellen oder als PDF zum Herunterladen. Mit Adressen von Selbsthilfegruppen, ärztlichen Beratungsstellen, Literatur und Links.
  • M. Goepel: Patientenratgeber Blasenstörungen bei Erwachsenen und Kindern. Springer, 2001. Bietet viele Informationen zum Umgang mit Harninkontinenz sowie Tipps zu sozialen und rechtlichen Fragen.
  • H. Höfler: Beckenbodengymnastik. BLV, 2007. Mit bebilderten Trainingsanleitungen für Mann und Frau.
  • H. Gotved: Erfolgreiche Hilfen gegen Harninkontinenz. Trias, 2003. Sehr guter und ausführlicher Ratgeber, der viele alltagstaugliche Tipps gibt und ein Beckenboden-Trainingsprogramm bietet.
  • B. Sachsenmaier: Inkontinenz. Hilfen, Versorgung und Pflege. Schlütersche, 1991. Fachlich fundierter Ratgeber, der alle Pflegeaspekte bei Harn- und Stuhlinkontinenz abdeckt und eine ausführliche Auflistung der Hilfsmittel bietet.

Harnröhrenentzündung

Harnröhrenentzündung (Urethritis): Entzündung der Harnröhrenschleimhaut, oft von Brennen und Jucken in der Harnröhre und Schmerzen beim Wasserlassen begleitet. Die Erreger, vor allem Bakterien, geraten manchmal vom Enddarm in die Harnröhre. Sie können aber auch von außerhalb des Körpers stammen und z. B. beim Geschlechtsverkehr übertragen werden.

Werden Harnröhrenentzündungen rechtzeitig antibiotisch behandelt, heilen sie in der Regel aus. In manchen Fällen – besonders bei Chlamydien – drohen jedoch aufsteigende Infektionen, die die Eileiter verkleben und dadurch zu Unfruchtbarkeit (Sterilität) führen können.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Brennen und Jucken in der Harnröhre
  • Schmerzen und Brennen beim (meist gehäuften) Wasserlassen
  • Bei Männern meist deutlicher Ausfluss, morgens am stärksten (Bonjour-Tröpfchen)
  • Bei Frauen vaginaler Ausfluss, Unterbauchschmerzen bei Beteiligung der Eileiter.

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn

  • es zu eitrigem Ausfluss aus der Harnröhre kommt.

In den nächsten Tagen bei

  • Brennen und Jucken in der Harnröhre
  • Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Ursachen

Oft wird die Harnröhrenentzündung durch sexuell übertragbare Erreger wie Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken), Chlamydien, Trichomonaden oder Mykoplasmen ausgelöst. Meistens werden sie beim Geschlechtsverkehr übertragen, nur sehr selten über Handtücher oder in Schwimmbädern und Whirlpools. In etwa 30 % der Fälle ist eine Infektion mit Enterokokken aus dem Darm, Streptokokken oder Staphylokokken die Ursache. Bei Frauen werden Harnröhrenentzündungen häufig durch mechanische Reize ausgelöst (z. B. bei wiederholtem Geschlechtsverkehr, ähnlich der Honeymoon-Zystitis). Auch der Abgang von Harngrieß – kleinen Harnsteinchen – über die Harnröhre kann eine Entzündung hervorrufen. Häufig sind bei Frauen gleichzeitig die Geschlechtsorgane oder die Blase entzündet. Dies ist beim Mann selten.

Die Entzündung führt zu Jucken und Brennen beim Wasserlassen und es kommt zum Ausfluss aus der Harnröhre. Beim Mann sind die Beschwerden meist ausgeprägter als bei der Frau; sie können auch chronisch werden. Bei einer chronischen Harnröhrenentzündung droht eine Harnröhrenstriktur; sie kann aber umgekehrt auch durch sie ausgelöst werden.

Komplikationen

Gefürchtet sind aufsteigende Infektionen wie die Epididymitis oder Prostatitis beim Mann und die Entzündung von Eierstock und Eileiter (Adnexitis) bei der Frau.

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen kann sich nach einer Harnröhrenentzündung eine entzündliche Erkrankung der Gelenke, eine sogenannte reaktive Arthritis, entwickeln (Morbus Reiter).

Diagnosesicherung

Der Ausfluss aus der Harnröhre liefert dem Arzt erste Hinweise auf den möglichen Krankheitserreger. Um eine sichere Diagnose zu stellen, muss mit einem Tupfer ein Harnröhrenabstrich vorgenommen und im mikrobiologischen Labor untersucht werden. Dieser Abstrich ist für Männer unangenehmer als für Frauen und dient dazu, die Erreger zu identifizieren.

Neben dem Abstrich veranlasst der Arzt immer auch eine Urinkultur, d. h. die mikrobiologische Untersuchung des Urins.

Behandlung

Die Behandlung erfolgt mit einem entsprechenden Antibiotikum (z. B. Doxycyclin, Azithromycin, Cephalosporin, Metronidazol). Auch wenn der Partner oder die Partnerin keine Beschwerden hat, wird er oder sie bei sexuell übertragbaren Erregern mitbehandelt. Eine separate Untersuchung des Partners ist empfehlenswert, um zusätzliche Infektionen mit weiteren Bakterien oder Pilzen auszuschließen, da Mischinfektionen mit verschiedenen Erregern nicht selten sind.

Prognose

Rechtzeitig antibiotisch behandelt, heilen die meisten Harnröhrenentzündungen aus.

In etwa 20 % der Harnröhrenentzündungen, die durch Chlamydien verursacht werden, kommt es zu einer Adnexitis. Dann besteht das Risiko, dass die Eileiter verkleben und die Patientin dadurch unfruchtbar wird.

Ihr Apotheker empfiehlt

Harnröhrenentzündungen dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Heilen sie nicht richtig aus, drohen Unfruchtbarkeit und ein erhöhtes Risiko für Bauchhöhlenschwangerschaften. Nehmen Sie und Ihr/e Partner/in deshalb die vom Arzt verordneten Antibiotika unbedingt wie vorgeschrieben ein.

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten einen kostenlosen Test auf Chlamydien an, wobei der Urin untersucht wird. Frauen bis zu 25 Jahren können diesen Test einmal jährlich in Anspruch nehmen. Wer sich zu Hause selbst auf Chlamydien testen möchte, kann auch einen Schnelltest in der Apotheke erwerben.

Harnröhrenklappen

Harnröhrenklappen (Urethralklappen): Angeborene Schleimhautfalten im oberen Anteil der Harnröhre, die den Harnabfluss aus der Harnblase behindern. Sie treten ausschließlich bei Jungen auf. Harnröhrenklappen müssen immer operativ beseitigt werden. Zum Schutz der Niere legen die Ärzte bis zur Operation einen suprapubischen Dauerkatheter, der den Urin unter Umgehung der Harnröhre durch die Bauchdecke ableitet.

Die Prognose hängt u. a. davon ab, wie sehr die Harnabflussstörung die kindlichen Nieren schon im Mutterleib geschädigt haben. In manchen Fällen kann auch die Beseitigung der Harnröhrenklappen die Nierenfunktion nicht retten, und Dialyse oder Nierentransplantation werden notwendig.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Tröpfelnder Harnstrahl
  • Wiederkehrende Harnwegsinfekte
  • Nächtliche Inkontinenz, Bettnässen
  • Später Zeichen des Nierenversagens mit Müdigkeit, Blässe, Leistungsminderung.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen bei

  • oben genannten Symptomen.

Die Erkrankung

Harnröhrenklappen sind segelförmige Reste der embryonalen Entwicklung und sitzen am häufigsten in dem Bereich der Harnröhre, der durch die Prostata läuft. Da der Harn nicht richtig abfließt, kommt es zu tröpfelndem Harnstrahl, häufigem Wasserlassen und Einnässen sowie zu häufigen Harnwegsinfekten. 30 bis 50 % der Kinder entwickeln einen vesiko-ureteralen Reflux. Reflux und wiederholte Infekte schädigen die Niere, es drohen Folgeschäden wie Stauungsniere und Nierenversagen.

Komplikationen

Eine gefürchtete Komplikation, die schon im Mutterleib auftritt, ist die reflux-bedingte schwere Nierenschädigung. Dadurch entsteht ein ausgeprägter Fruchtwassermangel, in dessen Folge die fetale Lunge nicht reift. Nach der Geburt drohen somit Atemnot und Erstickungstod des Neugeborenen.

Diagnosesicherung

Bei ausgeprägten Formen mit Rückstau des Urins bis in die Nieren erkennt der Arzt Hinweise wie z. B. eine beidseitige Erweiterung der Harnleiter bereits im Rahmen der vorgeburtlichen Ultraschalluntersuchungen.

Nach der Geburt sind die Anzeichen oft uncharakteristisch (abgeschwächter Harnstrahl, Nachtröpfeln, Einnässen), lenken die Aufmerksamkeit des Arztes aber auf eine Störung im Urogenitalbereich. Mit folgenden Untersuchungen sichert er die Diagnose:

  • Ultraschall von Nieren und Harnblase: typische Zeichen sind eine verdickte Blasenwand, Restharn nach dem Wasserlassen, evtl. eine Erweiterung der Harnleiter, Hydronephrose oder Veränderungen im Nierengewebe
  • Miktionszysto-Urethrogramm: Erweiterung und Veränderungen der Harnröhre und/oder Nachweis eines vesiko-ureteralen Refluxes
  • Funktionsszintigrafie der Niere zur Messung der Nierenleistung anhand der glomerulären Filtrationsrate GFR .

Behandlung

Als Erstmaßnahme legen die Ärzte einen suprapubischen Dauerkatheter, um die Niere zu entlasten und ihre Funktion zu sichern. Dafür führen sie den Blasenkatheter über dem Schambein durch die Bauchwand in die Harnblase ein und verbinden ihn mit einem Urinbeutel. Die operative Entfernung der Harnröhrenklappen ist immer erforderlich, um weitere Schädigungen der Nieren zu verhindern. Bei ausgeprägten Formen sollte der Eingriff (endoskopische Klappenschlitzung) nach Stabilisierung der Nierenfunktion möglichst innerhalb des 4.–6. Lebensmonats erfolgen.

Endoskopische Klappenschlitzung. Im Rahmen einer Harnblasenspiegelung schneidet der Arzt die Harnröhrenklappen mit dünnen Instrumenten (Messer, Laser) an mehreren Stellen ein. Der Erfolg der Therapie wird 2 Monate nach dem Eingriff mit dem Miktionszysto-Urethrogramm geprüft. Bei vesiko-renalem Reflux verordnet der Arzt in der Regel eine Langzeitprophylaxe mit Antibiotika.

Prognose

Je stärker sich der Harn staut, umso mehr werden Nieren und ableitende Harnwege durch Ausweitung des Gewebes und aufsteigende Bakterien geschädigt. Ist die Erkrankung so stark ausgeprägt, dass sie sich schon in den ersten beiden Lebensmonaten bemerkbar macht, versterben bis zu 10 % der Kinder daran. Bei einer späteren Diagnose im 1. Lebensjahr beträgt die Sterblichkeit immer noch 1 %.

Liegt die Nierenfunktion zum Zeitpunkt der Diagnose unter 30 %, kommt es meist nach 5–10 Jahren zum endgültigen Nierenversagen. Hier helfen dann nur noch Dialyse oder, wenn möglich, eine Nierentransplantation.

Weiterführende Informationen

www.luto-kinder.de

Harnröhrenverengung und Harnröhrenstriktur

Harnröhrenverengung (Harnröhrenenge, Urethrastenose): Angeborene Verengung der Harnröhre; tritt bei Mädchen vor allem im unteren Harnröhrendrittel auf (Meatusstenose), bei Jungen meist in den oberen Abschnitten der Harnröhre. Eine erworbene Verengung der Harnröhre durch Entzündung, Verletzung oder einen Tumor wird als Harnröhrenstriktur bezeichnet.

Die Beschwerden sind unspezifisch, häufig fallen hauptsächlich durch den behinderten Harnabfluss wiederkehrende Infektionen auf. Je nachdem, wieviel Harn noch abließen kann, drohen ein vesiko-ureteraler Reflux und letztendlich Nierenschäden.

Die Therapie ist abhängig von der Ursache. Zur Erweiterung der Harnröhre stehen verschiedene endoskopische oder offene operative Verfahren zur Verfügung. Die Heilungsraten liegen je nach Verengung und Behandlungsmethode zwischen 20 und 95 %.

Symptome und Leitbeschwerden

Die Anzeichen sind uncharakteristisch:

  • Häufiger Harndrang
  • Brennen beim Wasserlassen
  • Abgeschwächter oder gespaltener Harnstrahl
  • Einnässen
  • Gefühl der inkompletten Blasenentleerung
  • Manchmal auch Harnverhalt, d. h. die Unfähigkeit Wasser zu lassen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • oben genannte Beschwerden auftreten.

Sofort bei

  • schmerzhaftem Harnverhalt.

Die Erkrankung

Ursachen

Angeborene Harnröhrenverengungen sind selten. Häufiger kommt es durch folgende Ursachen zu Harnröhrenstrikturen:

  • Verletzungen. Wird die Harnröhre verletzt, bildet sich bei der Heilung oft narbiges Bindegewebe (Fibrosen), das die Harnröhre einengt. Ursache für Verletzungen sind Unfälle und autoerotische Manipulationen, aber auch ärztliche Eingriffe wie endoskopische Untersuchungen, Zirkumzision (Beschneidung) und Prostata- oder Blasenoperationen.
  • Dauerkatheter. Drucknekrosen und Verletzungen an der Harnröhre entstehen auch durch Dauerkatheter, v. a. bei Männern, da diese eine längere und gebogene Harnröhre haben.
  • Infektionen. Früher führte die Infektion mit Gonokokken (Gonorrhö) häufig zu einer narbigen Abheilung der Harnröhre. Aufgrund der Antibiotikatherapie ist die postinfektiöse Harnröhrenstriktur heute selten.
  • Tumoren. Sehr selten sind Tumoren der Harnröhre, andere Tumoren können jedoch durch Druck auf die Harnröhre oder Einwachsen in die Harnröhre zu einer Verengung führen.

Komplikationen

Ein gestörter Harnabfluss begünstigt Infektionen im Urogenitaltrakt, es kommt daher leicht zu Prostataentzündung, Nebenhodenentzündung und Harnwegsinfekten wie Blasenentzündung, Nierenbeckenentzündung und Harnröhrenentzündung.

Der Harnstau in der Blase kann außerdem zu vesiko-ureteralem Reflux führen und letztendlich die Niere schädigen.

Diagnosesicherung

Hat der Arzt den Verdacht auf eine verengte Harnröhre, leitet er folgende Untersuchungen ein:

  • Uroflowmetrie zur Messung des Harnstrahls
  • Retrogrades Urethrozystogramm mit Kontrastmittelgabe über die Harnröhre, um die Verengung genau zu erkennen
  • Miktionszysto-Urethrogramm um Störungen beim Wasserlassen nachzuweisen
  • Ultraschall zur Einschätzung des Gewebes in der Umgebung der Harnröhre
  • Zystoskopie bei Verdacht auf Tumoren.

Differenzialdiagnosen. Die eher unspezifischen Beschwerden der Harnröhrenstriktur finden sich auch bei vielen weitere Erkrankungen des Urogenitaltrakts wie z. B. der Blasenentzündung, Harnröhrenentzündung, beim vesiko-ureteralen Reflux und bei Harnröhrenklappen.

Behandlung

Ist die Blasenentleerung deutlich gestört, wird operiert. Dafür gibt es je nach Befund verschiedene Verfahren:

Harnröhrenbougierung: Bei dieser Methode weitet der Arzt die verengte Harnröhre mit verschieden dicken Metallstiften (Bougie) oder einem Katheter. Die Bougierung setzt der Arzt ein, wenn die Verengung durch die Schleimhaut hervorgerufen ist. Fortgeschrittene narbige Stenosen lassen sich damit nicht behandeln.

Urethrotomia interna: Hier kerbt der Arzt im Rahmen einer Blasenspiegelung (Zystoskopie) die Harnröhrenschleimhaut mit einem winzigen Messer oder einem Laser ein. Danach legt er für 1–2 Tage einen Katheter in die Harnröhre, um den aufgeweiteten Zustand zu erhalten. Problematisch sind Narben, die sich nach der Operation bilden. Sie begünstigen je nach vorherigem Grad der Enge und Anzahl der Operationen bei 30–60 % der Betroffenen eine erneute Striktur. Um dies zu verhindern, wird oft nach der Operation vorsorglich die Harnröhre in regelmäßigen Abständen "bougiert", d. h., sie wird durch einen Katheter oder einen Metallstift (Bougie) aufgeweitet.

Offene Operationen: Kurzstreckige Harnröhrenverengungen, die sich mit der endoskopischen Methode nicht heilen lassen, sind geeignet für die End-zu-End-Anastomose der Harnröhre: Hier entfernen die Ärzte den verengten Anteil und nähen die beiden Harnröhrenenden spannungsfrei wieder aneinander. Bei einer sehr ausgeprägten, langstreckigen Harnröhrenverengung ist oft eine aufwendigere Operation notwendig, bei der die Ärzte die Harnröhre freilegen und manchmal den Gewebedefekt zusätzlich mit z. B. körpereigenen Hautlappen bedecken (einzeitige offene Harnröhrenplastik). Verengungen der Harnröhrenöffnung (Meatusstenosen) schneiden die Ärzte meist nur ein (Meatusschlitzung), größere Meatusstenosen werden nach dem Einschnitt manchmal auch mit einem Stück Mundschleimhaut oder bei Männern mit einem Penishautlappen gedeckt.

Prognose

Die Heilungsraten hängen vom Ausmaß und den Behandlungsmöglichkeiten ab.

  • Nach der Bougierung von Verengungen, die kürzer als 2 cm sind, entwickeln etwa 40 % der Patienten eine erneute Harnröhrenstriktur.
  • Die Urethrotomie hat eine Heilungsrate von 20-70 %. Langstreckige Harnröhrenstrikturen im Bereich des Penis haben mit der Urethrotomie eine schlechte Prognose, hier kommt es bei 80 % der Patienten zu einer erneuten Verengung.
  • Bei offenen Operationen betragen die Heilungsraten 75 bis 95 %.

Interstitielle Zystitis

(Chronische) Interstitielle Zystitis (IC, nicht bakterielle Blasenentzündung, Syndrom der schmerzenden Blase): Chronische Entzündung der tieferen Blasenwandschichten ohne bakterielle Beteiligung, geprägt von sehr häufigem, nicht beherrschbarem Harndrang und Schmerzen. Zu 90 % sind Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren betroffen. Die Ursache ist unklar, die Therapie schwierig und häufig unbefriedigend. Die Erkrankung ist nicht lebensbedrohlich, führt aber aufgrund des hohen Leidensdrucks häufig zu einer deutlich eingeschränkten Lebensqualität.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Der Zwang, auf die Toilette zu gehen – bis zu 50-mal täglich –, beherrscht den Alltag
  • Schlafmangel durch nächtliche Toilettengänge
  • Blasenschmerzen bzw. Schmerzen im Unterbauch bessern sich nach der Blasenentleerung nur für kurze Zeit
  • Häufig gleichzeitig Schmerzbeschwerden an anderer Stelle wie migräneartige Kopfschmerzen, rheumaartige Gelenkschmerzen, Magen- oder Darmschmerzen
  • Diese oft als unerträglich erlebten Schmerzen können monatelang andauern, aber in Art und Häufigkeit wechseln (fluktuieren).

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen bei

  • oben genannten Beschwerden.

Die Erkrankung

Der Begriff "interstitielle Zystitis" weist darauf hin, dass hier nicht die Blasenschleimhaut, sondern vielmehr die tieferen Zwischenräume in der Blasenwand entzündet sind. Eine zentrale Rolle spielen Mastzellen, also spezielle Immunzellen, die zur körpereigenen Abwehr nötig sind. Diese Mastzellen lösen eine entzündliche Reaktion aus, die zu einer vermehrten Durchlässigkeit der Blasenschleimhaut, bindegewebigem Umbau und einer Verkleinerung der Harnblasenkapazität führt.

Ursachen

Warum sich eine interstitielle Zystitis entwickelt ist unklar. Als Ursache dieser Erkrankung werden frühere Blasenentzündungen, eine unzureichende Schutzfunktion der Blasenschleimhaut als Barriere gegen Bakterien, äußere Schadstoffe und neurologische, hormonelle und gefäßbedingte Störungen sowie allergische oder rheumatologische Erkrankungen vermutet.

In jedem Fall aber ist die interstitielle Zystitis keine psychosomatische Erkrankung. Die psychischen Veränderungen, die die Betroffenen an sich und die Ärzte an ihnen feststellen, bedeuten eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität und -führung und sind Folge der Erkrankung – nicht umgekehrt.

Diagnosesicherung

In der Regel vermutet der Urologe anhand der Beschwerden zunächst, dass es sich um eine akute oder chronische Blasenentzündung handelt. Wenn aber keine Bakterien oder weißen Blutkörperchen im Urin nachweisbar sind, steht die Verdachtsdiagnose "interstitielle Zystitis" im Raum. Für eine interstitielle Zystitis sprechen folgende Befunde:

  • Urinausscheidung < 250 ml/Tag, Abstand des Wasserlassens < 2 Stunden, nächtliches Wasserlassen (Nykturie)
  • kein Erregernachweis in Urinkultur und Urinsediment, keine Zeichen eines Harnblasenkrebses in der mikroskopischen Urinuntersuchung
  • keine Anzeichen von anderen Erkrankungen des Urogenitaltrakts im Ultraschall
  • auffallende Befunde in der Harnblasenspiegelung (aufgrund der starken Schmerzen immer unter Vollnarkose) wie z. B. punktförmige Einblutungen oder Geschwüre bei Blasenfüllung (nicht bei allen Patienten)
  • Vermehrung von weißen Blutkörperchen und Bindegewebsfasern in den tieferen Blasenwandschichten. Gewebe für die Untersuchung wird im Rahmen der Blasenspiegelung als Biopsie entnommen
  • Schmerzen bei der Injektion von Kalium in die Blase. Dieser sogenannte Kaliuminstillationstest wird heute allerdings nur noch selten durchgeführt.

Differenzialdiagnosen. Entscheidend bei der Diagnose ist der Ausschluss anderer Erkrankungen wie Blasenentzündung, Tuberkulose, Prostatitis, Prostatakarzinom, Harnblasensteine und Blasenkrebs sowie gynäkologische Erkrankungen wie Adnexitis oder Vaginitis.

Behandlung

Dem Arzt stehen verschiedene therapeutische Ansätze zur Verfügung, die aber alle nur einem Teil der Betroffenen helfen:

  • Das Dehnen der Blase mit Wasser unter Vollnarkose. Etwa 20 % der Patienten erfahren dadurch eine kurzfristige Besserung der Beschwerden.
  • Das Einspritzen von Medikamenten über einen Katheter in die Blase, so z. B. DMSO (Dimethylsulfoxid), Lidocain oder Dexamethason, um die Entzündung zu hemmen. Auch Injektionen von Botulinumtoxin A werden bei diesem Krankheitsbild vorgenommen.
  • Die regelmäßige Verabreichung von Pentosanpolysulfat oder Heparin in die Blase, um die Schutzschicht der Blase wiederherzustellen. Diese Therapie ist sehr teuer. Die Kosten werden von den Krankenkassen nicht übernommen, weil die Wirkung bisher nicht überzeugend nachgewiesen werden konnte.
  • Die Einnahme verschiedener Medikamente, z. B. speziell auf die Blase einwirkende Psychopharmaka oder Schmerzmittel (NSAR oder Opiate), die aber nicht immer die erhoffte Wirkung erzielen. Zudem muss der Arzt sie off label verordnen, da sie keine Zulassung für die Erkrankung interstitielle Zystitis haben. Eingesetzt werden außer Schmerzmitteln z. B. Pentosanpolysulfat (z. B. elmiron®) und Amitriptylin (z. B. Amineurin®). Eine gute Wirkung zeigt oft Ciclosporin, nachteilig sind hier die häufig schweren Nebenwirkungen, weshalb das Präparat nur bei gleichzeitiger Autoimmunerkrankung empfohlen wird.
  • Die sakrale Nervenstimulation mithilfe eines eingepflanzten kleinen Neurostimulators, der regelmäßig Impulse an die Sakralnerven abgibt, lindert bei manchen Patienten die Schmerzen.
  • Die operative Entfernung von Teilen der Blase und Vergrößerung des Fassungsvermögens durch Darmteile, wenn alle anderen Therapien erfolglos bleiben.

Auch die psychische Begleitung, etwa durch einen verständnisvollen Hausarzt, ist wichtig, weil die Beschwerden betroffene Patienten oft stark belasten .

Prognose

Die interstitielle Zystitis ist keine lebensbedrohliche Erkrankung, führt aber bei vielen Patienten zu einer äußerst eingeschränkten Lebensqualität. Die therapeutischen Möglichkeiten sind vielfältig und bezüglich ihres Erfolges ungewiss. In manchen Fällen bilden sich die Beschwerden nach mehreren Monaten von selbst wieder zurück.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Stress reduzieren. Viele Betroffene berichten, dass sich ihre Beschwerden unter übermäßiger psychischer, aber auch körperlicher Anspannung verschlimmern. Oft helfen Mind-Body-Therapien wie Autogenes Training und die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, besser mit Stress im Alltag umzugehen und entspannt zu bleiben. Hilfreich sind auch warme Bäder.
Blase trainieren.
Versuchen Sie, seltener Wasser zu lassen, um die Kapazität der Harnblase zu erhöhen. Ideal ist es, nur etwa alle 2–3 Stunden Wasser zu lassen. Hilfreich bei einem solchen Blasentraining sind

  • Ein Blasentagebuch, in dem Sie notieren, wann Sie die Toilette aufsuchen und Wasser lassen
  • Ein Toilettenplan, mit dem Sie das Wasserlassen regelmäßig in festen Zeitabständen planen
  • Ablenkung zwischen den Toilettengängen. Versuchen Sie bei Harndrang, den Toilettengang um 5 Minuten aufzuschieben. Dabei hilft, sich im Sitzen auf einem Stuhl leicht nach vorn zu beugen.

Richtige Ernährung. Vermeiden Sie Lebensmittel oder Genussmittel, die Ihre Beschwerden verschlimmert haben. Bei manchen Betroffenen sind dies Kaffee, Alkohol, Zitrusfrüchte, Nüsse und scharfe Gewürze. Eine gute Selbstbeobachtung oder auch ein Beschwerdetagebuch helfen, für sich selbst herauszufinden, was Auslöser für eine Symptomverschechterung sind.

Komplementärmedizin

  • Akupunktur. Wer gute Erfahrungen mit der TCM gemacht hat, kann es bei interstitieller Zystitis mit Akupunktur versuchen. Viele Betroffene berichten, dass sich ihre Beschwerden nach der Behandlung verbessert haben.

Weiterführende Informationen

www.ica-ev.de

Reizblase

Reizblase (überaktive Blase, vegetative Reizblase, [psychosomatisches] Urethralsyndrom): Krankheitsbild mit Beschwerden der Dranginkontinenz und/oder der Blasenentzündung, jedoch ohne krankhaften Befund. Die Ursache ist unklar, ein chronischer Reizzustand gilt als der Boden der Erkrankung. Es können seelische (psychosomatische) Probleme hinzutreten, damit die Reizblase entsteht – "die Blase schafft es nicht mehr".

Es sind nahezu ausschließlich Frauen betroffen, sodass wahrscheinlich auch hormonelle Veränderungen eine Rolle spielen. Die Therapie ist schwierig und umfasst sowohl eine psychotherapeutische Behandlung als auch Elemente der Dranginkontinenz-Therapie.

Ob die Reizblase ein eigenes Krankheitsbild darstellt, ist umstritten. Für einige Wissenschaftler ist es identisch mit der Dranginkontinenz, andere sprechen von der Reizblase als "Verlegenheitsdiagnose".

Symptome und Leitbeschwerden

  • Häufiger und starker, plötzlicher Drang zum Wasserlassen – auch nachts – mit nur kleinen Urinmengen
  • Keine (oder nur leichte) Schmerzen beim Wasserlassen
  • Eventuell krampfartige Blasenschmerzen
  • Gelegentlich unkontrollierter Abgang von kleinen Urinmengen, meist jedoch beherrschbar.

Die Beschwerden nehmen meist über viele Wochen zu oder sie bleiben als "Restzustand" nach einer Blasenentzündung. Sie schwanken in ihrer Intensität und sind vom übrigen Wohlbefinden abhängig.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen zum Arzt bei

  • oben genannten Beschwerden.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Ursachen

Nach Meinung vieler Experten ist die Erkrankung Folge eines chronischen Reizzustands der Blase, durch den die Blase das komplizierte Zusammenspiel von Blasenfüllung und -entleerung "verlernt" hat. Zu solchen Reizen gehören beispielsweise

  • Entzündungen
  • Schleimhautveränderungen und Erschlaffen des Beckenbodens durch einen Östrogenmangel (z. B. in den Wechseljahren)
  • chronischer Berufs- oder Beziehungsstress
  • medizinische Eingriffe wie die Bestrahlung eines gynäkologischen Tumors.

Aktuellere Forschungsergebnisse deuten auf einen psychoimmunologischen Prozess hin, was bedeutet, dass die psychische Grundproblematik (etwa Stress) sich auf das vegetative Nervensystem auswirkt und zu einer Schwächung der Abwehrkräfte führt – aber nur in der Blasenwand. Hinzu kommt eine Fehlsteuerung der Blasenmuskeln, die sowohl Blasenentzündungen als auch der Inkontinenzproblematik den Boden bereitet. Da das vegetative Nervensystem beteiligt ist, wird die Reizblase als funktionelle Störung angesehen und nicht als organische, denn das Organ Blase ist nicht krankhaft verändert.

Diagnosesicherung

Zunächst klärt der Arzt in einem Gespräch mit der Patientin die Beschwerden. Da sich die Beschwerden aber nicht ohne Weiteres vom Krankheitsbild der Blasenentzündung oder Harninkontinenz abgrenzen lassen, untersucht der Arzt den Urin auf Bakterien (Urinkultur) und/oder Urinsediment, um eine Blasenentzündung auszuschließen.

Als Nächstes führt der Arzt eine Ultraschalluntersuchung und eine Harnblasenspiegelung durch, um eventuell andere organische Ursachen, also Erkrankungen wie z. B. die interstitielle Zystitis oder einen Blasentumor, als Verursacher der Beschwerden zu identifizieren.

Findet der Arzt keine eindeutigen Krankheitsbefunde, so spricht man von einer Reizblase. Sie ist in der gynäkologischen und urologischen Praxis eine Ausschlussdiagnose – sie bleibt also übrig, wenn sich bei den Untersuchungen keine greifbare Erkrankung (mit organischem Befund) ergeben hat. Die Reizblase von der Blasenentzündung klar abzugrenzen ist besonders schwierig, wenn die Patientin zwar gelegentlich an Blasenentzündungen erkrankt, dies aber nicht ihre Beschwerden erklärt und ein Therapieversuch gegen Blasenentzündung die Beschwerden auch nicht beseitigt.

Differenzialdiagnosen: Blasenentzündung und Harninkontinenz sind die wichtigsten Differenzialdiagnosen.

Behandlung

Die Behandlung ist langwierig und ohne aktive Mitwirkung der betroffenen Patientin fast immer erfolglos. Im Zentrum steht die psychosomatische Therapie, etwa in Form einer Gesprächspsychotherapie, um der Patientin die meist bestehenden ungelösten Konflikte bewusst zu machen und ihr zu helfen, Lösungen zu entwickeln und ihre Konfliktfähigkeit zu verbessern.

Weitere therapeutische Optionen sind:

Medikamente. Anticholinerge Medikamente, die auch bei der Dranginkontinenz eingesetzt werden, können die Beschwerden lindern. Dazu gehören z. B. Trospium (wie z. B. Spasmex®), Oxybutinin (wie z. B. Kentera®) und Darifenacin (wie z. B. Emselex®). Auch Beta-3-Rezeptoragonisten wie Mirabegron (z. B. Betmiga®) verordnen die Ärzte gegen die Reizblase. Mirabegron kann jedoch den Blutdruck steigern, es darf bei Patienten mit Blutdruckwerten > 180/110 mmHg nicht angewendet werden.

Beckenbodentraining mit Elektrostimulation. Hierbei wird eine Sonde in die Vagina eingeführt, die mit schwachen elektrischen Impulsen die Beckenbodenmuskulatur zur Kontraktion stimuliert. Mehr dazu im Artikel Harninkontinenz unter der Elektrostimulation.

Vaginale Östrogene. Frauen nach der Menopause empfehlen die Ärzte häufig eine Therapie mit Östrogenzäpfchen oder Östrogencreme.

Botulinumtoxin A. Bei ausgeprägten Beschwerden erwägt der Arzt die Injektion von Botulinum-Toxin (Botox) in die Blasenmuskulatur. Durch das Einspritzen wird die Blasenmuskulatur geschwächt, die Kapazität der Blase erhöht und der Harndrang vermindert. Die Injektion muss alle 6 Monate wiederholt werden.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können


Blasentraining. Ist die Dranginkontinenz nicht sehr ausgeprägt, hilft das Blasen- und/oder Toilettentraining. Halten Sie sich an regelmäßige Zeiten, zu denen Sie die Toilette aufsuchen, und verlängern Sie die Zeitabstände zwischen den Toilettengängen schrittweise. Dabei helfen

  • Ein Blasentagebuch, in dem Sie notieren, wann Sie die Toilette aufsuchen und Wasser lassen
  • Ein Toilettenplan, mit dem Sie das Wasserlassen regelmäßig in festen Zeitabständen planen
  • Ablenkung zwischen den Toilettengängen. Versuchen Sie bei Harndrang, den Toilettengang um 5 Minuten aufzuschieben. Dabei hilft, sich im Sitzen auf einem Stuhl leicht nach vorn zu beugen oder den Beckenboden anzuspannen
  • Ein fester Trinkplan und eine ausreichende Trinkmenge von etwa 1,5 l/Tag. Wenn Sie zu wenig trinken, reizt der stark konzentrierte Urin die Blasenschleimhaut und vermehrt den Harndrang. Ab 2 Stunden vor dem Schlafengehen möglichst nichts mehr trinken und Nieren- oder Blasentee nur tagsüber genießen.

Druck wegnehmen. Stress ist einer der Faktoren, der eine Reizblase begünstigt. Umso wichtiger ist es, sich zumindest beim Wasserlassen nicht unter Druck zu setzen – auch wenn die Toilette nach längerem Leiden häufig als stressbehafteter Ort wahrgenommen wird. Nehmen Sie sich beim Wasserlassen Zeit, entspannen Sie und setzen Sie sich nicht unter Druck.

Entspannungstechniken erlernen. Stress ist nicht nur ein Auslöser, sondern auch eine Folge der Reizblase. Einmal in diesem Stresskreislauf gefangen, muss Entspannung häufig erst wieder erlernt werden. Hilfreich sind Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen und Autogenes Training.

Beckenbodentraining. Ein gezieltes Training des Beckenbodens hilft, den Harnröhrenschließmuskel zu stärken und einer möglichen Inkontinenz entgegenzuwirken. Eine einfache Methode ist das kurze Anhalten des Urinstrahls während dem Wasserlassen, da dabei automatisch die richtigen Muskeln angespannt werden. In Ihrer Apotheke gibt es außerdem Tampon-ähnliche Hilfsmittel mit unterschiedlichen Gewichten, die über Muskelkraft in der Scheide gehalten werden.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Extrakte aus Kürbissamen, Brennnesseln, Sägepalme oder Echter Goldrute können die Beschwerden lindern. Wichtig beim Einsatz von Pflanzentherapie gegen Blasenbeschwerden ist jedoch, dass zunächst ein Arzt abklärt, ob wirklich "nur" eine Reizblase vorliegt und nicht etwa eine behandlungsbedürftige Infektion oder andere Erkrankung des Urogenitaltrakts.

Homöopathie. Nux vomica D12 über längere Zeit eingenommen soll die Blasenmuskulatur unterstützen. Daneben kommen je nach vorherrschender Symptomatik Pulsatilla pratensis D12, Sepia D12 oder Equisetum D6 zum Einsatz.

Magnetfeldtherapie. Einige Mediziner empfehlen zur Behandlung der Reizblase eine Magnetfeldtherapie. Dabei werden Magnetfelder erzeugt, die die Durchblutung und den Zellstoffwechsel in der Blase anregen und die Schmerzen lindern. Dadurch soll der Harndrang abnehmen und das Wasserlassen erleichtert werden. Die Wirkung ist nicht wissenschaftlich gesichert.

Spaltblase

Spaltblase (Blasenekstrophie): Mangelhafter Verschluss der Bauchdecke unterhalb des Nabels sowie der Vorderwand von Harnblase und Harnröhre während der embryonalen Entwicklung. Die Spaltblase wird in mehreren Sitzungen operativ korrigiert, die erste Operation erfolgt schon 24 bis 72 Stunden nach der Geburt. Auch wenn die Kontinenz hergestellt werden kann, drohen langfristig häufig Folgen wie vermehrte Harnwegsinfektionen, Probleme beim Geschlechtsverkehr oder Rückstau des Harns in Harnleiter und Niere (vesikoureteraler Reflux).

Symptome und Leitbeschwerden

Nach operierter Spaltblase

  • Harninkontinenz
  • Vesiko-ureteraler Reflux
  • Infektionen der Harnwege (Blasenentzündung, Nierenbeckenentzündung)
  • Sexuelle Dysfunktion

Wann zum Arzt

Betroffene Kinder werden sofort nach der Geburt vom Arzt versorgt.

Die Erkrankung

Die Spaltblase ist eine seltene Fehlbildung, sie kommt bei etwa 3 bis 10 von 100.000 Neugeborenen vor. Betroffene Jungen leiden gleichzeitig unter einer gespaltenen Harnröhre (Epispadie), Mädchen zusätzlich unter einer zweigeteilten Klitoris.

Diagnosesicherung

Eine Spaltblase wird heute per Ultraschall bereits während der Schwangerschaft erkannt. Typisches Zeichen ist das Fehlen einer flüssigkeitsgefüllten Harnblase. Falls eine Ultraschalldiagnostik unterbleibt, erkennt der Arzt die schwere Fehlbildung sofort nach der Geburt an der offenen Bauchwand.

Behandlung

Direkt nach der Geburt bedecken die Ärzte die offene Harnblase mit steriler Plastikfolie und feuchten diese zum Schutz der empfindlichen Schleimhaut regelmäßig an. Manche Ärzte empfehlen zur Bedeckung der offenen Blase auch fetthaltige Wundgaze und darüber sterile Kompressen.

Das Kind wird dann in ein kinderurologisches Zentrum verlegt. Dort erfolgt die erste Operation innerhalb der ersten 24–72 Lebensstunden, um die Blase zu verschließen. Manche Ärzte korrigieren bei guten Bedingungen eine vorliegende Harnröhrenöffnung (Epispadie) gleich mit. Ansonsten wird eine Epispadie meist zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat operativ verschlossen.

Damit das Kind später trocken werden kann, ist nach 2–5 Jahren mindestens eine weitere Operation notwendig, um Harnblase, Harnröhre und Harnleitermündungen zu rekonstruieren. Falls dies nicht möglich ist, pflanzen die Ärzte die Harnleiter alternativ in den Darm ein und der Betroffene lernt, den After als kontrollierbares Kontinenzorgan zu nutzen. Diese Form der Harnableitung wird auch Enddarmblase genannt. Hier droht seltener eine Harninkontinenz als in den Fällen, in denen die Harnblase rekonstruiert wurde, doch treten insgesamt häufiger Komplikationen auf. Dazu gehören z. B. Harninfektionen durch Darmbakterien oder verstopfte Harnleiter durch den im Darm kontinuierlich gebildeten Schleim. Im Einzelfall sind also Vor- und Nachteile der Operationsmethoden gut abzuwägen.

Prognose

Ist die Operation der Spaltblase nicht erfolgreich, drohen langfristig eine verkleinerte Harnblase und Harninkontinenz. Auch bei erfolgreich operierten Patienten muss mit Langzeitfolgen wie einer erhöhten Neigung zu Harnwegsinfekten oder einem vesiko-ureteralen Reflux gerechnet werden. Sexuelle Dysfunktionen sind nach Spaltblasenoperation ebenfalls möglich.

Weiterführende Informationen

www.kindernetzwerk.de

www.blasenekstrophie.de

Vesikorenaler Reflux

Vesikorenaler oder vesikoureteraler Reflux: Rückfluss von Urin in die Harnleiter (vesikoureteraler Reflux), zum Teil auch bis in das Nierenbecken (vesikorenaler Reflux). Ursache ist das Versagen des Ventilmechanismus zwischen einem oder beiden Harnleitern und der Harnblase, wobei dieser Defekt häufig angeboren ist. Ein solcher Reflux kann aber auch durch Abflussstörungen unterhalb der Blase, beispielsweise durch Harnsteine, oder durch operationsbedingte Verletzung der Blasenwand (z. B. bei einer Prostataentfernung) erworben sein.

Beschwerden wie Flankenschmerzen und Fieber entstehen vorrangig durch ständige Blasenentzündungen. Kleinkinder fallen oft auch durch Gedeihstörungen und Bauchschmerzen auf.

Bei Kindern heilt ein geringgradiger vesikorenaler Reflux häufig von selbst aus. Deswegen wird im günstigen Fall eine operative Korrektur aufgeschoben und drohenden bakteriellen Infektionen mit Antibiotika vorgebeugt. Bei höhergradigem Reflux dichten die Ärzte die Harnleitermündung operativ ab. Trotz der verschiedenen operativen Möglichkeiten lässt sich die Entwicklung zu einem terminalen Nierenversagen häufig nicht vermeiden.

Bei den sekundären, erworbenen Formen steht die Therapie der Ursache im Vordergrund. So muss z. B. bei Engstellen durch Narbenbildung nach einem ärztlichen Eingriff der Harnabfluss operativ wiederhergestellt werden. Wenn nötig, kommen zusätzlich Medikamente und Anti-Reflux-Operationen zum Einsatz.

Hinweis: Zur besseren Lesbarkeit werden im folgenden Text die Begriffe vesikoureteraler Reflux und vesikorenaler Reflux als vesikoureteraler Reflux zusammengefasst.

Symptome und Leitbeschwerden

Bei Säuglingen und Kleinkindern:

  • Schlechtes Gedeihen mit Untergewicht und Blässe
  • Fieber
  • Wiedereinnässen
  • Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen.

Bei größeren Kindern und Erwachsenen:

  • Brennen beim Wasserlassen, Harndrang
  • Übelriechender Urin
  • Schmerzen in der Nierengegend
  • Flankenschmerz, besonders bei voller Blase oder während des Wasserlassens
  • Gelegentlich auch Wasserlassen in zwei Etappen, oft mit krampfhaften Schmerzen (zweizeitige Miktion).

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen

  • bei den genannten Beschwerden ohne Fieber.

Heute noch

  • bei Flankenschmerzen oder Fieber.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Ursachen

Die Mündungsstellen der beiden Harnleiter in die Harnblase sind so geformt, dass ein Ventil entsteht. Durch dieses Ventil fließt der in den Nieren produzierte Urin problemlos in die Harnblase ab und wird gleichzeitig daran gehindert, wieder in die Harnleiter zurückzufließen. Das Ventil funktioniert, weil jeder Harnleiter wie ein Tunnel längs innerhalb der Harnblasenwand verläuft.

Bei einer Fehlentwicklung mit kurzem senkrechtem Verlauf der Harnleiter durch die Blasenwand ist die Ventilfunktion unzureichend. Eine solche nicht normal ausgebildete Harnleitermündung in die Harnblase ist die häufigste Fehlbildung der ableitenden Harnwege und tritt etwa bei 1 von 200 Neugeborenen auf. Mädchen sind 4-mal häufiger betroffen als Jungen. Solch ein angeborener Reflux wird auch primärer vesikoureteraler Reflux genannt.

Ein sekundärer vesikoureteraler Reflux hingegen hat eigentlich eine andere Störung oder Erkrankung im Urogenitalbereich zur Ursache, oft indem diese zu einer starken Druckerhöhung in der Blase führt. Überschreitet der Druck eine bestimmte Stärke, hält das Ventil nicht mehr dicht und Harn fließt zurück Richtung Niere. Mögliche Ursachen dafür sind neurologische Störungen, die eine rechtzeitige Blasenentleerung verhindern. Auch in Frage kommen Abflusshindernisse in der Harnröhre durch Harnröhrenklappen oder Harnröhrenverengungen, wodurch sich der Urin in der Blase staut. Ebenso kann eine chronische Blasenentzündung den Ventilmechanismus beeinträchtigen. Nicht zuletzt führen manchmal ärztliche Eingriffe zu einer Beschädigung der Harnblasenwand und damit zu einem vesiko-ureteralen Reflux.

Komplikationen

Da beim Reflux das regelmäßige Ausspülen der Harnwege mit dem Urinfluss beeinträchtigt ist und Urin im Harnleiter zwischen Blase und Niere "pendelt", haben Bakterien ideale Voraussetzungen, um Blasenentzündungen zu verursachen. Führen diese zu wiederholten Nierenbeckenentzündungen, werden die Nieren stark geschädigt.

Langfristig kann die Nierenfunktion so massiv beeinträchtigt werden, dass die Dialyse unumgänglich ist. Zudem droht eine überschießende Freisetzung der blutdrucksteigernden Hormone Renin und Angiotensin und dadurch ein unbeherrschbarer Bluthochdruck.

Diagnosesicherung

Der Verdacht auf einen vesikoureteralen Reflux erhärtet sich meist bei der Untersuchung mit Ultraschall, die bei der Blasenentzündung im Kindesalter angezeigt ist. Mit einem Miktionszysto-Urethrogramm weist der Arzt den Reflux nach und bestimmt dessen Schweregrad.

Mit einer Nierenszintigrafie erkennt er Narben im Nierengewebe, die Funktions-Szintigrafie der Niere gibt Auskunft über Abflusshindernisse in den Harnleitern. Abschließend erfolgt eine Harnblasenspiegelung, wodurch der Arzt Form, Größe und Lage der Harnleitermündungen beurteilt und die weitere Therapie festlegt.

Differenzialdiagnosen. Die gleichen Beschwerden verursachen auch Harnwegsinfektionen wie Nierenbeckenentzündung, Blasenentzündung oder Harnröhrenentzündung.

Behandlung

Primärer Reflux

Ohne Ausweitung der Harnleiter heilt ein vesikoureteraler Reflux bei Kindern im Verlauf des Körperwachstums bis zum 10. Lebensjahr häufig spontan aus. Sind die Harnwege oder die Harnleitermündung erweitert, ist die selbstständige Ausheilung nur noch in 30 % der Fälle zu beobachten.

Therapie mit Medikamenten. Besteht ein nur mäßiger Reflux, sodass der Urin nicht bis in die Niere zurückstaut, empfiehlt der Arzt zur Vorbeugung von Blasenentzündungen die dauerhafte Einnahme eines niedrig dosierten Antibiotikums (z. B. Nitrofurantoin, Trimethoprim oder ein Cephalosporin). Liegt gleichzeitig eine Reizblase vor, verordnen die Ärzte manchmal Anticholinergika. Dadurch wird die Harnblasenmuskulatur entspannt und der Druck in der Blase reduziert.

Vierteljährlich wird mit einem Urintest überprüft, ob sich neue Bakterien angesiedelt haben (darüber hinaus immer dann, wenn Beschwerden einer Blasenentzündung auftreten). Je nach Ausmaß empfiehlt der Arzt auch halbjährliche Kontrollen mit dem Miktionszysto-Urethrogramm und/oder einer Nierenszintigrafie. Entwickelt sich trotz der Antibiotikatherapie immer wieder eine Blasenentzündung, wird operiert.

Operative Behandlung. Eine Operation steht an, wenn trotz der Antibiotikatherapie immer wieder Harnwegsinfekte auftreten oder die Nierenfunktion sich verschlechtert. Bei einem höhergradigen Reflux mit völlig unzureichendem Ventilmechanismus der Harnleitermündung empfiehlt der Arzt zum Schutz der Niere meist einen sofortigen Eingriff. Zur Operation gibt es mehrere Verfahren, z. B. die

  • Endoskopische Unterspritzung. Hierbei führt der Arzt das Zystoskop in die Blase ein und unterspritzt die Harnleitermündung mit Silikon. Dadurch wird die Schleimhaut aufgepolstert und die Mündung besser verschlossen.
  • 21h12Antirefluxive Harnleiter-Neuimplantation. Hier trennt der Arzt in einer offenen Operation den Harnleiter an seinem unteren Ende von der Blase ab und pflanzt ihn mit einem verbesserten Verschlussmechanismus wieder in die Blase ein. Die Erfolgsrate liegt bei 95 %.

Bis der Reflux vollständig ausgeheilt ist, behandeln die Ärzte das betroffene Kind vorsorglich mit einem niedrig dosierten Antibiotikum, um Infektionen vorzubeugen. Die weitere Nachsorge besteht aus regelmäßigen Kontrollen des Urins, Ultraschalluntersuchung von Nieren und Harnleitern und Blutdruckkontrollen bis ins Jugendalter.

Sekundärer Reflux

Beim sekundären Reflux steht die Behandlung der Ursache im Vordergrund. Wenn möglich, müssen die auslösenden Faktoren beseitigt werden, z. B. indem die Ärzte eine Abflusstörung in der Harnröhre operieren. Je nach Art und Ausmaß des Refluxes kommen zusätzlich Antibiotika als Infektprophylaxe oder operative-Anti-Reflux-Verfahren zum Einsatz.

Prognose

Ein angeborener vesikoureteraler Reflux heilt in vielen Fällen unter langfristiger Antibiotikaprophylaxe aus. Schwere Formen mit erweiterten Harnleitern enden trotz der operativen Möglichkeiten häufig in einem chronischen Nierenversagen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Prävention

Beim vesikoureteralen Reflux ist ein zweifaches Wasserlassen kurz hintereinander ratsam, da beim ersten Wasserlassen ein Teil des Urins beim Anspannen des Blasenmuskels in Richtung Niere zurückfließt. Um sich dieser Restmenge – zumindest zum großen Teil – zu entledigen, wird eine Minute später nochmals wassergelassen. Das beugt Blasenentzündungen vor. Manche Experten empfehlen zum gleichen Zweck auch das dreizeitige Wasserlassen: Dabei uriniert der Betroffene zu festen Zeiten und ohne Harndrang 3-mal hintereinander im Abstand von 10 Minuten.

Für Geschwister betroffener Kinder empfehlen die Ärzte eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und ableitenden Harnwege, da ~ 30 % ebenfalls einen Reflux aufweisen.

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Lippenherpes lässt sich bezwingen

Mit Creme, Patch oder Hitze

Lippenherpes juckt, schmerzt und ist mit seinen gelblichen Krusten alles andere als eine Zierde. Häufig taucht er gerade dann auf, wenn man ihn am allerwenigstens gebrauchen kann. Zum Glück gibt es gegen die üblen Fieberbläschen inzwischen viele Gegenmittel. Wer sie frühzeitig einsetzt, hat gute Chance, den Herpes im Zaum zu halten.

Lebenslange Untermieter

Herpes-simplex-Viren (HSV) sind weit verbreitet. Am häufigsten kommt der Typ HSV-1 vor: Neun von zehn Erwachsenen tragen ihn in sich. Die meisten stecken sich damit schon in der frühen Kindheit an. Das Virus gelangt dabei über Körperflüssigkeiten wie Speichel oder Nasensekrete zunächst auf die Schleimhaut oder wird eingeatmet. Von dort erreicht es dann die Blutbahn. Nach dieser ersten, oft unbemerkten Infektion ziehen sich die Viren in bestimmte Nervenzellen (Ganglienzellen) zurück und bleiben lebenslang im Körper. Werden die „schlafenden“ Viren allerdings durch Stress oder andere Faktoren reaktiviert, wandern sie die Nervenbahnen entlang und lösen Geschwüre und Bläschen an der Haut aus.

Besonders häufig sitzen die Herpesviren in den Ganglienzellen des Nervus trigeminus. Dieser innerviert die Gesichtshaut, die Lippen und die Mundschleimhaut. Werden die Viren reaktiviert, kommt es in diesen Gebieten zu Symptomen. Am allerhäufigsten betroffen sind dabei die Lippen und der Bereich um den Mund herum. Im Volksmund nennt man die dann auftretenden kleinen schmerzhaften Geschwüre Fieberbläschen. Fachleute sprechen von einem Herpes labialis, wenn er an den Lippen oder im Mund sitzt, vom Herpes nasalis, wenn er die Nase befällt.

Fieberbläschen kündigen sich oft durch Brennen, Kribbeln oder Jucken an. Innerhalb weniger Stunden blüht der Herpes auf: Es entwickelt sich ein münzgroßer, geröteter Herd mit kleinen Blasen. Diese sind prall gefüllt mit HSV. Nach wenigen Tagen platzen sie und trocknen schließlich aus. Dabei bilden sich höchst schmerzhafte Krusten. Nach acht bis zehn Tagen ist die Wunde abgeheilt, und die Haut sieht wieder so aus wie vorher. Dummerweise bleibt es meist nicht bei der einen Attacke. Bei vielen Menschen, die das HSV in sich tragen, kommt das Fieberbläschen immer wieder. Oft an der gleichen Stelle, manchmal auch in anderen Bereichen des Mundes oder an der Nase.

In manchen Fällen bleibt es bei der Reaktivierung nicht beim harmlosen Fieberbläschen. Vor allem bei immungeschwächten Patient*innen und Neugeborenen drohen Komplikationen. Das Virus kann sich im gesamten Körper ausbreiten und das zentrale Nervensystem, die Lunge und die Leber infizieren. Atemnot, Fieber und Krampfanfälle sind nur einige der lebensbedrohlichen Folgen.

Hinweis: Manchmal kommt es durch die Reaktivierung von HSV-1 zu einer Augeninfektion. Dabei sind v.a. die Hornhaut und die Bindehaut betroffen. Bemerkbar macht sich der Augenherpes durch Rötung, Schmerzen, Juckreiz und Fremdkörpergefühl im Auge.

Was HSV aus seiner Zelle lockt

Fast alle Menschen sind mit HSV-1 infiziert. Doch nicht alle leiden unter Fieberbläschen. Das liegt daran, dass das Virus reaktiviert werden muss, bevor es aus den Nervenzellen auswandert und an der Haut zu Beschwerden führt. Provokationsfaktoren oder Trigger gibt es zahlreiche:

  • UV-Strahlung der Sonne (eine andere Bezeichnung für den Herpes labialis ist auch der „Gletscherbrand“ durch starke UV-Strahlen im Gebirge)
  • Fieber und Infektionskrankheiten
  • Hormonumstellungen (z.B. bei der Menstruation)
  • psychische Faktoren wie Stress, Ekel oder Traumata

Hinweis: Wer sehr häufig oder jeweils sehr lange unter Fieberbläschen leidet, sollte dies ärztlich abklären lassen. Dahinter kann eine Immunschwäche stecken.

Beschwerden mit Cremes und Gelen lindern

Das traditionelle Fieberbläschen ist nicht gefährlich, aber überaus lästig. Zum Glück gibt es inzwischen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Besonders häufig werden spezielle Cremes eingesetzt.

Antivirale Cremes. Diese Cremes enthalten ein Virostatikum, das die Vermehrung der Viren stoppt. Trägt man sie schon beim ersten Kribbeln auf, bilden sich manchmal erst gar keine Bläschen aus. Ansonsten kann der Wirkstoff helfen, dass das Bläschen schneller abheilt und weniger schmerzt. Die Cremes sollten so früh wie möglich und dann alle drei bis vier Stunden eingesetzt werden. Für das Virostatikum Aciclovir gibt es keine Alterseinschränkung. Penciclovir darf erst ab einem Alter von zwölf Jahren angewendet werden. Aciclovir steht auch in Kombination mit antientzündlichem Hydrokortison zur Verfügung. Die Kombination soll die Symptome schneller lindern und die Wundheilung beschleunigen.

Zink. Zink soll auf Herpesviren ebenfalls einen hemmenden Effekt ausüben. Es wird für die virale Bläschenphase und die Zeit der Heilung empfohlen. Speziell für den Lippenherpes hergestellte Gele mit Zinksulfat-Heptahydrat sind in der Apotheke erhältlich.

Pflanzliche Salben. Melissenöl, Teebaumöl und Pfefferminzöl sind im Labor antiherpetisch wirksam, andere Pflanzeninhaltsstoffe haben desinfizierende Eigenschaften. Für den Lippenherpes gibt es spezielle Mixturen, z. B. Rephaderm mit Rosmarin-, Myrrhen- und Wermutkrautextrakten. Der Mikroalgenaktivstoff Spirulina-platensis-Extrakt (z.B. in Spiralin oder Ilon Lippencreme) soll das Eindringen und Anhaften von HSV in die Hautzellen verhindern. Dadurch kann er im Akutfall verhindern, dass das Bläschen weiter aufblüht. Auch vorbeugend soll Spirulina herpesanfällige Lippen schützen können. Außerdem reduziert der Algenwirkstoff die Krustenbildung und fördert die Abheilung.

Hinweis: Bei den Virostatika kommt es auch auf die Salbengrundlage an. So dringt Studien zufolge Aciclovir besonders gut in die Schleimhaut ein, wenn es mit einem Anteil von 40% Propylenglykol zubereitet ist.

Pflaster und Lippenstift

Statt Cremes lässt sich der Lippenherpes auch mit speziellen Pflastern oder Patches behandeln. Sie fördern durch Hydrokolloide die Wundheilung und reduzieren die Krustenbildung. Dabei sind sie auch ohne Wirkstoff etwa ebenso effektiv wie virostatische Cremes. Die Pflaster haben durchaus Vorteile: Sie schützen vor Infektionen und Weiterverbreitung der Viren. Außerdem lassen sie sich gut überschminken, d.h. das Fieberbläschen fällt weniger stark auf. Die Patches sollen 24 h auf der Läsion verbleiben. Beim Austausch lösen sich die Krusten mit ab – was allerdings recht schmerzhaft sein kann.

Ein weiteres Therapieprinzip ist Hitze. HSV sind wärmeempfindlich und lassen sich deshalb mit speziellen elektrischen Lippenstiften bekämpfen. Ab dem ersten Kribbeln soll man das Gerät stündlich für drei Sekunden auf die betroffene Stelle aufsetzen. Kribbelt es weiter, kann man die Behandlung nach zwei Minuten insgesamt fünf Mal pro Stunde wiederholen. Offene Bläschen oder verletzte Haut dürfen damit allerdings nicht behandelt werden. Außerdem muss die Haut frei von Cremes und trocken sein. Um eine Virenübertragung zu vermeiden, sollte der elektrische Stift nur von einer Person verwendet werden.

Tipp: Für ihre Vermehrung brauchen Herpesviren die Aminosäure L-Arginin. Nimmt man deren Gegenspieler L-Lysin ein, kann das die Abheilung unterstützen. L-Lysin ist in verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln (Kapseln oder Kautabletten) enthalten.

Allgemeine Maßnahmen verhindern die Ansteckung

Egal wie man seinen Lippenherpes behandelt: Auf jeden Fall sollte man dafür sorgen, dass man andere nicht infiziert. Denn die Flüssigkeit in den Bläschen ist prall gefüllt mit Viren. Hygiene ist bei einem akuten Lippenherpes deshalb oberstes Gebot. Das bedeutet:

  • Hände regelmäßig waschen und desinfizieren.
  • Bläschen nicht berühren oder öffnen. Cremes und Gele am besten mit einem Wattestäbchen auftragen.
  • Körperkontakt mit Kindern und Schwangeren meiden.
  • Läsionen mit einem Herpespatch oder Pflaster abdecken.
  • Als Kontaktlinsenträger mit aktivem Lippenherpes lieber eine Brille tragen, um die Viren nicht in die Augen zu verschleppen.
  • Nach dem Abheilen Zahnbürsten austauschen.

In manchen Fällen kann man dem wiederkehrenden Lippenherpes vorbeugen. Dazu muss man allerdings die Faktoren kennen, die das Aufblühen triggern. Ist Sonne der Auslöser, hilft Sonnenschutz – vor allem ein Lippenstift mit hohem Lichtschutzfaktor. Auch Kälte und trockene Luft kann HSV aufwecken. Deshalb sollte man im Winter die Lippen gut pflegen und draußen mit einem Schal oder Rollkragen vor eisigen Temperaturen schützen. Bei stressbedingtem Herpes können Entspannungstherapien zu einer besseren Stresskontrolle führen. Infektionen vermeidet man, indem man die empfohlenen Impfungen wahrnimmt und vor allem in der Erkältungszeit die Gebote der Hygiene beachtet.

Tipp: Wenn der Lippenherpes regelmäßig aufblüht, sollte man darüber Buch führen. Dadurch lassen sich die triggernden Faktoren leichter herausfinden.

Virostatika innerlich

In manchen Fällen müssen virostatische Medikamente auch innerlich eingesetzt werden. Dass ist z.B. der Fall, wenn schwere Verläufe drohen – wie bei Patient*innen mit Immunerkrankungen oder bei Neugeborenen. Meist verabreichen die Ärzt*innen den Wirkstoff dann über die Vene. Vor Zahnoperationen oder Schönheitsoperationen im Gesicht empfehlen Ärzt*innen oft die Einnahme von Aciclovir-Tabletten, um das Aufblühen von Läsionen zu verhindern. Bei immungeschwächten Menschen, die häufig Rezidive erleiden, wird zur Vorbeugung manchmal auch zu einer Langzeittherapie mit Valaciclovir oder Aciclovir in Tablettenform geraten.

Quelle: DAZ 2023, 26: 30

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: mauritius images / BSIP / Chassenet
Der Erkältung eins husten
Ausreichend Tee zu trinken und sich warm zu halten gehört zu den Basismaßnahmen bei Erkältungskrankheiten.

Der Erkältung eins husten

Mit Thymian, Myrte, Rosmarin

In der Erkältungszeit machen Husten, Schnupfen und Heiserkeit vor kaum jemandem halt. Zum Glück muss man nicht gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen: Pflanzentherapeutika und Hausmittel können beim grippalen Infekt die Beschwerden gut lindern.

Grippaler Infekt oder Grippe?

In Herbst und Winter leiden Millionen von Deutschen an akuten Atemwegserkrankungen. Ein Teil davon geht mittlerweile auf eine Infektion mit dem Coronavirus zurück. Das Robert Koch-Institut schätzt allerdings, dass der Löwenanteil an Erkältungen von Influenzaviren, Rhinoviren und respiratorischen Synzytialviren (RSV) verursacht wird.

Der typische „grippale Infekt“ beginnt mit Halsschmerzen und Schnupfen, oft schmerzen auch Kopf und Glieder. Es kommt zu Husten mit zunehmendem Auswurf, die ganze Sache dauert etwa eineinhalb Wochen. Dahinter stecken insbesondere Rhinoviren oder RSV. Eine Erkältung oder ein grippaler Infekt lässt sich recht gut in Eigenregie mit Hausmitteln oder Hilfe aus der Apotheke behandeln.

Die echte Grippe wird durch Influenzaviren ausgelöst. Dabei entwickelt sich meist schnell hohes Fieber und Reizhusten, die Lymphknoten schwellen an und die Betroffenen fühlen sich sehr krank. Zu ganz ähnlichen Beschwerden kommt es auch bei einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV2 und bakteriellen Infektionen. In all diesen Fällen ist es wichtig, die Ärzt*in aufzusuchen.

Hinweis: Alte Menschen, Immungeschwächte und Schwangere sollten sich bei einer starken Erkältung nicht selbst therapieren. Um Komplikationen zu vermeiden, ist es besser, frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Immunsystem stärken

Beim grippalen Infekt möchten viele Patient*innen ihr Immunsystem mit Pflanzenmedizin unterstützen. Angeboten werden dafür vor allem Pelargonium sidoides, Echinacea und Kapuzinerkresse plus Meerrettich.

Pelargonium-sidoides-Extrakt (z B. in Umckaloabo® oder Pelargonium-ratiopharm® Bronchialtropfen) ist ein besonders gut untersuchtes pflanzliches Heilmittel. Eine vor wenigen Jahren veröffentlichte Metaanalyse kam zu dem Schluss, dass der Extrakt grippale Beschwerden lindert - die Patient*innen hören z.B. früher auf zu husten. Auch die allgemeineErkrankungsdauer soll sich um einige Tage verkürzen. Allerdings gibt es Hinweise, dass Pelargonium sidoides die Leber schädigen könnte. Leberkranke dürfen den Extrakt deshalb nicht einnehmen. Im Zweifel fragt man dazu seine Ärzt*in.

Der Extrakt aus dem Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea, z.B. in Esberitox®) soll Erkältungen vorbeugen sowie entsprechende Beschwerden lindern. Die Studienergebnisse dazu sind allerdings widersprüchlich. Am ehesten scheint der Sonnenhut bei frühzeitiger Einnahme zu wirken.

Ebenfalls eingesetzt werden Extrakte aus Kapuzinerkresse und Meerrettich (z.B. Angocin®). Sie wirken eher vorbeugend: In einer Untersuchung erkrankten Teilnehmende, die den Extrakt einnahmen, seltener an Atemwegsinfektionen. Wurden sie dennoch davon erwischt, hatte der Extrakt keinen Einfluss auf Dauer und Schwere der Erkrankung.

Hinweis: Am besten kauft man diese Extrakte in einer Apotheke. Dort kann man sicher sein, ein geprüftes Präparat zu erhalten. Zudem bekommt man eine ausführliche Beratung.

Allgemeine Maßnahmen sind die Basis

Neben pflanzlicher Unterstützung helfen bei einer Erkältung vor allem auch allgemeine Maßnahmen. Wenn das Immunsystem gegen Erreger kämpft, ist es gut, sich zu schonen und dem Körper Ruhe zu gönnen. Bei leichtem Fieber helfen zudem kühle Wadenwickel. Im frühen Stadium einer Erkältung sind warme Fußbäder angenehm. Außerdem sollte man auf eine ausreichende Luftfeuchtigkeit achten, damit die Schleimhäute feucht bleiben und Krankheiterreger gut abtransportieren werden können. Besteht kein Fieber, sind Erkältungsbäder mit Extrakten aus Rosmarin und Eukalyptus für viele eine Wohltat. Bei Fieber sollte man auf warme Bäder besser verzichten, um den Kreislauf nicht zu belasten.

Für die Abwehr von Erregern braucht das Immunsystem sehr viel Energie. Auch wenn man sich schwach fühlt, sollte man ausreichend Kalorien zu sich nehmen. Um das Verdauungssystem nicht zu belasten, bietet sich leichte Kost an. Immer empfehlenswert ist die Gemüsebrühe, ansonsten gilt Tee als  ideal. Beides ersetzt auch die Flüssigkeit, die durch Schwitzen und vermehrte Nasensekrete verloren geht.

Manche schwören bei den ersten Anzeichen einer Erkältung auch auf eine Schwitzkur. Sie soll dafür sorgen, dass die Erreger möglichst schnell wieder ausgeschieden werden. Das funktioniert so:

  • Bequemen Jogginganzug anziehen, Mütze aufsetzen.
  • Gemütlich auf einem Sessel Platz nehmen und die Füße in ein warmes Fußbad stellen.
  • Währenddessen einen Schwitzkur-Tee trinken. Das Rezept dafür lautet: Jeweils 30 g Holunder- und Lindenblüten, 20 g Mädesüßblüten und 20 g Hagebuttenfrüchte mischen. Einen Esslöffel davon mit 150 ml heißem Wasser übergießen, ziehen lassen und trinken. Drei- bis viermal täglich wiederholen.
  • Füße abtrocknen, schweißnasse Kleidung wechseln, ins Bett legen und schlafen.

Hinweis: Vorsicht, eine Schwitzkur belastet den Kreislauf stark. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten deshalb lieber darauf verzichten.

Halsschmerzen lindern

Erkältungskrankheiten und grippale Effekte beginnen fast immer mit Halsschmerzen. Schon einfache Lutschbonbons (bitte ohne Zucker!) lindern die Qual, weil sie die Speichelproduktion anregen. Nachgewiesenermaßen schmerzstillend wirken Salbei und Thymian. Sie gibt es in der Apotheke als Lutschbonbons und als Spray. Ebenfalls hilfreich für gestresste Rachen sind Primelwurzeln (z.B. in Ipalat®), Spitzwegerich (z.B. in Tetesept® Reizhusten & Hals Lutschtabletten) und isländisches Moos (z.B. in Isla Moos®, Neoangin Junior® und Aspecton®).

Eine Alternative zu Bonbons und Spray ist Tee. Dazu übergießt man einen Esslöffel getrocknete Salbeiblätter mit kochendem Wasser. Den Sud zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen, danach durch ein Sieb gießen und einmal pro Stunde damit gurgeln.

Nicht pflanzlich, aber ebenfalls natürlich ist außerdem der Quarkwickel. Dafür streicht man etwa 250 g zimmerwarmen Quark auf ein Leinentuch auf und legt dies abends mit der Quarkseite auf den Hals. Darüber kommt ein trockenes Tuch. Der Wickel bleibt über Nacht liegen und wird morgens abgenommen.

Hinweis: Am besten ist es, Tee und Lutschbonbons zu kombinieren. So wird der Schmerz im Hals gemildert und der Körper erhält ausreichend Flüssigkeit.

Nase frei ist oberstes Gebot

Neun von zehn Betroffenen mit grippalem Infekt leiden unter Schnupfen mit Niesreiz, Naselaufen und verstopfter Nase. Bei starker Ausprägung sind nicht-pflanzliche abschwellende Nasensprays aus der Apotheke die wichtigste Maßnahme, damit das Sekret abläuft und sich die ganze Sache nicht zu einer schweren Nebenhöhlenentzündung auswächst. Damit die Nasenschleimhaut nicht leidet, dürfen abschwellende Nasentropfen nur wenige Tage lang angewendet werden.

Pflanzenmedizin kann bei der Befreiung der Nase durchaus unterstützend wirken. So soll ein Extrakt aus Ampfer, gelbem Enzian, Holunder, Eisenkraut und Schlüsselblume (z.B. BNO1016 in Sinupret®) die Dauer einer Rhinosinusitis (das ist die Infektion von Nasenhöhle und Nasennebenhöhle) um vier Tage reduzieren. Auch Eukalyptus-Extrakte (z.B. in Gelomyrtol forte® oder Soledum®) sind hilfreich. Sie beschleunigten bei Patient*innen mit Rhinosinusitis, die Antibiotika bekamen, die Linderung der Beschwerden und die Heilung.

Direkt in Nase und Nebenhöhlen wirken Inhalationen mit Wasserdampf. Dazu füllt man heißes Wasser in eine Schüssel, beugt den Kopf darüber und atmet die Dämpfe ein. Noch einfacher geht es mit speziellen, in der Apotheke erhältlichen Inhaliergefäßen. Je nach Vorliebe fügt man dem heißen Wasser Kamillenblüten oder ätherische Öle aus Pfefferminze, Eukalyptus oder Latschenkiefer hinzu. Vorsicht geboten ist bei Asthma oder Keuchhusten. In diesen Fällen kann es durch das Inhalieren ätherischer Öle zu Verkrampfungen der Bronchialmuskulatur und Atemnot kommen.

Etwas unangenehm, aber wirksam sind zudem Nasenspülungen mit Kochsalzlösung. Dazu verwendet man entweder eine professionelle Nasendusche. Oder man zieht die Lösung durch die Nase und spuckt sie durch den Mund wieder aus.

Hinweis: Nasennebenhöhlenentzündungen können sich auch in das Gehirn ausbreiten. Wichtige Alarmsignale dafür sind starke Kopfschmerzen, Veränderungen beim Sehen und eine Lidschwellung.

Dem Husten eins husten

Im Verlauf eines grippalen Infekts kommt es eher spät zu Husten. Meist handelt es sich zunächst um trockenen Reizhusten, Auswurf entwickelt sich erst im Verlauf. Gegen trockenen Husten hilft folgende Teerezeptur:

  • 15 g Anisfrüchte, 25 g Süßholzwurzel, 25 g Eibischwurzel und 35 g Eibischblätter vermischen,
  • zwei Esslöffel der Teemischung mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen,
  • 10 bis 15 Minuten ziehen lassen und abseihen.
  • 3 – 4 Mal täglich eine Tasse davon trinken.

Außerdem empfohlen werden bei Reizhusten schleimhaltige pflanzliche Arzneimittel zum Lutschen. Dazu gehören Spitzwegerich in Broncho-Sern®, Eibisch in Silomat® oder die Königskerze (z. B. Antall®). Beim produktiven Husten unterstützen Pflanzentherapeutika das Lösen der Sekrete. Eingesetzt werden vor allem Eukalyptus (z.B. in Gelomyrtol forte®), Primel (z.B. in Bronchicum®) oder Myrte (z.B. Myrtol®).

Efeublätter-Trockenextrakte wie Prospan® lösen und lindern Husten ebenfalls. Ihre Wirkung ist allerdings gering, wie eine Metaanalyse ergab. Dafür hat Efeu eine leichte bronchospasmolytische Wirkung, d.h. es entspannt die Atemwege. Dieser Effekt ist bei Patient*innen mit begleitendem Asthma oder einer chronisch-obstruktiven Pulmonalerkrankung (COPD) günstig.

Hildegard von Bingen schwörte übrigens bei Keuchhusten auf echten Thymian als Hustenstiller. Tatsächlich konnte Thymian in Kombination mit Efeu-Extrakt in einer kontrollierten Studie die Häufigkeit und Dauer von Husten bei Bronchitis lindern. Hinweis: Husten, der länger als acht bis zehn Tage anhält, sollte ärztlich abgeklärt werden. Denn dahinter könnte auch ein Asthma, eine Herzschwäche oder die Nebenwirkung einer Medikamententherapie stecken.

Quelle: Penzel M, DAZ 2022; 50:1-15, Beer AM, MMW 2016:21-22:158

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: mauritius images / Westend61 / Svetlana Karner
Gezielt gegen Blasenschwäche
Bei einer Blasenschwäche ist nicht nur der erhöhte Wäscheaufwand ein Problem für die Betroffenen.

Gezielt gegen Blasenschwäche

Mit Training und Medikamenten

Immer noch ein Tabu, aber weit verbreitet: Unter einer Blasenschwäche leiden in Deutschland Millionen von Frauen und Männern. Gegen den unwillkürlichen Urinverlust helfen allgemeine Maßnahmen und das Trainieren von Blase und Beckenboden. Reicht das nicht aus, kommen Medikamente ins Spiel.

Eingeschränkte Lebensqualität

Blasenschwäche (Harninkontinenz) ist die Unfähigkeit, den Urin in der Harnblase zu halten. Es kommt stattdessen zu unkontrolliertem Urinverlust, entweder tröpfchenweise oder auch im Schwall. Darunter leiden viele Menschen. Bei den 40- bis 60-Jährigen ist jede Zehnte betroffen, bei den Über-60-Jährigen jede Vierte.

Ob jünger oder älter – eine Blasenschwäche ist immer sehr belastend. Je nach Ausmaß wird die Lebensqualität durch die Inkontinenz stark eingeschränkt. Weil sie sich schämen, gehen viele Menschen trotz ihrer Beschwerden nicht zur Ärzt*in. Dabei ist es wichtig, eine Blasenschwäche zu behandeln. Denn nicht nur die psychischen Folgen wie Depressionen und Vereinsamung sind erheblich. Es drohen Hautentzündungen im Intimbereich und wiederkehrende Harnwegsinfektionen bis hin zum Nierenschaden. Zudem fallen alte Menschen mit Blasenschwäche häufiger hin, weil sie die Toilette schnell erreichen wollen. Solche Stürze enden oft mit einer fatalen Oberschenkelhalsfraktur.

Hinweis: Frauen leider öfter an Blasenschwäche als Männer. Ihr Beckenboden ist dehnbarer und hat mehr Durchgänge als der männliche Beckenboden. Außerdem wird der Blasenverschluss beim Mann durch die unter der Blase liegende Prostata unterstützt.

Welche Blasenschwäche ist es?

Blasenschwäche ist nicht gleich Blasenschwäche. Um die Beschwerden zu dokumentieren und besser interpretieren zu können, ist ein Blasentagebuch hilfreich. Darin hält man täglich fest, wieviel man trinkt und wie häufig man auf die Toilette muss. Wenn möglich, misst man auch die Menge des täglich ausgeschiedenen Urins. Mithilfe dieser Informationen kann die Ärzt*in die Blasenschwäche meist gut einordnen.

Belastungsinkontinenz. Jede zweite Frau mit Blasenschwäche leidet an einer Belastungsinkontinenz (früher auch Stressinkontinenz genannt). Dabei verliert die Betroffene Urin, ohne dass sie vorher einen Harndrang bemerkt hat. Der muskuläre Verschluss am Ausgang der Blase funktioniert nicht mehr gut, etwa weil die Beckenbodenmuskulatur schwach ist oder die Beckenbänder geschädigt sind. Dann genügt schon ein kleiner Druckanstieg in der Blase und die Betroffene verliert Urin. Der Druck in der Blase steigt an, wenn sich der Druck im Bauchraum erhöht. Dazu kommt es schon bei ganz normalen körperlichen Beanspruchungen wie Husten, Niesen oder dem Heben schwerer Gegenstände. Begünstigt wird die Belastungsinkontinenz durch eine Gebärmuttersenkung und Übergewicht.

Dranginkontinenz. Bei der Dranginkontinenz muss die Betroffene plötzlich ganz dringend auf die Toilette, ohne dass die Blase richtig gefüllt ist. Wer nicht schnell genug ist, verliert kleine Tropfen Urin, manchmal aber auch einen ganzen Schwall. Das passiert sowohl tagsüber als auch nachts. Auslöser ist eine Störung in der Blasenwandmuskulatur, z.B. durch Entzündungen, Blasensteine oder neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson. Beim Mann kommt als Ursache auch eine Prostatavergrößerung in Frage.

Mischinkontinenz. Hier leiden die Betroffenen unter beiden Formen der Blasenschwäche. Sie haben wie bei einer Dranginkontinenz auch bei nicht gefüllter Blase Harndrang und ungewollten Urinverlust. Außerdem verlieren sie Urin bei körperlicher Beanspruchung.

Überaktive Blase. Bei dieser Blasenschwäche zieht sich der Muskel am Blasenausgang immer wieder zusammen und lässt dann wieder los. Das Phänomen ist nervenbedingt oder psychisch. Die Patient*innen leiden unter sehr starkem, manchmal sogar schmerzhaftem Harndrang, der sie mehr als acht Mal täglich und auch nachts zur Toilette zwingt. Solange der Beckenboden noch funktioniert, können die Betroffenen den Urin aber noch willkürlich zurückhalten.

Daneben gibt es weitere Formen der Blasenschwäche. Befindet sich z.B. am Blasenausgang ein Tumor oder Blasenstein, entleert sich die Blase beim Wasserlassen nicht komplett. Es bleibt Urin in der Blase, d.h. die Menge an sog. Restharn steigt an. Die Blase ist überfüllt und kann überlaufen. Patient*innen haben meist einen dauerhaften Harndrang und verlieren ständig kleine Mengen an Urin. Andere Ursachen für Blasenschwäche sind Nervenerkrankungen wie z.B. die Querschnittlähmung. Dabei lösen Reflexe (etwa bei gefüllter Blase) das Pinkeln aus. Man spricht dann von einer Reflexinkontinenz.

Ist die Form der Blasenschwäche erkannt, wird nach der Ursache gesucht. Je nach Verdachtsdiagnose kommen spezielle Untersuchungen zum Einsatz. Dazu gehören z.B. die Restharnbestimmung und die Urinanalyse, z.T. auch Blutuntersuchungen zur Überprüfung der Nierenfunktion. Bei Frauen ist eine gynäkologische Untersuchung empfehlenswert, da Veränderungen im Becken häufig eine Blasenschwäche auslösen oder verstärken. Beim Mann ist die Untersuchung der Prostata obligat. In manchen Fällen sind auch Ultraschalluntersuchungen oder eine Blasenspiegelung nötig.

Was gegen die Blasenschwäche hilft

Liegt der Harninkontinenz eine Erkrankung zugrunde, wird diese entsprechend therapiert. Dies ist zum Beispiel bei der Prostatavergrößerung oder bei Blasensteinen der Fall. Häufig gibt es aber keine behandelbare Ursache. In diesen Fällen geht man den ungewollten Urinverlust in Stufen an. Basis sind folgende Allgemeinmaßnahmen:

  • Koffeinkonsum reduzieren. Kaffee, Cola und schwarzer Tee haben aufgrund des Koffeins eine ausschwemmende Wirkung. Bei manchen Betroffenen wird die Blasenschwäche besser, wenn sie diese Genussmittel vermeiden.
  • Übergewicht verringern. Zu viele Kilos erhöhen den Druck im Bauch und folglich auch den Druck auf die Blase. Abnehmen bessert deshalb vor allem die Belastungsinkontinenz.
  • Verstopfung behandeln. Starkes Pressen beim Stuhlgang belastet die Beckenbodenmuskulatur und schwächt diese auf Dauer.
  • Flüssigkeitszufuhr kontrollieren. Vor allem bei der überaktiven Blase kann es helfen, etwas weniger zu trinken. Aber Vorsicht, diese Maßnahme sollte man immer mit der Ärzt*in besprechen. Auf keinen Fall darf man aufgrund seiner Blasenschwäche eine Austrocknung (Dehydrataion) riskieren.
  • Mehr bewegen. Spazierengehen und auch Hausarbeit sind besser als Herumsitzen und Schonen. Denn auch moderate körperliche Bewegung stärkt den Beckenboden.
  • Ungünstige körperliche Belastungen vermeiden. Schweres Heben schadet dem Beckenboden, ebenso sind manche Sportarten ungünstig. Dazu gehören z.B. Trampolinspringen oder Crossfit-Training.
  • Rauchen aufgeben. Raucherhusten geht oft mit einer Belastungsinkontinenz einher.

Tipp: Manche Medikamente verursachen oder fördern eine Harninkontinenz. Dazu gehören Anticholinergika zur Behandlung von Atemwegserkrankungen oder Parkinson, muskelentspannende Mittel, indirekte Parasympathikomimetika oder Beruhigungsmittel. Mit der Ärzt*in sollte besprochen werden, ob diese Arzneimittel reduziert oder ersetzt werden können.

Blase oder Beckenboden trainieren

Auch Training kann bei einer Blasenschwäche helfen. Gestärkt werden dabei je nach Form der Blasenschwäche entweder die Blase selbst oder der Beckenboden.

Das Blasentraining hilft besonders gegen die Dranginkontinenz. Es zielt darauf ab, die Zeiträume zwischen den Toilettengängen zu verlängern. Zunächst versucht die Betroffene, nicht gleich beim ersten Anzeichen eines Harndrangs zur Toilette zu gehen. Schritt für Schritt wird der Gang zur Toilette immer länger verzögert. Hilfreich dabei sind Entspannungsübungen. Auf diese Weise vergrößert sich das Aufnahmevolumen der Blase, der Harndrang wird geringer und das Wasserlassen besser kontrolliert.

Intensives Beckenbodentraining ist dagegen die passende Maßnahme für eine Belastungsinkontinenz. Diese Übungen erlernt man am besten in einer Physiotherapie. Spüren Betroffene mit Belastungsinkontinenz ihre Beckenbodenmuskulatur nicht, kann die Elektrostimulation helfen. Dazu verschreibt die Ärzt*in spezielle Geräte, die über die Scheide oder den Dammbereich elektrische Impulse abgeben.

Tipp: In die Scheide eingelegte Pessare stabilisieren die Harnröhre von innen. Sie helfen besonders bei unwillkürlichem Urinverlust durch körperliche Belastungen im Rahmen einer Belastungsinkontinenz.

Medikamente gegen Urinverlust

Wenn allgemeine Maßnahmen und Training nicht zum erwünschten Erfolg führen, sind stärkere Geschütze geboten. Leider gibt es wenig Hilfe aus dem Reich der Pflanzen. Zwar werden zur Linderung der Beschwerden zahlreiche Extrakte angeboten. Klinische Studien mit eindeutigen Daten zur Wirksamkeit fehlen in den meisten Fällen. Für Kürbissamen gibt es aus einer Beobachtungsstudie mit 117 Betroffenen Hinweise, dass sie Frauen mit überaktiver Blase helfen können.

Anders sieht das mit synthetischen Arzneimitteln aus. Für die Dranginkontinenz und die überaktive Blase gelten Muskarinrezeptor-Antagonisten als effektive Option. Sie verringern spontane Mikrobewegungen in der Blasenwandmuskulatur und reduzieren den Harndrang. Allerdings blockieren die Wirkstoffe nicht nur die Muskarinrezeptoren in der Blase, sondern im gesamten Organismus. Deshalb haben diese Substanzen auch zahlreiche Nebenwirkungen. Dazu gehören u.a. Mundtrockenheit, Sehstörungen und Verstopfung. Oxybutynin führt bei älteren Menschen sogar zu Verwirrtheit und Denkstörungen, vor allem wenn es abgeschluckt wird.

Einige Muskarinrezeptor-Antagonisten (z.B. Tolterodin) sollen beinahe nur auf die Blase wirken und so weniger Nebenwirkungen auslösen. Letzteres gilt auch für Präparate, deren Wirkstoff verzögert freigesetzt wird, sog. retardierte Arzneistoffe.

Eine neue Therapieoption gegen Dranginkontinenz und eine überaktive Blase ist Mirabegron. Die Substanz bindet an Betarezeptoren in der Harnblasenmuskulatur und entspannt dadurch die Blase. Eingesetzt wird Mirabegron, wenn Muskarinrezeptor-Antagonisten nicht ausreichend wirken. Sie sind auch bei älteren Menschen geeignet, weil sie seltener Verwirrtheit oder Denkstörungen auslösen. Als Nebenwirkung ist allerdings eine Erhöhung des Blutdrucks zu beachten.

Ein Wirkstoff zur Behandlung der Belastungsinkontinenz ist das Antidepressivum Duloxetin, ein selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Es stärkt den Schließmuskel der Blase und erhöht ihr Fassungsvermögen. Dadurch kommt es seltener zu unwillkürlichem Urinverlust. Das hat allerdings auch bei Duloxetin seinen Preis: Typisch sind Nebenwirkungen im Verdauungstrakt wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung. Vor allem bei psychisch nicht gesunden Menschen soll der Wirkstoff aber auch vermehrt Angst und innere Unruhe auslösen.

Mit Operationen an die Blasenschwäche

Manchmal helfen auch Medikamente nicht ausreichend. Ist der Leidensdruck hoch, sind interventionelle oder operative Verfahren eine Option.

Interventionelle Verfahren. Bei der überaktiven Blase und bei der Dranginkontinenz kann die Ärzt*in den Wirkstoff Onabotulinumtoxin A in die Blase instillieren. Dadurch entspannt sich die Blasenmuskulatur und der Harndrang wird weniger. Die Wirkung setzt jedoch erst zwei Wochen nach dem Eingriff ein und hält nur einige Wochen bis Monate an. Eine weitere Option bei überaktiver Blase ist die sakrale Neuromodulation. Dabei wird eine Art Schrittmachers in die Blase eingesetzt. Dieser sendet sanfte elektrische Impulse an den Sakralnerv, der die Blase versorgt. Auf diese Weise lässt sich sowohl eine Überaktivität als auch eine Unteraktivität der Blasenmuskulatur kontrollieren.

Operationen. Die Belastungsinkontinenz kann auch relativ einfach mit einer Band- oder Schlingen-Operationen behandelt werden. Dabei wird das natürliche Band, das die Harnröhre in ihrer Position hält, durch ein künstliches Band verstärkt. Eine weitere Möglichkeit ist das Injizieren von Gel in den Bereich des Harnröhrenabgangs von der Blase. Es entsteht ein Polster, das den Blasenausgang besser verschließt. Manchmal empfehlen die Ärzt*innen auch das operative Anheben des Blasenhalses. Ist bei Männern eine vergrößerte Prostata die Ursache der Blasenschwäche, hilft deren komplette oder teilweise Entfernung.

Quelle: S2k-Leitlinie Harninkontinenz der Frau

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: mauritius images / Giuseppe Anello / Alamy / Alamy Stock Photos
Was hilft gegen niedrigen Blutdruck?
Bei einer Hypotonie liegen die Blutdruckwerte unter 100/60 mmHg.

Was hilft gegen niedrigen Blutdruck?

Kalte Füße, häufig Schwindel

Menschen mit niedrigem Blutdruck fühlen sich oft schlapp und müde, sie frieren leicht und leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten. Zum Glück steckt meist keine ernsthafte Erkrankung dahinter. Dann lässt sich dem niedrigen Blutdruck mit vielen einfachen Maßnahmen Beine machen. Reicht das nicht, gibt´s Hilfe aus der Apotheke.

Von Müdigkeit bis Krampfanfall

Von einem niedrigen Blutdruck oder einer Hypotonie spricht man, wenn der systolische Blutdruckwert unter 100 mmHg liegt. In den allermeisten Fällen hat das keinen Krankheitswert. Im Gegenteil: Menschen mit niedrigem Blutdruck weisen sogar eine etwas höhere Lebenserwartung auf als Menschen mit normalen Blutdruckwerten. Doch viele Betroffene leiden trotzdem unter ihrer Hypotonie, denn sie kann eine ganze Reihe von Beschwerden auslösen.

Durch die verringerte Durchblutung frieren hypotone Menschen häufiger. Oft fühlen sie sich müde, und ihre Konzentrationsfähigkeit kann eingeschränkt sein. Es drohen Benommenheit, Schwindelgefühle und Sehstörungen. Auch hinter Verwirrtheitszuständen kann ein zu niedriger Blutdruck stecken. Vor allem bei älteren Menschen kommt es blutdruckbedingt zu kurzer Bewusstlosigkeit (Synkope) und dadurch zu Stürzen, manchmal entstehen sogar Krampfanfälle. Typisch ist, dass körperliche Anstrengung oder Essen die Beschwerden verstärken. Das liegt daran, dass der ohnehin geschwächte Kreislauf dann primär die Muskeln oder den Verdauungstrakt versorgt und dadurch noch weniger Sauerstoff im Gehirn ankommt.

Hinweis: Eine chronische Hypotonie löst keinesfalls immer Symptome aus. Es gibt Menschen, deren Blutdruck konstant zu niedrig ist und die trotzdem keinerlei Beschwerden damit haben.

Sensibler Regelkreis

Den Blutdruck- bestimmen mehrere Faktoren. Dazu zählen die Kraft und die Anzahl der Schläge, mit der das Herz das Blut in die Hauptschlagader pumpt. Entscheidend ist auch, wie hoch der Widerstand der Gefäßwände ist. Herz und Gefäßmuskulatur werden durch einen komplexen Regelkreis über das autonome Nervensystem gesteuert. Dieser ist wiederum eng verbunden mit der für den Blutdruck wichtigen Regulierung des Flüssigkeitshaushalts. Befindet sich z.B. zu wenig Flüssigkeit – sprich Volumen – in den Gefäßen, halten Herz und Gefäßwände nur schwer den Druck im Blutkreislauf aufrecht.

Je nach Ursache unterscheidet man bei der Hypotonie verschiedene Formen.

  • Die primäre oder essenzielle Hypotonie betrifft vor allem Jugendliche und junge Frauen mit schlankem Körperbau und Ausdauersportler*innen. Ihr liegt vermutlich ein erniedrigter Sollwert im Kreislaufregulationszentrum zugrunde.
  • Als sekundäre Hypotonie werden diejenigen Formen des niedrigen Blutdrucks bezeichnet, die durch eine Krankheit, Flüssigkeitsmangel oder eine Medikamentennebenwirkung ausgelöst werden. Aufgrund der vielen für den Blutdruck relevanten Faktoren gibt es eine große Anzahl solcher Auslöser. Sie reichen von Herzerkrankungen (z.B. Herzinfarkt oder Herzschwäche) über hormonelle Störungen (Schilddrüsenunterfunktion, Nebennierenrindeninsuffizienz) bis zu Blutarmut oder mangelnder Flüssigkeitszufuhr.

Hinweis: Wer unter niedrigem Blutdruck leidet und regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte diese mithilfe der Hausärzt*in prüfen. Neben Entwässerungsmitteln und Wirkstoffen gegen Brustenge (Angina pectoris) können vor allem Antidepressiva und Schmerzmittel eine ungewollte Blutdrucksenkung auslösen. Vorsicht geboten ist auch bei der Einnahme von Phosphodiesterase-III-Hemmern, die in Potenzmitteln wie Sildenafil oder Vardenafil enthalten sind.

Orthostatische Dysregulation

Eine spezielle Form der Hypotonie ist die orthostatische Dysregulation. Im Gegensatz zur chronischen Hypotonie sind dabei die Blutdruckwerte nicht dauerhaft niedrig. Sie sinken nur beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen deutlich ab. Dabei „versackt“ das Blut in den Beinvenen, wodurch das Gehirn weniger durchblutet wird. Die Folge davon sind Schwindel, Sehstörungen, Kopf- und Nackenschmerzen. Typischerweise bessern sich die Beschwerden sofort, wenn sich die Betroffene wieder hinlegt.

Für dieses starke Absinken der Blutdruckwerte diskutieren Expert*innen verschiedene Ursachen. Zum einen kann das autonome Nervensystem geschädigt oder gestört sein, sodass bei einem Blutdruckabfall die schnelle Antwort der Gefäße und des Herzens ausbleibt. Auch eine Hypovolämie, also zu wenig Flüssigkeit in den Gefäßen, soll daran beteiligt sein.

Vor allem bei Jüngeren ist diese Form der Hypotonie oft konstitutionell bedingt. Schlanke und große Menschen sind deshalb häufiger davon betroffen, begünstigend wirken mangelndes körperliches Training und unzureichende Flüssigkeitszufuhr. Bei älteren Menschen wird die orthostatische Dysregulation oft ausgelöst durch

  • Medikamente (Hochdruckmittel, Entwässerungsmittel, Neuroleptika, Parkinsonmittel, Antidepressiva)
  • Volumenmangel in den Gefäßen, z.B. durch mangelnde Flüssigkeitszufuhr, Flüssigkeitsverluste über Durchfall oder Blutungen (z.B. Darmblutungen) und Nierenerkrankung
  • Herzerkrankungen wie Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, koronare Herzkrankheit
  • Hormonstörungen

Hinweis: Die orthostatische Dysregulation tritt in jedem Lebensalter auf. Bei Menschen über 65 Jahren ist sie jedoch besonders häufig, jede Vierte soll davon betroffen sein.

Niedrigen Blutdruck abklären lassen

In den meisten Fällen hat ein niedriger Blutdruck keine ernste Ursache. Trotzdem sollte man mit der Hausärzt*in klären, ob vielleicht weitere Untersuchungen sinnvoll sind. Die Basisuntersuchung ist die normale Blutdruckmessung. Daneben zeigt eine 24-Stunden-Blutdruckmessung, wie es sich mit dem Druck im Tages- und Nachtverlauf verhält. Mithilfe des EKGs kommt man Herzrhythmusstörungen auf die Spur, mittels Ultraschall des Herzens (Echokardiographie) lässt sich die Pumpkraft des Herzens prüfen.

Zwei Tests helfen bei der Diagnose der orthostatischen Hypotonie. Beim aktiven Stehtest (Schellong-Test) misst man Puls und Blutdruck zwei Minuten im Liegen. Dann wird die Patient*in aufgefordert, sich hinzustellen. Dabei misst man sofort und alle 60 Sekunden Puls und Blutdruck über mindestens drei Minuten. Sinkt der systolische Wert um mehr 20 mmHg und/oder der diastolische um mehr als 10 mmHg, liegt eine orthostatische Dysregulation vor. Steigt der Puls durch den Blutdruckabfall stark an, handelt es sich um eine sympathikotone Variante, bei der es häufiger zu Synkopen (Ohnmachtsanfällen) kommt. Bei der klassischen Variante bleibt der Anstieg der Herzfrequenz aus.

Der Kipptisch-Test wird mangels passender Ausrüstung meist nur in Herzpraxen durchgeführt. Dabei liegt die Patient*in zehn Minuten angeschnallt auf einer speziellen Liege, die dann in eine Position von 60 bis 80 Grad aufgerichtet (gekippt) wird. Diese Untersuchung wird vor allem bei unklaren Bewusstlosigkeitsanfällen (Synkopen) eingesetzt, wenn andere Verfahren (EKG, Herz-Echo, Blutdruckmessung, Steh-Test) keine eindeutigen Ergebnisse erbracht haben.

Dem Blutdruck Beine machen

Bei einer sekundären Hypotonie steht als erstes die Behandlung der auslösenden Ursache an, z.B. der Ausgleich eines Hormonmangels oder die Therapie einer Herzschwäche. Liegt keine behandlungsbedürftige Erkrankung vor, helfen oft einfache Maßnahmen gegen die Beschwerden:

Auslöser meiden. Treten die Symptome in bestimmten Situationen auf, gilt es, diese zu meiden. Dazu gehören beispielsweise ein langer Aufenthalt in schwüler Hitze oder zu langes Stehen. Ausreichend Flüssigkeit. Menschen mit einer Hypotonie müssen viel trinken. In der Regel heißt das (nach Rücksprache mit der Ärzt*in) zwei bis drei Liter pro Tag.

Häufig und salzreich essen. Mit mehreren kleinen, leichten Mahlzeiten über den Tag verteilt verringert man die Blutumverteilung in den Verdauungstrakt nach der Nahrungsaufnahme. Hypotoniker*innen sollten zudem salzreich essen, weil Salz Flüssigkeit in die Gefäße „zieht“. Häufig werden täglich 5 bis 10 g Kochsalz empfohlen. Wieviel Salz individuell ratsam ist, sollte unbedingt mit der Hausärzt*in besprochen werden. Zusätzlich ist es günstig, natriumreiches Trinkwasser zu wählen.

Auf Alkohol verzichten. Alkohol erweitert die Gefäße und senkt dadurch akut den Blutdruck. Wer zu Hypotonie neigt, sollte deshalb besser darauf verzichten.

Erhöhte Oberkörperlage beim Schlafen. Wer orthostatische Probleme beim Aufstehen aus dem Schlafen hat, kann das Kopfteil des Bettes um etwa 12° höherstellen. Dadurch wird die nächtliche Wasserausscheidung über die Niere verringert. Oft nützt es, sich vor dem Aufstehen zunächst für zwei Minuten an die Bettkante zu setzen und den Kreislauf an die veränderten Bedingungen zu gewöhnen.

Venentonus erhöhen. Gegen das Absacken des Blutes in die Beingefäße hilft es, die Venen und die umliegende Wadenmuskulatur zu stärken. Dazu eignen sich

  • Isometrische Übungen im Sitzen oder Stehen, z. B. das Überkreuzen der Beine im Stehen und das Auf-die Zehen-Stellen
  • Regelmäßige Anwendung von Wechselduschen oder Kneipp-Güssen
  • Trockenbürstenmassagen der Beine
  • Regelmäßiges Radfahren oder Walking
  • Kompressionsstrümpfe.

Medikamente gegen den niedrigen Druck

Hypotone und orthostatische Kreislaufregulationsstörungen lassen sich manchmal auch mit Wirkstoffen aus dem Pflanzenreich lindern. Ein Flüssigextrakt aus Weißdornbeeren und Campher erhöht beispielsweise die Herzfrequenz und die Kontraktionskraft des Herzmuskels. Die Tropfen sind wasserunlöslich und sollen deshalb auf einem Stück Zucker oder Brot eingenommen werden. Das Präparat ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Synthetische Medikamente helfen ebenfalls gegen einen niedrigen Blutdruck. Sie sollten aber erst dann eingesetzt werden, wenn die anderen Maßnahmen bei der Behandlung der Hypotonie keinen Erfolg zeigen.

  • Sympathomimetika. Rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind die Sympathomimetika Etilefrin und Norfenefrin. Sie unterstützen das autonome Nervensystem und steigern die Herzkraft und den Gefäßwiderstand. Beide Wirkstoffe gibt es als Tropfen oder Tabletten. Sie sind mehrmals täglich je nach Beipackzettel einzunehmen. Um Schlafstörungen zu vermeiden, sollte die letzte Gabe vor 16 Uhr erfolgen. Bei Gefäßerkrankungen oder koronarer Herzkrankheit, Engwinkelglaukom und Prostatavergrößerung dürfen Sympathomimetika nicht eingesetzt werden. Ein weiteres, aber rezeptpflichtiges Sympathomimetikum ist Midodrin. Der Wirkstoff verengt die Gefäße und steigert dadurch den Blutdruck. Es gelten die gleichen Kontraindikationen wie bei Etilefrin.
  • Fludrocortison. Dieses Mineralkortikoid senkt die Natriumausscheidung über die Niere und erhöht dadurch Blutvolumen und Blutdruck. Es wird bei schwerer orthostatischer Hypotonie verordnet, wenn eine erhöhte Salz- und Flüssigkeitszufuhr nicht ausreichen. Als Nebenwirkungen sind Wassereinlagerungen, Herzschwäche, Schwitzen und Kopfschmerzen zu beachten.

Sonderfall Schwangerschaft

Ein niedriger Blutdruck während der Schwangerschaft ist nicht nur lästig für die werdende Mutter – er bedeutet auch eine Gefahr für das Kind. Denn hypotone Mütter haben einerseits ein erhöhtes Risiko für Früh- oder Fehlgeburten. Weil die Plazenta bei niedrigem Blutdruck schlechter durchblutet ist, drohen dem Ungeborenen außerdem Wachstumsstörungen.

Gegen niedrigen Blutdruck können sich werdende Mütter zunächst mit den oben genannten Allgemeinmaßnahmen helfen. Reicht das nicht aus, wird es schwierig. Denn die Behandlungsmöglichkeiten mit Medikamenten sind in der Schwangerschaft stark eingeschränkt. Sympathomimetika verbieten sich in den ersten drei Monaten strikt, da sie in Tierversuchen zu Missbildungen des Fetus geführt haben. Auch in der restlichen Schwangerschaft sollten sie besser nicht eingenommen werden und wenn, nur nach Rücksprache mit der Frauenärzt*in.

Eine medikamentöse Option für Schwangere ist Cardiodoron. Die Tinktur besteht aus Eselsdistel, Bilsenkraut und Frühlingsschlüsselblume und wird gegen Blutdruckschwankungen eingesetzt. In der höheren Konzentration muss der Extrakt von der Ärzt*in verordnet werden, stärker verdünnt ist er rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Wie bei allem Medikamenten in der Schwangerschaft ist es allerdings auch bei der rezeptfreien Variante sicherer, vor Einnahme die Frauenärzt*in zu befragen.

Tipp: Schwangere können ihren Blutdruck auch mit Sport auf Trab bringen. Besonders geeignet sind Schwimmen und Wassergymnastik sowie Radfahren und Nordic Walking. Wer joggen möchte, sollte sich dazu vorher Rat von der Frauenärzt*in einholen – denn Joggen belastet den Beckenboden.

Quelle: DAZ 2023; 12: 36

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: mauritius images/Westend61/zerocreatives